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	<title>Nuevalandia &#187; Anschieber</title>
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	<description>Eine Reise von Altland nach Neuland</description>
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		<title>Selbstausbeutung bei selbstorganisierenden Projekten</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Apr 2009 12:40:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>michey</dc:creator>
				<category><![CDATA[Grundsätzliches]]></category>
		<category><![CDATA[Anschieber]]></category>
		<category><![CDATA[Ausbeutung]]></category>
		<category><![CDATA[Engagement]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
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		<description><![CDATA[Die scheinbare Freiheit In den letzten Artikeln habe ich sehr viel &#252;ber die Vorteile von selbstorganisierenden Projekten, der Schaffung eigener Lebensgrundlagen und Freiheit geschrieben und hier habe ich vor allem die Vorteile und Chancen beschrieben. In diesem Blogbeitrag m&#246;chte ich jetzt auf die gro&#223;e Gefahr der Selbstausbeutung in selbstorganisierenden Projekten hinweisen, die mir bewusst geworden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die scheinbare Freiheit</strong></p>
<p>In den letzten Artikeln habe ich sehr viel &#252;ber die Vorteile von selbstorganisierenden Projekten, der Schaffung eigener Lebensgrundlagen und Freiheit geschrieben und hier habe ich vor allem die Vorteile und Chancen beschrieben. In diesem Blogbeitrag m&#246;chte ich jetzt auf die gro&#223;e Gefahr der Selbstausbeutung in selbstorganisierenden Projekten hinweisen, die mir bewusst geworden ist, als ich einen <a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/30/30110/1.html" target="_blank">Artikel &#252;ber virtuelle Callcenter</a> gelesen habe. Ich m&#246;chte dar&#252;ber schreiben, um M&#246;glichkeiten zu schildern, wie man sich gegen diese Gefahr sch&#252;tzen kann. Dazu muss man die Mechanismen der Selbstausbeutung aber fr&#252;hzeitig erkennen.</p>
<p>In den eben erw&#228;hnten Blogbeitrag, den ich gelesen habe geht es um bestimmte Callcenter, die hier aber lediglich als Beispiel dienen sollen. Es sind auch andere Unternehmensformen denkbar, die aber alle nach einem &#228;hnlichen Muster der Ausbeutung arbeiten werden. Die eben genannten Callcenter besch&#228;ftigen &#8220;selbst&#228;ndige&#8221; Mitarbeiter, die ihre Arbeit am Rechner von zu Hause aus erledigen. Diese scheinbar selbst&#228;ndigen Besch&#228;ftigten sind dabei &#252;ber das Internet mit dem Firmennetzwerk verbunden. Bezahlt werden die Besch&#228;ftigten danach, welche Bewertung sie im Betriebseigenen Bewertungssystem erreichen. Je mehr Umsatz ein Besch&#228;ftigter macht, desto mehr Auftr&#228;ge werden ihm zugeschoben und desto mehr Umsatz macht er. Ein st&#228;ndiger Konkurrenzkampf, die Vereinzelung der Besch&#228;ftigten und gnadenlose Selbstausbeutung sind dabei die Folge. Die vermeintliche Freiheit wird dabei schnell zur Sklaverei. Das Joch der Sklaverei existiert dabei nicht in Form eines Schuldverh&#228;ltnisses, sonder noch viel schlimmer, es existiert lediglich im Kopf der Besch&#228;ftigten. Es ist f&#252;r den besch&#228;ftigten selbst unsichtbar und wird mit der Zeit immer st&#228;rker, bis der Besch&#228;ftigte irgendwann unter der Last der Arbeit gesundheitlich zusammenbricht.</p>
<p><strong>Wo liegt die Grundlage der Selbstausbeutung?</strong></p>
<p>Es stellt sich also die Frage, worin die Grundlage der Selbstausbeutung zu finden ist. Was ist also der Unterschied zu einem Erfinder, der in seiner eigenen Werkstatt bis zum Umfallen an seiner Erfindung arbeitet und z.B einem Ingenieur, der an einem &#252;ber das Internet vernetzten Projekt zur Konstruktion einer Anlage teilnimmt? So einfach l&#228;sst sich die Frage nicht beantworten. Beide k&#246;nnen ausgebeutet werden oder auch nicht.</p>
<p>Zun&#228;chst m&#246;chte ich den Begriff der Selbstausbeutung etwas pr&#228;zisieren: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ausbeutung" target="_blank">Ausbeutung</a> bedeutet zuerst einmal die verbrauchende Nutzung einer Ressource. Auch Menschen k&#246;nnen ausgebeutet werden, z.B. durch Sklaverei oder Lohndumping oder &#228;hnliches. Die Aussage, dass bei Selbstausbeutung ein Mensch diese verbrauchende Nutzung selbst &#252;bernimmt, erscheint mir etwas irref&#252;hrend, denn ein Mensch selbst w&#252;rde das aus eigenem Willen vermutlich nicht tun. Der Menschliche K&#246;rper ist vor allem Faul und verf&#252;gt &#252;ber einen starken Selbsterhaltungstrieb und das ist sicherlich gut f&#252;r den Selbsterhalt. Das erscheint jetzt vielleicht etwas provokativ, aber ich Frage bei in dieser Situation danach, wer hinter dieser Ausbeutung steht, die scheinbar durch den Menschen selbst stattfindet.</p>
<p>Bei genauerem Hinsehen erscheint bei der Selbstausbeutung ein unsichtbares Joch und eine Unsichtbare Peitsche und es ist nicht der Mensch selbst, der Peitsche und Joch f&#252;hrt. Stellt man sich die Frage &#8220;Wer Profitiert ?&#8221; und folgt man den Z&#252;geln am Joch bis zur f&#252;hrenden Hand, so steht hier oft ein Gl&#228;ubiger, ein Investor, laufende Lebenshaltungskosten, die Erwartungen anderer Menschen, Verpflichtungen, die eigenen W&#252;nsche und was auch immer. Die Gr&#252;nde sind hier vielf&#228;ltig aber ganz besonders gef&#228;hlich wird es, wenn andere Personen im Hintergrund profitieren, denn hier hilft nicht einmal der Selbsterhaltungstrieb des ausgebeuteten Menschen.</p>
<p>Die zwei folgenden Bedingungen erscheinen mir besonders auff&#228;llig, dass eine Person im Hintergrund durch die Ausbeutung profitiert:</p>
<ul>
<li>Es existert ein <strong>Bewertungssystem</strong> mit Belohnungs- und Bestrafungsfunktionen, ganz gleich, wie das aussehen mag &#8211; und das ist ganz wichtig &#8211; der ausgebeutete kennt dieses System. Es ist vergleichbar mit einem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Panopticon" target="_blank">Panopticon</a>.</li>
<li>Der Ausgebeutete ist nicht der Eigent&#252;mer seiner <strong>Lebensgrundlagen</strong> und nicht Eigent&#252;mer der <strong>Fr&#252;chte seiner Arbeit</strong>. Die Fr&#252;chte seiner Arbeit geh&#246;ren &#8220;dem Team&#8221;, oder &#8220;dem Projekt&#8221;. Typisch sind hier zum Beispiel Berufsverbote beim Ausscheiden aus dem Projekt oder irgendwelche Verzichtserkl&#228;rungen.</li>
</ul>
<p><strong>Offenes Wissen als Sicherheit</strong></p>
<p>Selbstausbeutung bei selbstorganisierenden Projekten wird am besten durch folgende Vorkehrungen vermieden:</p>
<ol>
<li>Jeder Teilnehmer nimmt am Projekt nur aus Selbstzweck Teil frei nach dem Motto: &#8220;Ich tu was ich will, will was tu und tu es nur f&#252;r mich selbst.</li>
<li>Jeder Teilnehmer muss Eigent&#252;mer seiner Arbeitsmittel sein.</li>
<li>Jeder Teilnehmer hat Zugang zum gesamten Wissen des Projekts.</li>
<li>Jeder Teilnehmer kann dieses Wissen f&#252;r andere Projekte frei nutzen.</li>
<li>Jeder Teilnehmer hat direkten Kundenkontakt bzw. Kontakt zur erschaffenen Lebensgrundlage.</li>
<li>Jeder Teilnehmer kann jederzeit aus dem Projekt aussteigen.</li>
<li>Jeder Teilnehmer erledigt seine Aufgaben nach den Regeln seines Berufsstandes nach bestem Wissen.</li>
<li>Jeder Teilnehmer &#252;bernimmt die Haftung f&#252;r das was er tut nach den gesetzlichen Regeln.</li>
<li>Jeder Teilnehmer wird nach seinem <strong>Arbeitsaufwand</strong> am Gewinn beteiligt.</li>
<li>Kein Teilnehmer akzeptiert Verzichtserkl&#228;rungen, Verpflichtungen, Berufsverbote und Sanktionen.</li>
<li>Kein Teilnehmer akzeptiert einen Vorgesetzten.</li>
</ol>
<p>Wenn einer dieser Punkte nicht erf&#252;llt sein sollte gilt es, besonders Wachsam zu sein.</p>
<p>Hier eine kleine Anmerkung von mir, die aus meiner pers&#246;nlichen Erfahrung stammt: Das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Patanjali" target="_blank">Yogasutra von Patanjali</a> ist ein sehr sch&#246;nes Buch, dass bei genauerem Hinsehen viele Anhaltspunkte zur aktiven Vermeidung von Ausbeutung er&#246;ffnet. Die Aufgabe der <strong>Interpretation</strong> der einzelnen Verse (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sutra" target="_blank">Sutras</a>) liegt absichtlich <strong>beim Leser</strong>, was dieses Buch besonders reizvoll macht. Die Gestaltung des Buches &#8220;Das Yogasutra&#8221; von R. Siriram hat mir pers&#246;nlich am besten gefallen, da hier die originalen Sutras den Erl&#228;uterungen des Verfassers gegen&#252;bergstellt werden.</p>
<p>ISBN 978-3-7831-9525-5</p>]]></content:encoded>
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