Ein netter Artikel aus der Zeit: http://www.zeit.de/2011/50/Kapitalismus-Wirtschaftskreislauf

Kapitalismus

Weg mit dem ganzen Ballast                       11.12.11

Wie Menschen in Deutschland versuchen, sich aus dem großen kapitalistischen Wirtschaftskreislauf zu befreien.                          © Rainer Jensen/dpa

In Neunkirchen im Hunsrück hat der Kampf gegen den Kapitalismus ein erstes Opfer gefordert. Es ist eine Straßenlaterne. Sie steht in der Mitte des kleinen Dorfes, nicht weit vom Haus des Bürgermeisters. Seit 15 Jahren steht sie dort. Jetzt steht sie schief. Der Konflikt mit dem System begann vor einem Jahr, als die Neunkirchner den Strom für die Straßenbeleuchtung nicht länger vom Energieriesen RWE beziehen wollten. Sie wollten ihn selbst herstellen, das halbe Dorf hat Solaranlagen auf dem Dach.

So einfach sei der Ausstieg nicht, ließ RWE wissen. Schließlich gehörten die Laternen dem Konzern. Dann werde man von nun an Miete verlangen, antwortete der Bürgermeister. Schließlich stünden die Laternen auf dem Grund und Boden von Neunkirchen. Es entbrannte ein ergebnisloser Streit um Paragrafen und Bestimmungen. Dann, vor sechs Wochen, knallte ein Auto gegen die Laterne. Seitdem steht sie schief. Solange nicht klar ist, wer ihr Eigentümer ist, wird das wohl so bleiben und allen vor Augen führen, was passieren kann, wenn sich der Bürgermeister eines kleinen Dorfes gegen den Kapitalismus stellt.

Der Bürgermeister ist der 65 Jahre alte Richard Pestemer. Von seinem Holztisch mit Blick auf den eigenen Gemüsegarten schreibt er Protestbriefe an RWE, im Briefkopf das Ortswappen mit zwei Hämmern, in seinem Rücken das Regal mit Werken von Marx, Mao und Laotse. Neben den Büchern steht ein Foto des jungen Pestemer. Mit langem Bart und langen Haaren schaut er dem alten, jetzt kurzhaarigen Bürgermeister dabei zu, wie er den Widerstand organisiert.
Pestemer schien nicht recht in dieses Dorf zu passen, als er vor 20 Jahren auf der Suche nach ländlicher Idylle mit seiner Frau hierherzog. Im Hunsrück wählte man CDU, Pestemer aber war in Köln bei den Grünen gewesen, bald sprach er davon, die Neunkirchner sollten doch den Wald hinter dem Dorf wieder selbst bewirtschaften, sie sollten Gemüse anbauen. Mit solchen Reden wird man schnell zum Außenseiter in einem Dorf mit nur 159 Einwohnern. Pestemer wurde kein Außenseiter, er wurde Bürgermeister, den Leuten gefällt, was »der Richie« sagt. Vor zwei Jahren haben sie ihn wiedergewählt.

»Alle klagen doch über den Kasinokapitalismus mit seinem Profitwahn«, sagt Richard Pestemer. Aber was ist die Alternative? Der Sozialismus ist gescheitert, ein anderes großes Gegenmodell hat niemand parat. Dafür bewegt sich etwas im Kleinen. An den unterschiedlichsten Orten in Deutschland versuchen Menschen, abseits des Systems zu leben. Mit weniger Markt, weniger Wirtschaftswachstum, manchmal auch mit weniger Geld. Aber wie sieht es aus, ein solches Leben?

Diese Frage steht am Anfang einer Reise, die bei Richard Pestemer beginnt. Sie wird weiterführen nach Berlin, wo es Geschäfte gibt, in denen man Waren erstehen kann, ohne dafür bezahlen zu müssen. Ein Wirtschaftsprofessor wird unterwegs auftauchen, der aus Überzeugung nicht Auto fährt und nur selten in Züge steigt. Er wird einem ein schlechtes Gewissen mit auf den Weg geben zur letzten Station, die im Alpenvorland liegt, in der oberbayerischen Provinz, wo ein ehemaliger Lehrer eine neue Art von Geld erfunden hat.

Am Anfang aber, im Südwesten des Hunsrück, wo nur dreimal am Tag ein Bus aus Trier vorbeikommt, blickt man hinab in ein tiefes Tal, in dem an diesem Herbstmorgen noch die Wolken hängen. Dort unten wohnt Richard Pestemer. Eine unebene Straße ohne Mittelstreifen führt nach Neunkirchen hinein, alte Bauernhöfe stehen neben roten Holzhäusern, wie man sie sonst in Schweden oder Norwegen sieht.

Pestemer ist hier seit sieben Jahren parteiloser, ehrenamtlicher Bürgermeister. Früher war er Dolmetscher für Japanisch. Mittlerweile ist er in Rente. Pestemer sagt, er suche seit fast fünfzig Jahren nach einer Alternative zum Kapitalismus. Ausgerechnet hier, in diesem Dorf, in dem es kein DSL und keinen Handyempfang gibt, scheint er sie gefunden zu haben

Pestemer steht in der Küche und kocht Mittagessen. Ofenkartoffeln und Salat aus dem eigenen Garten. Vor dem Fenster breiten sich die Gemüsefelder der Nachbarn aus, noch Anfang Dezember wachsen dort Lauch und Kohl. Pestemer hat drei Hühner und ein Schwein, das bei einem Nachbarn im Stall steht. »Nach der Energiewende kommt die Nahrungsmittelwende«, sagt er voraus.

Weniger Kapitalismus – für Richard Pestemer bedeutet das ganz einfach: weniger kaufen, mehr selbst machen. Selbstversorgerstrukturen seien auch in den Städten möglich, glaubt er. Pestemer spricht von der »solarangetriebenen, nachhaltigen Regionalgesellschaft«, einem regionalen Kreislaufsystem aus Produktion und Konsum. Erst vor Kurzem hat er einen Vortrag an der Uni Trier darüber gehalten.

Hinterm Dorf beginnt der Wald. Auf den Lichtungen sprießen Buchensetzlinge zwischen achtzig Jahre alten Fichten. Früher war der Wald Teil des Forstzweckverbandes, in dem mehrere Gemeindewälder der Region verwaltet wurden. Damals machte man mit dem Wald noch Verlust. Seitdem die Gemeinde ihn wieder selbst bewirtschaftet, erzielt sie daraus Gewinn. Mitunter ist auch eine Wirtschaftsform rentabel, der es nicht zuerst um dem Profit geht.

Ein Arbeitsplatz für die Försterin Anne Koch wurde geschaffen. Die Bewohner holen ihr Brennholz jetzt aus dem eigenen Wald. Seitdem Pestemer nicht mehr mit Öl, sondern mit Holz heizt, sind seine Energiekosten auf ein Drittel gesunken. Er ist unabhängig vom knappen Rohstoff Öl, und außerdem ist Holz nachhaltig: Es wird nur so viel aus dem Wald geholt, wie auch wieder nachwachsen kann.

Pestemer hat vor langer Zeit ein Buch gelesen, das jetzt wieder aktuell ist. Vor fast 40 Jahren schrieb der aus Deutschland stammende, britische Ökonom Ernst Friedrich Schumacher den Bestseller Small is beautiful. Er passt hervorragend zu Pestemers Versuch der Regionalisierung. Schumacher kritisiert in seinem Buch die Vergötterung des Gigantismus. Unendliches Wachstum, angetrieben von endlichen Ressourcen, das könne auf Dauer nicht funktionieren. Schumacher war vor den Nazis nach Großbritannien geflohen, wo er nach dem Krieg die Regierung beriet. In seinem Buch plädiert er für eine Philosophie der Genügsamkeit, weil Wirtschaftswachstum nicht automatisch gut ist und »größer« nicht »besser«. Konsum sei kein Selbstzweck, echter Wohlstand nicht an der Höhe des Bruttosozialproduktes messbar.

In Neunkirchen schneiden die Leute heute selbst die Friedhofshecke, anstatt Unternehmen zu beauftragen. Sie kehren selbst die Straßen. Das spart Geld und fördert den Gemeinsinn. Nur dem Land Rheinland-Pfalz ist dieses Klein-Klein ein Dorn im Auge. Die Kommunalverwaltungsreform könnte für Neunkirchen bedeuten, dass es bald einer größeren Einheitsgemeinde zugeschlagen wird. Dann wäre die Selbstverwaltung des Dorfes dahin. Deshalb kämpft Richard Pestemer jetzt nicht nur gegen RWE, er schreibt auch wütende Briefe an die Landesregierung in Mainz.

Man muss nicht unbedingt aufs Land fahren, um in Deutschland kleine Inseln zu finden, die sich dem Kapitalismus widersetzen. In fast allen Großstädten haben sich Umsonstläden gegründet, Geschäfte, in deren Regalen Waren liegen, die irgendjemand einmal irgendwo gekauft hat und dann irgendwann nicht mehr brauchte. Kunden, die in diese Läden gehen, können sich gratis bedienen. Hier wird Handel ohne Geld betrieben, praktische Kapitalismuskritik.

Robert Podzuweit weiß noch, wie er sich wunderte, als er vor sieben Jahren vom ersten Berliner Umsonstladen hörte. Podzuweit hat ein paar Semster Betriebswirtschaftslehre studiert, er sagt, er kenne die Gesetze der Ökonomie. Warum sollten Menschen Dinge, die sie nicht mehr brauchen, extra in einen Laden bringen, wenn sie davon keinen Nutzen haben? Er sah sich dieses Umsonstgeschäft an und war begeistert, dass eine Unternehmung, die gegen alle ökonomischen Gesetzmäßigkeiten verstößt, funktioniert.

In Berlin-Friedrichshain gründete er vor fünf Jahren dann mit einer Gruppe anderer Leute den »Schenkladen Systemfehler«. Er ist jeden Tag ein paar Stunden geöffnet. Robert Podzuweit, der eine kleine Druckerei betreibt, hat heute Abenddienst – unentgeltlich, versteht sich. Offenbar muss man erst einmal ehrenamtlich arbeiten, um einen Ausweg aus dem Kapitalismus zu finden.

Im Schenkladen hängt ein Geruch wie in allen Secondhandläden, nach gebrauchten Kleidern und PVC. Es stehen Bücher im Regal, Geschirr, Gläser, Computer. Dinge, die sauber sind und nicht kaputt und von denen die Ladenbetreiber glauben, dass sie ein anderer wieder mitnehmen wird. Ein paar Dutzend Umsonstläden gibt es mittlerweile in Deutschland. »Wir nennen unseren Laden Schenkladen, weil das Wort umsonst auch eine negative Konnotation hat«, sagt Podzuweit. Systemfehler ist kein Tauschladen, man muss nichts bringen, um etwas mitnehmen zu dürfen. Die Regale sind trotzdem voll. Ein junges Paar mit kleiner Tochter stöbert in den Kleidern. Ein Mann kommt herein, er bringt zwei Laptops vorbei, erst wenige Jahre alt. Er hat jetzt einen neuen Computer, die alten braucht er nicht mehr.
Robert Podzuweit stört es nicht, seinen Feierabend im Laden zu verbringen. »Ich darf hier ja auch Sachen mitnehmen, dadurch brauche ich weniger Geld und bin unabhängig«, sagt er. Im Kapitalismus bedeutet Unabhängigkeit, so viel Geld zu haben, dass man nicht darüber nachdenken muss, wofür man es ausgibt. Für Podzuweit bedeutet Freiheit, ohne Gelddruck zu leben. Nicht dass Podzuweit ein Systemfeind wäre, er ist SPD-Mitglied und sieht sehr bürgerlich aus mit seinen zurückgekämmten Haaren, blauem Hemd und beiger Hose. Aber seiner Meinung nach denkt seine Partei zu wenig über den Systemwandel nach, der dringend notwendig wäre. »Indem man das, was im Überfluss existiert, umverteilt, muss weniger produziert werden. Die Nachfrage sinkt, und das ist ein Angriff auf den Kapitalismus.«

Ganz ohne Geld aber funktioniert der Angriff auf den Kapitalismus nicht. Der Laden kostet Miete. Das Projekt kann nur überleben, weil es Spender gibt und Paten, die es unterstützen. Solidarische Ökonomie nennt man das im Schenkladen.

Postwachstumsökonomie sagt Niko Paech dazu. Paech lehrt an der Uni Oldenburg, er ist der vielleicht ungewöhnlichste Wirtschaftsprofessor in Deutschland. Denn in einem waren sich Marxisten und Neoliberale, linke und rechte Ökonomen immer einig: dass Wachstum etwas Gutes ist, dass es in der Wirtschaft stets darum gehen sollte, möglichst viel Geld zu verdienen.

Paech geht es nicht nur darum, anders zu wirtschaften, sondern vor allem darum, anders zu leben. Nur zwanzig Stunden in der Woche zu arbeiten, zum Beispiel. Mehr Freizeit, um den Kapitalismus zu überwinden, das klingt nach einem interessanten Konzept.

Niko Paech ist nicht leicht zu sprechen. Ein Handy besitzt er aus Überzeugung nicht – für ihn ist das Wohlstandsschrott. Man muss versuchen, ihn im Büro zu erreichen, wo er aber nur Teilzeit arbeitet. Auch seine E-Mails liest er selten. Hat man ihn dann am Apparat, erzählt er von einer Kollegin, die ihn neulich überreden wollte, zu einer Konferenz nach Indien zu reisen. Auch die Inder hätten ein Recht darauf, von der Postwachstumsökonomie zu erfahren, meinte sie. Paech aber sagt, er wolle nicht Teil der »hoch dotierten Klimaschutzschickeria« sein, »die im Namen der guten Sache genauso pausen- wie wirkungslos von Kontinent zu Kontinent jettet«.

Fast alle wissen heute, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen ökologischen Schäden und menschlichem Wohlstand. Nicht viele aber stellen deshalb ihr Leben so konsequent um wie Niko Paech. Er hat nicht nur kein Handy, er steigt auch in kein Auto, fliegt nicht, schränkt Bahnreisen auf ein Minimum ein und teilt sich einen alten Laptop mit einem Kollegen. Paech sieht das alles nicht als Verzicht, sondern als »Befreiung von Wohlstandsballast und Wiedererlangung von Souveränität«. In reichen Ländern wie Deutschland führe noch mehr materieller Wohlstand längst nicht mehr dazu, dass die Menschen glücklicher würden.

Paech hat das Ideal des Prosumenten entwickelt: eines Menschen, der zwar noch Geld verdient und konsumiert, aber eben auch produziert. Paech selbst nutzt seine freie Zeit, um Brot zu backen oder an seinem Fahrrad herumzuschrauben. Braucht er neues Werkzeug, versucht er zuerst, es durch Tauschhandel mit seinen Freunden und Nachbarn zu bekommen. »Suffizienz und urbane Selbstversorgung« nennt er das im Wissenschaftsjargon. So führt der Ökonomieprofessor ein Leben, das mit der Marktwirtschaft nur noch am Rande zu tun hat. Paech weiß, dass er mit seinem Konzept nur wenige begeistern kann. Aber er glaubt, dass die Leute irgendwann nicht mehr anders können, als so zu leben. Mit seinen Ideen hat er es im wachsenden Kreis der Wachstumskritiker zu einiger Prominenz gebracht. Bürgermeister Richard Pestemer beruft sich auf ihn, auch Christian Gelleri, der Gelderfinder, ist begeistert von Paechs Ideen. Zu ihm führt die letzte Etappe dieser Reise.

In der oberbayerischen Stadt Rosenheim, eine halbe Zugstunde von München entfernt, hat der frühere Waldorflehrer Christian Gelleri im Kleinen etwas entwickelt, von dem er glaubt, dass es eine Antwort auf die große Euro-Krise sein könnte: eine andere Art des Geldes. Gelleri ist der Erfinder des Chiemgauers, einer Währung, die nur im Chiemgau gilt. Dort ist sie zum zweiten Zahlungsmittel neben dem Euro geworden. Mehr als 600 Geschäfte und Unternehmen akzeptieren den Chiemgauer inzwischen. Die Leute benutzen das neue Geld längst wie das alte. Sie kaufen Semmeln, Gemüse, Fernseher. Und verkleinern dabei den Kapitalismus.
Alles begann im Jahr 2002 mit einem Unterrichtsprojekt. Gelleri war damals noch Wirtschaftslehrer an der Waldorfschule in Prien am Chiemsee. Gemeinsam mit seinen Schülern entwickelte er die Idee des neuen Geldes. Eine Idee, die eigentlich sehr alt ist.

Als das Geld vor Tausenden von Jahren erfunden wurde, da war es ein Tauschmittel, nichts weiter. Die Leute benutzten es, weil es lästig war, Ziegen gegen Weizen zu tauschen oder Kühe gegen Hosen. Heute aber dient das Geld längst nicht mehr nur dazu, Waren auszutauschen. Es wird gehortet, gelangt an die Börsen, bläst Spekulationsblasen auf, verwandelt sich in Zinsen und Schulden und reißt die halbe Welt in die Krise. Damit das Geld keinen Schaden mehr anrichtet, muss es zum reinen Tauschmittel werden. Die Leute sollen nicht damit spekulieren, sie sollen es ausgeben. Das Geld soll in Umlauf bleiben, statt an die Finanzmärkte zu fließen. Das ist die Grundidee des Chiemgauers.

Ein Chiemgauer ist einen Euro wert. Aber nicht sehr lange. Jeder Schein der regionalen Währung behält seinen aufgedruckten Wert nur drei Monate. Wer ihn dann immer noch im Geldbeutel hat, muss eine Marke kaufen und auf den Schein kleben. So verliert das Geld mit der Zeit seinen Wert. Außer man gibt es aus.

Ein schlechtes Geschäft, möchte man meinen. Aber die Leute im Chiemgau sehen das anders. Die Ladenbesitzer mögen das neue Geld, weil der Chiemgauer die Kunden an sie bindet. Die Kunden mögen ihn, weil sie damit die regionale Wirtschaft fördern. Und wenn ein Unternehmer die Chiemgauer in Euro zurücktauscht, fließen drei Prozent des Umsatzes an gemeinnützige Vereine. Der Chiemgauer ist rot, gelb, blau. Die Scheine sehen aus wie Spielgeld und fühlen sich an wie bedrucktes Papier. Wertlos. Auch das ist Absicht. Die Leute sollen gar nicht erst eine emotionale Bindung zu dem neuen Geld aufbauen.

Vor sechs Jahren gab Christian Gelleri seinen sicheren Job als Lehrer auf. Heute ist er Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft, die den Chiemgauer herstellt und in Umlauf bringt. Etwas abgehetzt stürmt er ins Büro im Industriegebiet von Rosenheim, die Gesellschafterversammlung am Vorabend war turbulent. Es ging um die Frage, wie schnell die Währung wachsen soll. 550.000 Chiemgauer sind im Umlauf. Demnächst wird ein dritter Mitarbeiter eingestellt, neue Investitionen wären möglich. Gelleri gehört zur Gruppe derer, die ein langsames Wachstum wollen, ein »organisches«, sagt er.

Reich wird er nicht mit seiner neuen Arbeit. Er bekommt nur ein symbolisches Gehalt, verdient sich etwas mit Tagungen und Vorträgen dazu. Er nennt es das »Prinzip Selbstausbeutung«.

Gelleri glaubt, eine Regionalwährung könnte auch in Krisenländern wie Griechenland funktionieren. Die Griechen könnten damit ihre Binnenwirtschaft stärken, könnten verhindern, dass das Geld ins Ausland abfließt. »Was hat man denn zu verlieren? Wenn alles so weitergeht wie bisher, fliegt Griechenland aus dem Euro«, sagt Gelleri.

Längst ist er nicht mehr der Einzige, der glaubt, das Geldsystem müsse von Grund auf überdacht werden. Im Gegenteil, Christian Gelleri ist gerade viel gefragt. Kürzlich war er in der Talkshow Beckmann in der ARD eingeladen, wenig später diskutierte er auf einer Tagung über ein nationales Parallelgeld für Griechenland. Selbst die britische Zeitung The Guardian hat schon über ihn berichtet.

Es dürfte schwierig sein, mit dem Chiemgauer Kapitalrenditen von 25 Prozent zu erzielen. Eine Währung, die ständig an Wert verliert, bringt keine Zinsen. Aber auch keine Krisen. Letztlich, sagt Gelleri, geht es darum, ob man ein System, das auf Risiko setzt, eintauschen will gegen eines, das auf Stabilität baut. Das ist auch eine Mentalitätsfrage. Gelleri findet, es ist Zeit, zufrieden zu sein mit dem, was man hat, auch wenn es nicht so viel ist. Vielleicht stehen in den Tagen der Finanzkrise die Aktien gar nicht schlecht für diese Sichtweise.

Internetzensur

Das Internet

Als ich heute mal wieder einen Bericht über Politiker gelesen hatte, die schon wieder die Zensur des Internets fordern, ist mir das erste mal aufgefallen, wie absolut schwachsinnig eine solche Forderung überhaupt ist. Die Frage, ob das Internet ein rechtsfreier Raum sei, oder ob man das Internet kontrollieren müsse, macht genau so viel Sinn wie die die Beantwortung der Frage, ob es gefährlich ist, wenn jemand Luft so an den Straßenrand einer engen Straße stellt, dass die Autos nicht mehr vorbei kommen. Ich persönlich bin sowieso der Meinung, dass Luft immer aufrecht neben den Hauseingang im Innenhof von Gebäuden abgestellt werden sollte und nichts auf den öffentlichen Straßen zu suchen hat. Wie auch immer … Zunächst einmal möchte ich beschreiben, was das Internet überhaupt ist.

Grundsätzlich funktioniert das Internet so, dass man zwischen zwei Computern ein Stromkabel verlegt und dann Dateien von einem Computer auf den anderen überträgt. In meinem Büro zum Beispiel stecke ich ein Netzwerkkabel zwischen meinen Arbeitsrechner und meinen Messrechner und kann so irgendwelche Messwerte vom Messrechner auf meinen Arbeitsrechner übertragen. Das gleiche kann ich auch über die Telefonleitung machen, wenn mein Messrechner in einer anderen Stadt steht. Ich muss nur die “Telefonnummer” des anderen Rechners kennen und los geht’s. Diesen technische Vorgang nennt man Internet. Damit wir uns keine Telefonnummern merken müssen gibt es Rechner, auf denen die Telefonnummern vieler Rechner in einem Telefonbuch gespeichert sind. Wenn ich zum Beispiel “www.nuevalandia.net” in meinen Browser eingebe, so ruft mein Rechner beim Telefonbuchrechner an und holt sich dort die Telefonnummer von “www.nuevalandia.net”. Dann ruft mein Rechner bei “www.nuevalandia.net” an und dann werden Daten zwischen ”www.nuevalandia.net” und meinem Rechner übertragen. Wenn ich die Telefonnummer “www.nuevalandia.net” kenne, dann kann ich diese auch direkt in meinen Browser eingeben und brauche den Telefonbuchrechner nicht. Dann gebe ich nicht  ”www.nuevalandia.net” in meinen Browser ein sondern eine Zahl, die auch IP-Adresse genannt wird. Es ist sogar möglich echte Telefonverbindungen zwischen zwei Rechnern herzustellen und darüber Daten übertragen, so wie es in den Anfangstagen des Internets üblich war.

Kontrolle des Internets – Die Ablenkung vom Wesentlichen

Das Internet zu kontrollieren heißt zu kontrollieren, ob jemand Daten über ein Kabel oder Funksignale von einem Rechner auf einen anderen überträgt. Wie soll den das funktionieren, ohne dass man das gesamte Telefonnetz außer Betrieb nimmt und alle noch so kurzen Stromkabel sowie auch alle Funkgeräte vernichtet?

Das Internet zu kontrollieren heißt zu kontrollieren, welche Dateien jeder Mensch auf seinem Computer hat, denn alle unsere Rechner, die an ein Datenkabel angeschlossen sind, sind das Internet. Das Internet zu kontrollieren heißt jeden einzelnen Computer Datei für Datei zu durchsuchen und jede Änderung jeder Datei auf jedem Computer zu kontrollieren. Es gibt sogar Kaffemaschinen, die in der Lage sind, mit dem hausinternen Server zu kommunizieren, um sich mit dem Wecker abzustimmen, damit der Kaffee im entfernt gelegenen Büro rechtzeitig fertig ist, wenn der Unternehmer morgens zur Arbeit kommt. Auch hier werden Daten von einem Rechner auf einen anderen übertragen. Diese Dinger sind obendrein mit einem Notebook noch frei programmierbar, so dass sie auch Rechenaufgaben lösen könnten oder die Einkaufsliste im Server ergänzen. Will man auch das kontrollieren? Was bitte schön soll den das werden? Unter welchem Ängsten und Psychosen müssen Leute leiden, die immer und immer wieder Kontrolle fordern? Oder liegt es eher daran, dass diese Leute keine Ahnung haben, was das Internet eigentlich ist und dass sich ihr technisches Verständnis noch im frühen 20 Jahrhundert befindet? Allen, die das Internet kontrollieren wollen sei gesagt: Vergesst es ! Beschäftigt Euch mit der Technik des 21. Jahrhunderts. Das wird Euch die Angst vor der Technik nehmen.

Übrigens: Als es noch keine Computer gab hat auch kein vernünftiger Mensch davor Angst gehabt, was im Tagebuch anderer Menschen steht. Das Tagebuch anderer Menschen zu lesen war früher sogar ein Grund, sich zu schämen.

Das Internet als Raum – so ein Unsinn

Wenn ich als Kind im Fernsehen die Muppet-Show etwas gruselig fand, haben meine Eltern immer zu mir gesagt, dass das, was ich im Fernsehen sehe, nur ein Film ist. Heute finde ich sogar Zombie-Filme lustig weil ich weiß, dass das alles nur ein Film ist. Ich glaube nicht alles, was ich auf einem Bildschirm sehe.  Zu sagen, das Internet sei ein Raum, in dem sich  Leute treffen, ist für mich eine unsinnige Aussage. Das Internet ist überhaupt kein Raum. Das einzige was stattfindet ist, das real existierende Menschen Nachrichten und Dateien miteinander austauschen, die sich auf den Festplatten und Arbeitsspeichern ihrer Computer befinden. Das ist das was wirklich real ist. Was Menschen tun, das ist real. Zu allen, die das Internet kontrollieren wollen, weil sie das, was sie auf ihrem Bildschirm sehen nicht verstehen, kann ich nur sagen:

“Es ist alles nur ein nur ein Film, Ihr müsst keine Angst haben und nicht alles glauben, was auf Eurem Bildschirm steht.”

Diejenigen, die das Internet als das sehen was es ist, werden von den Möglichkeiten des freien Datenaustausches und des Zugangs zu Wissen profitieren, denn freies Wissen hilft, sich frei weiter entwickeln zu können.

 

Es ist schon sehr traurig (oder auch lustig?!) wie seit Monaten versucht wird dem Schuldenproblem in Europa beizukommen. Wie seit Jahren geht es dabei nur um die Behandlung von Symptomen und kurzfristiger Schadensbegrenzung. Über die tiefer liegenden Ursachen dagegen wird kaum diskutiert. Solange wir hier wegschauen, werden wir nie Ruhe bekommen. Im Gegenteil, der Kessel wird immer heißer… ! :

Derzeit werden als Lösung des Schuldenproblems vor allem 3 Möglichkeiten gesehen:

  • A) Einführung von Euro-Bonds, wobei alle Länder für alle mithaften würden.
  • B) Aufkauf der Schulden (Staatsanleihen der betroffenen Länder) durch die Europäische Zentralbank (EZB)
  • C) Beschneidung der nationalen Fiskalpolitik und Bestimmung aus Brüssel

A) Euro-Bonds

  • Voraussichtlich würde sich die Lage erstmal etwas beruhigen und ein Flächenbrand vermieden: Denn jetzt haften die “besseren Schuldner” für die “schludrigeren Schuldner” mit. Griechenland, Portugal usw. wären auf einmal wieder viel Kreditwürdiger und könnten wieder Kredite zu günstigeren Zinssätzen aufnehmen.
  • Dies wäre allerdings nur kurzfristig, denn die überschuldeten Länder werden es trotzdem kaum schaffen ihre Finanzen “in Ordnung” zu bringen: Dazu wären a) die Einschnitte im sozialen Bereich viel zu hart und auch unverständlich, da der “kleine Mann” am wenigsten Schuld am Problem hat. b) an die “Reichen” und “Gewinner” (bzw. Verursacher der Krise) wird kaum ein “rankommen” sein bzw. haben diese einen zu großen Einfluss. Außerdem würde immer versucht werden das Thema aufzuschieben, da die Politiker (systembedingt) meist nur max. 4 Jahre (1 Legislaturperiode) voraus denken (also kurzfristig).
  • Die Schulden würden also weiter wachsen und dann wären auch die Euro-Bonds immer weniger kreditwürdig. Die Krise würde genauso wieder vor der Tür stehen, aber nur ein paar Nummern größer und mit “Geiselhaft” aller EU-Staaten…

B) Ankauf Staatsanleihen durch EZB

  •  Die hochverschuldeten Länder könnten sich erstmal etwas Luft verschaffen, da die Kredite von der EZB weniger Zinsen kosten würden als auf dem “normalen” Markt.
  • Das Problem würde aber aller Voraussicht nach wie bei A) nur etwas nach hinten verschoben.
  • Falls dann doch der Bankrott käme, würde die EZB (und damit alle Euro-Länder) haften.

C) Verlust der nationalen Unabhängigkeit und Bestimmung aus Brüssel (als Gegenleistung zu Krediten)

  • Damit könnte aus Brüssel ein Sparplan in dem jeweiligen Land durchgesetzt werden.
  • In der Praxis richtet sich der Sparplan aber meist gegen den “kleinen Mann”, Sozialleistungen und Rente. Da gibt es keine so große Lobby-Gegner bzw. sitzen nicht mit in der Regierung.
  • Solche einseitigen und ungerechten Sparpläne ließen sich aus Brüssel viel leichter durchsetzen, da die betroffenen Einwohner kaum nach Brüssel demonstrieren kommen würden.

Was wäre, wenn die Staatsschulden tatsächlich nicht weiter wachsen würden?

  • O.K., sehen wir mal nicht so schwarz. Nehmen wir tatsächlich einmal an, die Länder schaffen es irgendwie ihr Schuldenproblem doch noch in den Griff zu bekommen und mittelfristig tatsächlich einen ausgeglichenen Haushalt. (In der Theorie wäre dies gar nicht so schwer und man bräuchte nicht einmal “den kleinen Mann” schröpfen ! (aber dies ist ein anderes Thema)).
  • Was passiert am Finanzmarkt, wenn die Staaten sich nicht mehr wie seit Jahrzehnten jedes Jahr weiter Verschulden würden? Was passiert, wenn dieser “treue Schuldner” weg fällt oder sogar Kredite zurückzahlt?
  • Dann würden die Gläubiger (in erster Linie die Banken) ein großes Problem bekommen: Wer nimmt stattdessen das viele Geld?
  • Das meiste würde vermutlich in Spekulationen fließen und die sowieso schon wieder wachsenden Blasen weiter aufblähen. Oder es würde in der Politik Druck machen um weitere Anlagemöglichkeiten “zu schaffen”. Z.B. mit der weiteren privaten Aneignung von Lebensgrundlagen.
  • Wozu das führt ist ja inzwischen auch bekannt…

Was bleibt dem Staat also übrig? Er muss weiterhin die “übrigen” Gelder vom Kapitalmarkt aufnehmen und mit Zinsen vernünftig bedienen, damit das Finanzsystem nicht zusammenbricht ?!

Dies geht allerdings nur, wenn die Schulden nicht ewig prozentual steigen (sonst wäre das Land ja irgendwann bankrott). Die prozentuale Verschuldung bliebe aber gleich, wenn im Verhältnis der neuen Schulden auch die Wirtschaft (und damit die Staatseinnahmen) mit wachsen würden.

Aha! Da haben wir doch die Lösung: Wir setzen alles auf Wirtschaftswachstum und brauchen uns dann um die Schulden nicht mehr zu sorgen !!! Am besten jedes Jahr um 3-4% (also exponentiell). Dann würden vielleicht sogar wieder Arbeitsplätze geschaffen (2% reichen dafür noch nicht!)?!

Aber Mist! Da gibt es auch wieder ein Problem: Exponentielles Wirtschaftswachstum geht langfristig überhaupt nicht (s. Wirtschaftswachstum und Bruttoinlandsprodukt). Schon jetzt erreichen wir unser hoch gelobtes Wirtschaftswachstum hauptsächlich aus Schäden an Natur und Gesellschaft.

Aha, nun kommen wir dem Wurm in unserem Wirtschaftssystem langsam auf die Schliche:

  • Wir haben eigentlich nicht nur zu wenig Geld (zu viel Schulden), sondern wir haben (mindestens genauso schlimm) viel zu viel Geld, welches um die Welt vagabundiert (die summe aller Schulden und Geldvermögen ist immer 0, den riesigen Schuldenbergen stehen also genauso riesige Vermögensberge gegenüber, diese aber eher selten beim Ottonormalbürger):
  • Es gibt mehrere Billionen! Euro, welche um die Welt schwappen auf der Suche nach guten Anlagemöglichkeiten. Diese vielen Billionen stammen hauptsächlich aus den zurückgelegten Geldern von Versicherungen (z.B.Lebensversicherungen), Rentenansprüchen, Bankspar-Produkten (z.B. Investmentfonds) und sonstige Finanzinvestoren (z.B.HedgeFonds).
  • Nun ist allerdings eine gute Rendite mit geringem Risiko in der Realwirtschaft nicht mehr zu machen. Die Renditen sind zum allergrößten Teil nur noch auf Kosten der Gesellschaft (bzw. kommenden Generationen) oder der Umwelt zu erzielen. Z.B:
  • - In der leistungslosen Wirtschaft, wobei einfach nur anderen etwas weggenommen wird.
  • - Durch Raubbau und Zerstörung der Natur über die Externalisierung von Umweltkosten
  • - Durch Aufnahme des Kapitals durch Staaten, die sich immer mehr Verschulden (eben das oben besprochene Thema) oder
  • - sonstige Spekulationsgewinne mit der Entstehung von Blasen (z.B. die Immobilienblase der USA, welche sich zur Weltfinanzkrise entwickelte).

Man sieht hier, dass alle diese attraktiven Anlagemöglichkeiten für die immer schneller wachsenden und suchenden Billionen €, allesamt schädlich sind.

Aber das ist noch nicht alles: Zudem vermehrt und konzentriert sich das Geld bei der Hochfinanz immer weiter  (diese Leute haben soviel Geld, dass man es beim besten Willen nicht mehr ausgeben kann, man legt es also wieder an usw. usw… über die Zinskosten in den Produkten dürfen es dann alle zahlen)  -> Dadurch geht die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander. Dann muss oft der Staat wieder einspringen (um das gröbste zu verhindern)

Was also tun?

Was wäre, wenn wir diese attraktiven aber schädlichen Anlageformen “auschalten” ? Das könnten wir ziemlich gut machen mit:

-> Aber was passiert mit dem angelegten Geld? Es würde sich kaum mehr lohnen!

-> Ein Großteil des Geldes würde:

  • in Sachgüter fließen: dann bekämen wir eine ordentliche Inflation, die könnte sich selbstverstärken und es kommt zum Währungscrash mit Geldentwertung. oder
  • würde einfach abgezogen und “unter der Matraze” (bzw. auf dem Girokonto) gehortet (da die Anlage ja kaum etwas bringt). Damit steht das Geld der Wirtschaft nicht mehr zur Verfügung. Diese müssen aber ihre Kredite nach Ablauf durch neue Ablösen, was dann nicht mehr richtig klappt (bzw. nur zu einem viel höherem Zinssatz).  Es käme zur Deflation. Auch diese könnte sich schnell selbstverstärkend entwickeln und am Ende stünde genauso ein Crash des Währungssystems.

O.K., so geht das also auch nicht. Wie war nochmal das Problem? Ach ja:

  • wir haben eigentlich zu viel Geld (bzw. eigentlich ist dies ja Geldvermögen, für Volkswirte die Geldmenge M3). Diese (aufgrund der Zinsen/Renditen) immer weiter wachsenden Geldvermögen brauchen immer weitere Anlagemöglichkeiten, damit es nicht zum Crash kommt.
  • Diese Anlagemöglichkeiten richten aber inzwischen immer größere Schäden an.

Was nun? Pest oder Cholera?

Es gibt vermutlich nur einen Ausweg um langfristig Ruhe zu bekommen und die o.g. Maßnahmen gegen die derzeitigen Schädigungen durchzuführen:

  • Die extremen Geldvermögen ohne Nachfrage in der Realwirtschaft müssen Schritt für Schritt zurückgefahren werden. Dies z.B. durch hohe Steuern auf Geldvermögen.  Wenn nicht, wird dies durch einen zukünftigen Crash erledigt, dann aber chaotisch & unkontrolliert.
  • Es sollten parallele, selbstregulierte Geldsysteme (die nicht selbstverstärkend immer weiter wachsen, sondern sich selbständig an den optimalen Bedarf anpassen) geschaffen  bzw. vorhandene unterstützt werden. Dann würde ein Crash auch weniger chaotisch werden. Wir hätten dann auch eine bedeutend krisenfreiere Wirtschaft, denn das Geld wäre dann für die Wirtschaft in dem Moment da, wo es wirklich gebraucht würde. Im Moment ist es dagegen so, dass die Wirtschaft sich dem Gelddruck anpassen muss (s.auch: Die Euro-Krise beschleunigt sich).

 

Na dann schauen wir mal, die Spiele sind eröffnet….!

 

 

Es gibt einen neuen, aktuellen Versuch der US-Regierung weiteres Wissen zu monopolisieren.  Ein aktueller Aufruf des Netzwerkes Avaaz zur Verteidigung des freien Wissens:

Gerade berät der US-Kongress über ein Gesetz, das ihm eine weltweite Internet-Zensur erlauben würde — mit einer schwarzen Liste, die auf YouTube, WikiLeaks und sogar Gruppen wie Avaaz abzielen könnte!

Das Gesetz würde es den USA erlauben, Internetanbieter zur Sperrung von Webseiten zu zwingen — wenn auch nur der Verdacht einer Verletzung eines Urheberrechts oder Markenzeichens besteht, oder wenn ein Anbieter die Aktivität der Nutzer nicht ausreichend überwacht. Da sich der Großteil der Datenbank- und Hardwarebetreiber in den USA befinden, würde diese schwarze Liste für uns alle eine Bedrohung des freien Internets darstellen.

Die Abstimmung steht kurz bevor, aber wir können mithelfen, das Gesetz aufzuhalten — Verfechter der Meinungsfreiheit im Kongress teilten uns mit, dass ihnen ein weltweiter Sturm der Empörung den Rücken stärken würde. Lassen Sie uns dringend überall auf der Welt Alarm schlagen. Mit einem gewaltigen internationalen Aufruf drängen wir die Entscheidungsträger in den USA dazu, das Gesetz abzulehnen und Internet-Zensur zu stoppen. Klicken Sie auf den Link zum Unterzeichnen und leiten Sie die Email an alle weiter — unsere Botschaft wird vor der entscheidenden Abstimmung direkt an wichtige Abgeordnete überreicht:

http://www.avaaz.org/de/save_the_internet/?vl

Jahrelang hat die US-Regierung Länder wie China und Iran für ihre Internet-Kontrolle verurteilt. Doch nun könnten die Auswirkungen von Amerikas neuen Zensurgesetzen viel schwerwiegender sein — indem Webseiten für jeden Internetnutzer auf der Welt blockiert werden.

Letztes Jahr wurde ein ähnliches Internet-Zensurgesetz verhindert, bevor es den Senat erreichte, aber jetzt ist es in einer neuen Form zurückgekehrt. Urheberrechte existieren bereits und werden gerichtlich vollstreckt. Doch dieses Gesetz geht viel weiter — es gibt der Regierung und Großkonzernen die Macht, Anbieter und Suchmaschinen zum Blockieren von Webseiten zu zwingen, wenn nur ein Verdacht besteht, ohne Prozess oder Beweis, dass eine Straftat vorliegt!

Befürworter der Meinungsfreiheit in den USA haben bereits Alarm geschlagen, und einige Senatoren versuchen, genug Unterstützung zu sammeln, um dieses gefährliche Gesetz aufzuhalten. Wir dürfen keine Zeit verlieren. Stärken wir ihnen den Rücken um sicherzustellen, dass Amerikas Gesetzgeber das Recht auf ein freies und offenes Internet schützen — unerlässlich für den weltweiten Gedankenaustausch, Kommunikation, und gemeinsame Arbeit an der Welt, die wir alle wollen. Unterzeichnen Sie unten um US-Zensur zu stoppen und unser Internet zu retten:

http://www.avaaz.org/de/save_the_internet/?vl

Ob beim arabischen Frühling oder der weltweiten Occupy-Bewegung — die vergangenen Monate zeigen uns, wie das Internet die Welt wachrütteln, vereinen und verändern kann. Wenn wir uns jetzt alle dafür einsetzen, können wir diesen neuen Angriff auf Internet-Freiheit aufhalten. Wir haben’s schon einmal geschafft — in Brasilien und Italien haben Avaaz-Mitglieder wichtige Erfolge für ein freies Internet errungen. Lassen Sie uns auch global aktiv werden und gemeinsam die größte Gefahr, die das Internet bisher gesehen hat, bekämpfen.

Voller Hoffnung,

Luis, Dalia, Diego, Emma, Ricken, Aaron, Antonia, Benjamin und das ganze Avaaz-Team

Weitere Informationen:

USA: bisher unerreichte Web-Zensur droht (Die Presse)
http://diepresse.com/home/techscience/internet/708838/USA_Bisher-unerreichte-WebZensur-droht?_vl_backlink=/home/techscience/internet/index.do

Infografik: SOPA – weltweite Internetzensur aus den USA (Vasistas blog)
http://vasistas-blog.net/2011/11/16/infografik-sopa-weltweite-internetzensur-aus-den-usa/

USA: Entwürfe für Anti-Piraterie-Gesetz eingebracht (Golem.de)
http://www.golem.de/1110/87333.html

SOPA: Die USA auf weltweitem Feldzug (Netzpolitik.org)
http://netzpolitik.org/2011/sopa-die-usa-auf-weltweitem-feldzug/

Op-Ed: Schwarze Liste erlaubt es Webseiten vom Internet zu sperren (Digital Journal auf Englisch)
http://digitaljournal.com/article/313463

Katastrophales IP-Gesetz ist zurück – Und es ist schlimmer denn je (EFF, auf Englisch)
https://www.eff.org/deeplinks/2011/10/disastrous-ip-legislation-back-%E2%80%93-and-it%E2%80%99s-worse-ever

Immer mehr Opposition gegen den “Stop Online Piracy Act” (auf Englisch)
https://www.cdt.org/report/growing-chorus-opposition-stop-online-piracy-act

Eine Zusammenfassung des Buches von Gene Sharp

Quelle: Sharp, Gene: Von der Diktatur zur Demokratie – ein Leitfaden für die Befreiung. Beck Verlag. München, 2011

Der Grund, warum ich diese Zusammenfassung schreibe ist, dass das Buch von Gene Sharp zwar in Deutscher Sprache übersetzt wurde, aber die deutsche Übersetzung im Gegensatz zu anderen Sprachen im Internet nicht frei verfügbar ist. Diese Zusammenfassung aber, die einige aus meiner Sicht wesentlichen Informationen enthält, soll frei Verfügbar sein.

Das Buch “Von der Diktatur zur Demokratie” ist meiner Ansicht nach ein wesentliches Werk von größter Wichtigkeit und es gehört in jedes Bücherregal sowie zur Ausbildung jedes frei denkenden Menschen. Dieses Buch beschreibt das Wesen von Diktaturen, ganz gleich ob sie als Staat, als Konzern, als Unternehmen oder im zwischenmenschlichen Bereich auftreten, ganz gleich, ob sie ihre eiserne Faust in ein Samthandschuh hüllen oder ob sie mit offener Brutalität durchgreifen.

Eine der wesentlichen Aussagen von Gene Sharp über Diktaturen ist, dass jede Diktatur die Zusammenarbeit der Bevölkerung benötigt. Erst durch die Produktivität und die Kooperation der vielen Menschen, die im Machtbereich der Diktatur leben, bekommt die Diktatur ihre Macht. Diktatoren wissen das genau und sie werden darauf achten, dass die Menschen mit ihnen kooperieren und die Ressourcen der Diktatur mehren. Um die Menschen zur Zusammenarbeit zu bringen, erschaffen Diktaturen Symbole und Ideologien, machen Versprechungen, bieten vermeintliche Sicherheit und Ordnung oder sie schüchtern die Menschen ein, die nicht kooperieren wollen. Sinkt die Motivation der Menschen zur Zusammenarbeit mit der Diktatur und schaffen es die Menschen, sich der effektiven Zusammenarbeit mit der Diktatur zu entziehen, so zersetzt sich Macht der Diktatur. [S. 32 ff]

Diktaturen haben Stellen, an denen sie verwundbar sind. Sie haben zwar große Macht, aber sie kommen nur schwer mit schnellen Veränderungen zurecht, weil viele Entscheidungen von wenigen Menschen getroffen werden. Die Erfüllungsgehilfen der Diktatur sind fest in eine Hierarchie eingebunden und versuchen, in dieser Hierarchie nach oben zu steigen und können schnell in der Hierarchie nach unten fallen. Untergebene haben oft Angst vor ihren Vorgesetzten und teilen ihnen Probleme oft nicht rechtzeitig mit. [S. 40 ff] Das macht Diktaturen instabil. Die Erfüllungsgehilfen können sich unter Umständen schnell gegen den Diktator wenden.

Diktaturen haben ihre größte Stärke im polizeilichen und militärischen Bereich. Gewaltsamer Widerstand trifft eine Diktatur dort, wo sie am stärksten ist und hat wenig Aussicht auf Erfolg. Sollte es dennoch gelingen, eine Diktatur gewaltsam zu bezwingen, ist es oft so, dass eine neue Diktatur der alten folgt. Bewaffnete Hilfe aus dem Ausland kann dazu führen, dass die alte Diktatur durch eine neue Diktatur unter ausländischer Vorherrschaft abgelöst wird. [S.18 ff]

Um eine Diktatur zu überwinden ist es deshalb zuerst wichtig, die demokratischen Kräfte im Land zu stärken, was durchaus Generationen dauern kann. Bevor eine Diktatur überwunden werden kann, müssen zuerst gesellschaftliche und wirtschaftliche Strukturen heranwachsen, die es ermöglichen, dass die Menschen ihr Leben auch ohne die Hilfe des Diktators selbst regeln können. [S. 36 ff] Davor ist an die Zerschlagung einer Diktatur gar nicht zu denken. Zentren demokratischer Macht sind z.B. Familien, Dörfer, Vereine, Nachbarschaftshilfegruppen, freie Schulen, Unternehmen, kurzum alles, was den Menschen hilft, ihre materiellen und nicht materiellen Bedürfnisse zu befriedigen. Dabei ist es enorm wichtig, dass diese Aktivitäten nicht heimlich geschehen sonder ganz offen gezeigt werden. Hohe Verhaltensstandards sind die Voraussetzung solcher Aktivitäten [S. 48] Das bewirkt den Eindruck, dass diese demokratischen Aktivitäten extrem mächtig sind und kann auch dazu führen, dass selbst Polizisten und Beamte Handlungsalternativen zu ihrem vorgeschriebenen Dienst erkennen. Es ist zudem wichtig, dass sich Arbeitskreise herausbilden, die sich mit politischen Fragen jenseits der Diktatur beschäftigen, damit Konzepte für den Übergang von der Diktatur in eine Demokratie entwickelt sind. [S. 91]

Konspiratives verhalten der demokratischen Aktivitäten verursacht dagegen nur Misstrauen der Menschen untereinander und erleichtert die Infiltration und Spaltung der Demokratischen Kräfte, sowie das Schüren von Angst bei der Bevölkerung vor den demokratischen Aktivitäten.

Die Verweigerung der Kooperation ist das wirksamste Mittel des Widerstandes gegen eine Diktatur. Die Verweigerung der Kooperation kann entweder offen oder verdeckt geschehen und sie sollte möglichst vielfältig auf allen Ebenen gleichzeitig durchgeführt werden. [S. 101] Hier zählt Gene Sharp 198 Möglichkeiten des gewaltlosen Widerstandes auf. Diese Möglichkeiten lassen sich grob in fünf Kathegorien einteilen: Gewaltloser Protest, soziale Nicht Zusammenarbeit, Wirtschaftliche Nicht Zusammenarbeit, politische Nicht Zusammenarbeit, Gewaltlose Aktionen.

Die Methoden der Nicht Zusammenarbeit bestehen in der offenen Verweigerung der Befehle, Dienst unter exakter Berücksichtigung aller Vorschriften, ineffektives Arbeiten, ineffizientes Arbeiten, absichtlich Fehler machen, langsam arbeiten, krank feiern. Hierdurch wird die Macht der Diktatur geschwächt.

Die Methoden der Protestes vor allem alle Aktivitäten die die Kommunikation mit der Öffentlichkeit beinhalten wie z.B. Publikationen, öffentliche Reden, Karikaturen, Symbole. Durch den Protest wird die Öffentlichkeit auf die demokratischen Aktivitäten aufmerksam.

Die Methoden der Interventionen sind vor allem die Schaffung paralleler, demokratischer Verwaltungsstrukturen, wodurch ein Übergang zur Demokratie für die gesamte Gesellschaft, aber auch für Polizisten und Soldaten möglich wird.

 

 

Hintergrund
Zur Zeit wird in den Medien viel über die Online-Währung Bitcoin diskutiert.  Dabei fällt mir auf, dass die Menschen, die in den Medien diskutieren, aber auch die Macher und Nutzer von Alternativwährungen geistig immer noch in den Reflexen gefangen sind, die ihnen durch Konditionierung antrainiert wurden. Die Diskutierenden glauben das Geld ein Wertaufbewahrungsmittel ist. Geld muss sicher sein. Eine zentrale Stelle muss über das Geld wachen, dass auch ja keiner den anderen betrügen kann. Es ist schon irgendwie drollig. Viele Menschen, die versuchen, Regionalwährungen und Online-Währungen als Alternativen zum Geldsystem der Zentralbanken zu erschaffen, folgen weiterhin den Denkmustern, die sie von Kindesbeinen an gelernt haben.

 

Was ist Geld?
Die meisten Menschen wurden daraufhin konditioniert zu glauben, dass Geld ein Mittel ist, um Werte aufzubewahren. Genau das stimmt nicht. Der Wert des Geldes ist lediglich dadurch gestützt, dass Schuldner alles dafür tun müssen, um an Geld zu kommen. Ansonsten wird der Gläubiger mit Hilfe von Polizei und Militär die materiellen Ressourcen des Schuldners beschlagnahmen, inklusive seines Körpers. Wer glaubt, dass diese Sichtweise etwas radikal ist, der sollte sich mal überlegen, was eine Bank verlangt, wenn man einen Kredit haben möchte … richtig … Sicherheiten. Was macht die Bank, wenn man seinen Kredit nicht bezahlen will? … richtig … Das Haus, das Auto oder Wertgegenstände werden gepfändet. Was passiert, wenn man die gepfändeten Gegenstände nicht hergeben will und droht, sich zu wehren? … richtig … Der Gerichtsvollzieher rückt mit der Polizei an. Genau darauf basiert der Wert des Geldes. Dieser Sachverhalt steht übrigens klipp und klar auf der 1 US-Dollar Note oben links drauf.
Die Definition von Geld ist also eher so zu formulieren:

“Geld ist ein Mittel zur Begleichung der Ansprüche auf den Zugriff auf die eigenen Materiellen Ressourcen durch andere”.

 

Was ist Geld noch?
Wirtschaft ist die Summe aller Tätigkeiten, die nötig sind, um unsere Bedürfnisse zu befriedigen. Wirtschaft ist also lebensnotwendig im wahrsten Sinne des Wortes, denn ein Mensch überlebt ca. drei Tage aus ohne Wasser und ca. zwei Wochen ohne Essen. Für die Organisation einer so komplexen Wirtschaft wie der unseren ist es wichtig zu wissen, ob für ein Gut gerade Über- oder Unterproduktion herrscht. Wir müssen bedenken: In einer arbeitsteiligen Wirtschaft arbeiten wir immer für andere und nur selten für uns selbst. Geld ist hierfür auf einem freien Markt ein Informationsübermittler. Über den Preis kann jeder Marktteilnehmer ablesen, ob bezüglich eines Gutes gerade Mangel oder Überfluss herrscht. Beim Tausch Informationen über den Aufwand zur Bereitstellung eines Gutes auszutauschen, ist also durchaus sinnvoll.

 

Die Rosinen aus dem Kuchen picken
Ich habe zu Hause gelernt, dass man sich nicht die Rosinen aus dem Kuchen picken sollte oder vom Ei nur das Eigelb isst. Wer die guten Seiten des Geldes haben will, muss eben die negativen Seiten in Kauf nehmen. Ich sehe das aber anders. Warum solle man sich nicht die Rosinen aus dem Kuchen picken? Warum sollte man nicht die Vorteile des Geldes genießen und die Nachteile abschaffen? Doch wie soll das gehen. Ganz einfach: Es werden beim Tausch die Informationen bezüglich des Bereitstellungsaufwandes für ein Gut übermittelt, aber keine Ansprüche auf den Zugriff auf die Ressourcen des anderen. Dabei wird wie folgt vorgegangen:

  • Der Leistungsnehmer soll sich vor Erbringung der Leistung erkundigen, welcher Aufwand hinter der erbrachten Leistung steht, damit er den Aufwand hinter dieser Leistung einschätzen kann.
  • Der Leistungsgeber soll sich vor der Zusage der Leistung darüber im Klaren sein, wie viel Aufwand hinter einer Leistung steht und ober er sie auch erbringen kann.
  • Eine Leistung soll nur dann gegeben werden, wenn diese zur Erschaffung und Nutzung von Lebensgrundlagen dient und nicht sinnlos verschwendet wird.
  • Eine Leistung soll nur dann angenommen werden, wenn diese zur Erschaffung und Nutzung von Lebensgrundlagen dient und nicht sinnlos verschwendet wird.
  • Jeder Teilnehmer rechnet das, was er gibt oder nimmt in Punkte um.
  • Beide Tauschpartner einigen sich vor Erbringung der Leistung über eine Punktezahl, die dem Wert der erbrachten Leistung entspricht.
  • Der Wert der erbrachten Leistung in Form von Punkten trägt jeder Tauschpartner für sich in seine eigene Liste ein.
  • Als Maß für den Aufwand kann die Arbeitsstunde gleich 10 Punkte gesetzt werden.
  • Der Aufwand des Gebens und Nehmens sollte für jeden Teilnehmer selbst stets miteinander im Gleichgewicht sein. Die Punkte sind aber kein soziales Gewissen.
  • Die Punkte haben auch keinen Wert. Es ist sehr wichtig, das immer im Kopf zu behalten! Die Punkte haben lediglich die Aufgabe, Informationen bezüglich Über- oder Unterproduktion zu ermitteln. Derjenige, seine Punkte nicht ordentlich zusammenrechnet, betrügt sich nur selbst, weil er seine eigenen Informationen bezüglich der Marktlage verfälscht.
  • Das staatliche Geld ist lediglich eine Ware.
  • Leistung muss bevorzugt durch Technik unterstützt oder erbracht werden, um Menschen zu entlasten.
  • Ressourcen müssen erschaffen und gepflegt werden, Stoffkreisläufe müssen geschlossen sein.
  • Das Konzept der Schuld wird abgelehnt, da es dazu führt, dass Menschen die Leistungen anderer nur widerwillig annehmen.
  • Die Möglichkeit, eigene Anteile an den geschaffenen Lebensgrundlagen zu erwerben, sollten genutzt werden. Es ist besser, die Kräfte der Natur in Form von Maschinen für sich arbeiten zu lassen, als allein durch die Arbeit der eigenen Hände sein Einkommen zu bestreiten.

Was ist dafür notwendig?
Diese Vorgehensweise kann jeder hier und jetzt Vorleben. Der erste Vorteil davon ist, dass man selbst anhand der eigenen Liste erkennt ob man seine eigenen Ressoucen verbraucht, indem man zu viel für andere tut und zu wenig erhält, oder ob man die Ressourcen anderer verbraucht, indem man zu viel von anderen nimmt und zu wenig für andere tut. Der zweite Vorteil davon ist, dass man anhand der Auskunft des Tauschpartners bezüglich des Aufwandes der erbrachten Leistung erkennt, ob bezüglich der erbrachten Leistung Mangel oder Überfluss herrscht. Man bekommt also Informationen über die vorhandenen Ressourcen in der Gesellschaft.

… und was ist, wenn jemand trotzdem versucht, andere auszunutzen, indem er seine Punkte nicht ordnungsgemäß zusammenzählt? Wäre dann nicht das ganze System des Gleichgewichts von Geben und Nehmen gefährdet? … Hier lauert wieder die Falle der Konditionierung. Ein gerissener Betrüger nutzt wehrlose, anständige Menschen aus? Sind die Menschen wirklich wehrlos? Ist es nicht vielmehr so, dass es sich schnell herum spricht, wenn ein Mensch andere arglistig ausnutzt? Die Gesellschaft als Ganzes sollte das Betrügen einiger Weniger ohne Probleme verkraften können. Wenn sie das nicht kann, ist das ohnehin ein Zeichen dafür, dass der Gesellschaft massive Umbrüche bevorstehen,die nicht aufzuhalten sind. So etwas kommt eher selten vor. Es ist vielmehr so, dass Menschen immer die Möglichkeit haben, jemandem , dem sie nicht vertrauen, die Zusammenarbeit zu verweigern … solange sie nicht vom Geld abhängig sind. Man überlege sich, ob die Menschen im unserem jetzigen Euro-Dollar-Geldsystem die Möglichkeit haben, die Zusammenarbeit zu verweigern. Ich denke, das Heer der Lohnsklaven sprich für sich.

 

 

Die Masse der Menschen handelt nicht rational (erst denken, dann handeln), sondern rationalisierend: Erst wenn man auf dem Scherbenhaufen sitzt, wird nachgedacht wie das denn passieren konnte…

Atomkatastrophe Japan

Ein trauriges Beispiel dazu liefert die aktuelle Atomreaktorkatastrophe in Japan:

  • Allen die sich objektiv mit der Atomkraft beschäftigt haben, dürfte klar sein, daß diese Art der Energieerzeugung zum derzeitigen Stand der Technik und der Menschen unverantwortlich (irrational) ist. Gute Gründe dafür gibt’s hier: 100 Gute Gründe. Fundierter:  Was bedeutet die Atomkatastrophe für uns?
  • Trotzdem wurden (und werden) vermehrt Reaktoren gebaut. Warum? Vielleicht weil vielen Menschen die Problematik gar nicht so bekannt ist und sie den Politikern + Atomkonzernen glauben? Und diejenigen, welche Bescheid wissen müssten größtenteils ihr Geld damit verdienen und sich also nicht gegen ihren Arbeitsplatz (oder Dividendenbezug) aussprechen würden?
  • Vielleicht sind aber die meisten einfach zu bequem und man kann ja auch nicht überall informiert sein und die Welt retten?!
  • Erst nach einer Tragödie wie derzeit in Japan, werden die Menschen mal wieder aus dem Tagesablauf gerissen und erschrecken, was da eigentlich gerade passiert und warum es denn soweit kommen konnte…

Fehlende Einsicht

Meistens reichen allerdings leider auch solche Beispiele wie Tschernobyl oder Fukushima nicht aus um wirklich eine Kehrtwende zu vollziehen. Was wird passieren? Aus bisherigen Erfahrungen, wird vorraussichtlich :

  • global weiter kräftig an Atomkraftwerken gebaut! Auch in Deutschland wird nach einer Beruhigung der Massen durch Sicherheitskontrollen & Stress-Tests wieder alles seinen gewohnten Gang nehmen (vielleicht bleiben 1-2 alte Reaktoren wirklich aus)
  • Irgendwann wird der nächste “Ausrutscher” passieren. Vielleicht stürmt mal eine Guerilla-Rebellen-Gruppe in Rußland, China oder Indien einen Reaktor mit ausgebildeten Ingenieuren und halten das Land als Geisel im Atem? Oder… (Übrigens ist das schleichende Gift der bis heute nicht geklärten Endlagerung langfristig vielleicht viel gravierender?)

Kein Spielraum für neue Scherbenhaufen

…Und dann? Wie weit wollen wir es drauf ankommen lassen? Bisher sind die großen Zivilisationen (Römer, Maya, Inka, Alexander d. Große, Ägypter…) allesamt an ihrem rationalisierenden anstatt rationalem Verhalten von der Erde verschwunden.

…damals war das alles für die Weltgeschichte nicht so tragisch. Anstelle der einen Hochkultur trat eben eine andere (nicht immer “Hochkultur”)

…Aufgrund der heutigen Globalisierung würde ein Super-Gau in großem Stil allerdings nahezu alle betreffen.

Das wäre sehr Schade. Für unseren Planet und die Menschheit.

-> Wir sollten demnach langsam dazu übergehen etwas rationaler zu handeln und vorher anstatt nachher überlegen !

(das betrifft Wirtschaft, Politiker und Bürger alle gemeinsam!)

Neue Lösungen

  • Wozu diese absurden Risiken eingehen? Um ein paar Dollar bei der Energieerzeugung zu sparen, welche am Ende beim Scherben wegräumen den Steuerzahler und betroffene Bürger ein vielfaches kostet (s.BIP)?
  • Technisch und organisatorisch könnten wir uns ohne Probleme gut und friedlich zu 10-milliardend auf unserem Planeten zukunftsfähig weiterentwickeln und Spaß am Leben haben…
  • Ein Schritt in eine “gesichertere” Zukunft wäre unsere übergroßen, riskanten Systeme und Strukturen in  kleinere, kontrollierbarere Systeme umzuwandeln. Wobei diese kleineren Systeme beim Kollaps nicht soviel Schaden anrichten können.
  • Den “Vogel abgeschossen” zu dieser “Größenproblematik” hat wohl der türkische Ministerpräsident Erdogan. Er bekannte sich öffentlich weiterhin zum Bau der Atommeiler im Erdbebenland. Er meinte sinngemäß: Man kann ja sowieso nicht alle Risiken ausschließen, wenn es danach ginge dürfte in keiner Küche mehr eine Gasflasche zum kochen stehen. Der kleine Unterschied zwischen explodierender Gasflasche und Kernschmelze  ist ihm wohl dabei entgangen? Vielleicht sollte Herr Erdogan ein paar Wochen bei der Rettungsmannschaft in Fukushima verbringen und nochmal über das gesagte nachdenken ?!
  • Es geht also nicht nur darum immer perfekter zu werden um möglichst alle Fehler auszuschliessen. Vor allem geht es darum einzusehen, daß es nie Gewissheit geben wird und man nie alles 100% kontrollieren kann. -> Die Schlußfolgerung daraus ist dann, daß wir Systeme entwickeln, welche im “Worst case” immer noch tragbare Schäden anrichten können.

Den gleichen Ansatz sollte man nicht nur in der Technik, sondern auch in der Organisation unserer Wirtschaft und Politik verwenden:

Artikel, erschienen in der FAZ am 27.12.2010:

Rettung der Welt

Was Sie sofort tun können:  Zehn Empfehlungen

Beginnen Sie, einfache Fragen zu stellen; hören Sie auf, Europapolitikern zu
glauben; nutzen Sie Ihre Handlungsspielräume; haben Sie Spaß dabei: Die
Rettung der Welt zum Mitmachen in zehn Empfehlungen.

Von Harald Welzer

1. Selber denken.

2. Trauen Sie endlich Ihrem Gefühl, dass um Sie herum ein großes
Illusionstheater stattfindet. Die Kulissen simulieren Stabilität, aber das
Stück ist eine Farce: Immerfort treten dicke Männer auf und brüllen
“Wachstum!”, Spekulanten spielen Länderdomino, und dauernd tänzeln
Nummerngirls mit Katastrophenbildern über die Bühne. Das Publikum ist
genervt und wütend, bleibt gleichwohl bis zum Ende der Vorstellung sitzen.
Aber: Wann wird das wohl kommen?

3. Verlassen Sie besser die Vorstellung und beginnen Sie, ganz einfache
Fragen zu stellen. Zum Beispiel: Warum muss man immer mehr arbeiten, wenn
man immer mehr arbeitet? Warum werden die Schulden größer, wenn immer mehr
gespart wird? Warum schrumpft alles andere, wenn die Wirtschaft wächst?
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4. Suchen Sie zusammen mit Ihren Freundinnen und Freunden nach Antworten.
Zum Beispiel: Weil alle Idioten auch mehr arbeiten. Weil das Gesparte in
fremde Taschen wandert. Weil viele börsennotierte Unternehmen staatsferne
Parallelgesellschaften bilden.

5. Beschließen Sie, ab sofort nicht mehr mitzumachen, falls Ihre Antworten
Sie beunruhigen.

6. Fangen Sie damit an, aufzuhören. Hören Sie auf, Europapolitikern zu
glauben. Hören Sie erst recht auf, Wirtschaftsforschungsinstituten zu
glauben. Und hören Sie um Gottes willen damit auf, sich widerspruchslos
erzählen zu lassen, irgendeine Entscheidung sei alternativlos gewesen. So
etwas gibt es in Demokratien nicht.

7. Wenn Sie jetzt so weit sind, dass Sie nicht mehr jeden Blödsinn
tolerieren, nutzen Sie Ihre Handlungsspielräume. Sie leben in einem der
reichsten Länder der Erde, Sie sind hervorragend ausgebildet, Sie haben Spaß
am Leben und finden sich ganz gut. Warum zum Teufel machen Sie jeden Tag
dasselbe und nie etwas anderes?

8. Wie Sie Ihre Spielräume nutzen sollen? Schauen Sie sich einfach an, was
andere machen. Es gibt doch unglaublich tolle Ansätze und Projekte:
Energiegenossenschaften, Nachbarschaftsgärten, fairen Konsum, lokale
Währungen, großartige Stiftungen, Unternehmen, die sich dem Wachstumszwang
verweigern. Schreiben Sie politischer, falls Sie Journalist sind. Forschen
Sie für eine andere Zukunft, falls Sie in der Wissenschaft sind. Wechseln
Sie die Pausenthemen, falls Sie am Band arbeiten. Kaufen Sie anders ein,
falls Sie ein Restaurant haben. Fragen Sie, wo der Fisch herkommt, wenn Sie
essen gehen. Interessieren Sie sich für die Zukunft Ihrer Schüler, falls Sie
Lehrerin oder Lehrer sind. Fusionieren Sie mit einem Kindergarten, wenn Sie
ein Seniorenheim leiten. Denken Sie ans Höllenfeuer, wenn Sie einem der vier
großen Energiekonzerne vorstehen. Produzieren Sie cradle to cradle, wenn Sie
eine Fabrik besitzen. Riskieren Sie etwas, wenn Sie sich für intellektuell
halten.

9. Versuchen Sie irgendwo dazuzugehören, wo Sie stolz sagen können: “Wir
machen das anders!” Zum Beispiel eine Kultur der Achtsamkeit entwickeln,
Ideen interessanter finden als Erfahrung, nicht auf Kosten anderer leben,
oder was Ihnen sonst noch einfällt. Zukunftsfähig zu sein bedeutet das
Gegenteil vom business as usual: lernend, fehlerfreundlich, reversibel zu
handeln.

10. Bilden Sie Labore der Zukunft und haben Sie Spaß dabei. Vergessen Sie
das “5-vor-12″-Blabla der Ökobewegung und das Gerede von der
“Weltgemeinschaft” und der Notwendigkeit globaler Lösungen. Niemand hat an
Ihrer Wiege gestanden und mit hohler Stimme gesagt: “Lars, du bist zu uns
gekommen, um die Welt zu retten!” Es genügt völlig, wenn Sie beginnen, mit
Ihrem Leben, Ihren Lieben und Ihrem Land verantwortungsvoll und
zukunftsfähig umzugehen. Das aber bitte gleich.

Stornieren Sie Ihre nächste blöde Flugreise (Sie wollen da sowieso nicht
hin), bestellen Sie Ihr nächstes Auto erst gar nicht (es wird Sie
unglücklicher machen, weil Sie glaubten, es mache Sie glücklicher), kaufen
Sie nichts mehr, was zu billig ist (denn dann hat irgendjemand zu wenig
bekommen). Säbeln Sie in Ihre Weihnachtsgans und teilen Sie Ihren Kindern
oder Enkeln mit, dass Sie ab jetzt Ihr Leben ändern werden. Das wird Ihnen
helfen, es tatsächlich zu tun (denn jetzt können Sie nicht mehr zurück).

Harald Welzer, 52, lehrt am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen und
veröffentlichte zuletzt mit Claus Leggewie “Das Ende der Welt, wie wir sie
kannten” (S. Fischer).

http://www.kwi-nrw.de/home/profil-hwelzer.html
http://www.fischerverlage.de/buch/9783100433114

Es gibt immer mehr Menschen, welche Glauben die immense Verschuldung Griechenlands kommt daher, das die Griechen faul sind und ihre Finanzen nicht ordentlich verwalten. Und wir müssen jetzt dafür zahlen? Das erscheint natürlich als ungerecht.

  • Steuergelder werden aber in jedem Land verschwendet. Solche Griechenland-Stories könnten ähnlich von jedem Land geschrieben werden.
  • Der eigentlich Grund liegt viel tiefer und schaukelt sich schon seit 40 Jahren hoch. Griechenland ist hier der erste Schwachpunkt, wird aber nicht der letzte bleiben.
  • Einen Artikel mit anschaulicher Erklärung dazu und was uns noch erwartet: Krisenmythos Griechenland.
  • Ein finanzcrash im großen Stil gäbe wenigstens die Chance auf einen Neuanfang mit einem gesünderen Fundament (Neuland-Geldsystem)

Gerne zum weitergeben. Es wäre schön, wenn der eine oder andere Stammtisch zurückgewonnen werden könnte und nicht auf den “ausländischen Sündenbock” hereinfällt… Bei der Schweinegrippe hat’s ja auch schon nicht geklappt und die Menschen waren schlauer als die Medien+Politiker… ;-)

Die 2. Wende

Die 1. Wende

Ich bin in der DDR groß geworden. Meine Eltern waren in der Kirche (dem einzigen institutionellen Gegenspieler der DDR-Diktatur) und schon immer kritisch gegenüber dem System gewesen.

Es war für die meisten offensichtlich, daß sie vom DDR-Staat verarscht werden. Die Mauer um die bösen Imperialisten abzuwehren, hatte den Stacheldraht nach innen! Ein Konstruktionsfehler?

Trotzdem gab es tatsächlich Leute, welche den Schmus glaubten (das war bei Hitler ja auch schon so). Und viele die sich anpassten+mitmachten um studieren zu können oder Karriere zu machen.

Im Herbst ’89 war die Verarschung aber zu vielen bewußt und das Anpassen zu doof. Es ging los mit Gesprächskreisen und natürlich den Montagsdemos. Die Leute wachten plötzlich auf, hatten wieder viel mehr Freude und Tatendrang. Man konnte plötzlich öffentlich frei reden und es gab tausende Gleichgesinnte. Es war eine sehr schöne Zeit! Wie Frühling!

Es lag in der Luft, daß etwas Großes passieren würde. Tatsächlich und glücklicherweise war das Große nicht eine blutige Niederschlagung wie in Prag oder Peking, sondern ein friedlicher Umsturz. Es knisterte wirklich in der Luft, als wir bei den Montagsdemos den bewaffneten Polizisten Kerzen schenkten.

Man merkte auch, daß die Sicherheitsbeamten selbst nicht richtig wußten, wie sie reagieren sollten. Sicher hatten sie vorher eine Gehirnwäsche bekommen und erwarteten böse, gewaltbereite Umstürzler. Als es dann Familien mit Kindern, Rentner und Professoren waren, kamen ihnen vielleicht spätestens jetzt die ersten Zweifel an ihrem System-Glauben.

Der Mauerfall war dann natürlich ein Highlight und es gab eine richtige Jubelstimmung wie bei einem großen Sieg der eigenen Fußballmannschaft.

1 Jahr Machtvakuum

Aber auch danach blieb es bis zur Wiedervereinigung unheimlich aufregend. Der Himmel schien das erste Mal geöffnet, alles schien möglich zu sein und viel besser zu werden. Vor allem: wir selbst hatten es in der Hand. Die Politiker waren plötzlich normale Bürger von den Montagsdemos und nicht mehr unpersönliche Typen im Elfenbeinturm. Man konnte wirklich etwas bewegen!

Vor allem gab es dieses Jahr lang soviel Freiheit wie vorher und nachher nicht mehr. Die DDR-Diktatur hatte ausgedient und konnte einem nichts mehr anhaben und der Kapitalismus hatte die Ossies noch nicht einsortiert. Wir befanden uns sozusagen für 1 Jahr in einem Macht-Vakuum wo die Bürger mal nicht über den Tisch gezogen wurden. Da wurden auch ein paar richtig gute Gesetze gemacht (z.B. die Einrichtung der Nationalparks)

Im Sommer ’90 war ich im besten Ferienlager aller Zeiten. Ich war in der größten Gruppe. Die frühere Gängelei mit Apellen und so gab es natürlich nicht mehr. Dafür gab es unglaublich viele Rechte+Möglichkeiten. Vor allem für uns Älteste. Deutschland gewann auch noch die Weltmeisterschaft!

Später war ich selbst Ferienbetreuer. Diese Freiheiten für die Jugendlichen wurden nach der Vereinigung schnell wieder kassiert aufgrund von Sicherheitsdenken/Angst oder dem Klagerecht der Eltern usw. Dafür mußte man die richtigen Markenklamotten und Videospiele haben.

Das Machtvakuum spürte man auch bei Beamten+Polizei. Weder vorher noch nachher gab es so wenig Kontrolle und Willkür (und trotzdem wurde es von den Bürgern nicht ausgenutzt, sondern als Lebensqualität erfahren)

Natürlich waren nicht alle glücklich. Es gab z.B. diejenigen, welche bis zum Schluss an die sozialistischen Märchen geglaubt haben. Als es nun in Scherben lag, passierte das bei einigen auch mit der Psyche. Oder die früheren Nutznießer, welche nicht schnell genug die Kurve kriegten und ihrer Macht entledigt wurden, verfielen dem Alkohol.

Besetzung der Macht

Der Kapitalismus brauchte nur 1 Jahr um das entstandene Vakuum zu übernehmen. Dies lief genauso wie am Anfang des Sozialismus mit Versprechungen von der besseren Welt und den “blühenden Landschaften”. Die Menschen wurden mit genau dem angefüttert, was sie vorher nicht hatten (Reisefreiheit + alles ist käuflich). Auf was es dann langfristig zu verzichten galt, stand im Kleingedruckten. Das hat aber sowieso niemand lesen wollen.

Ob nun Abschaffung der Sklaverei, Feudalismus, französische Revolution…  in der Geschichte war es bisher immer so. Nach einer Revolution (egal ob friedlich oder blutig), gab es nach nicht allzu langer Zeit wieder Strukturen, welche die einen zu Lemminge und die anderen zu einer Art von Herrschern machte. Dies sicher meist sogar unbewußt ohne wirkliche “Strippenzieher” im Hintergrund (siehe “unbewußte Ausbeutung“). Nur dadurch, daß die Möglichkeit der Ausbeutung bestand, findet sich jemand der sie nutzt. Dieses oft sogar unwissentlich (wie z.B. bei der Zinsproblematik).

Das schleichende Gift

Das jetzige System zieht genauso die Masse sowie die Natur über den Tisch. Nutznießer ist eine Minderheit. Es ist nur nicht so offensichtlich.

Finanzkrise, marode Sozialsysteme, Arbeitslosigkeit, Wirtschaftsrezessionen, sinkende Realeinkommen, globale Umweltzerstörung, vermehrter Stress auf Arbeit + “Burnouts”, unsichere Renten, sinkende Lebensqualität, Schließungen von Schulen, Bädern+Bibliotheken…

Es fehlt immer mehr am Geld für die “richtigen Sachen”. Die Milliarden, welche über den Solidarpakt nach Ostdeutschland gekippt werden, gehen zügig mit anderen Milliarden über die Filialen von Aldi+Co. in die Konzernzentralen nach Westdeutschland oder in den Rest der Welt. Inzwischen bleibt das Geld aber auch nicht mehr in Westdeutschland oder dem Rest der Welt: Täglich sind in Deutschland inzwischen mehrere Milliarden € an Zinsen fällig, welche die Unternehmer für ihre Kredite zahlen müssen. Vor wenigen Jahrzehnten waren es lediglich Millionen. Diese Milliarden stecken in den Preisen der Güter. Somit zahlt jeder inzwischen durchschnittlich 40% vom Produktpreis diese Zinsen. Wenn jeder auch wieder von den Zinsen etwas abbeckommt, wäre ja alles in Ordnung. Allerdings gewinnen nur 10% der Haushalte in Deutschland dabei (diese aber richtig!). Damit existiert eine riesige Umverteilungsmaschine, welche täglich Milliarden von 90% der Deutschen zu den 10% reichsten Deutschen verteilt. Diese können soviel gar nicht ausgeben, sondern nur wieder anlegen -> Die Schere öffnet sich weiter… Bis wann???

Nicht nur die Wirtschaft drückt auf die Arbeitnehmer, sondern auch der Staat. Obwohl er ja jedes Jahr immer soviel Geld einnimmt und zusätzlich an Krediten aufnimmt (Staatsverschuldung). Dem gegenüber beschweren sich die Volkswirte+Zentralbanker, daß zu viel Geld an den Börsenmärkten ist und die Spekulationen anheizen bis sie platzen.

Das Geld ist also da, nur an der falschen Stelle. Die einen haben soviel, dass sie nicht wissen wohin damit und andere verhungern. Damit verwehrt es nicht nur den Nutzen, den das Geld an der richtigen Stelle (z.B. Bildung) hätte, sondern es schafft sogar zusätzliche Risiken und Zusammenbrüche zuerst im Finanzmarkt und dann in der Realwirtschaft mit Arbeitslosigkeit & Co.

Die 2. Wende

Inzwischen merken immer mehr Menschen, wie damals in der DDR, dass etwas faul ist und stinkt. Immer mehr Menschen glauben nicht mehr an die Versprechungen und Hinhaltetaktik der Politiker und wissen, dass es nicht so weitergehen kann.

Irgendwann (in 2, 5 oder 10 Jahren?) wird der Kaiser so nackt wie Honecker & Co. anno ’89 dastehen. Es wird dann den meisten klar sein, wie weit der Karren im Dreck steckt und das ohne einen Systemwechsel von Altland nach Neuland nichts mehr geht.

Dann wird es eine 2. Wende geben. Da bin ich schon gespannt drauf! Es wird wieder eine ungeahnte Aufbruchstimmung geben, die Luft wird knistern und alles wird möglich sein. Die Leute sehen nicht mehr so müde aus und man sieht wieder mehr echte Freude am Leben und Sinn in der eigenen Arbeit…

Genau wie ’89 wird es wieder Menschen geben, welche bis zum Schluss den Versprechungen des Kapitalismus auf den Leim gehen und z.B. denken, dass unser Problem die ganzen Sozialhilfeempfänger und faulen Leute (“Harzer”), welche sich nur ausruhen, sind. Vielleicht sind dies die gleichen, welche damals die blühenden Landschaften versprochen und den Aberglaube an den Sozialismus der Ossis belächelt haben. Hochmut kommt vor dem Fall! Es ist natürlich nicht einfach sein eigenes Weltbild offen ändern zu müssen. Deswegen wird bis zum Schluss an dem nicht-funktionierenden Altland festgehalten. Aber am Ende begreifen es auch die Letzten oder landen im Alkohol !

Nach der 2. Wende

…Die Märchen hören dann immer auf mit “und wenn sie nicht gestorben sind…”. Im wirklichen Leben geht es aber weiter.

Kommt dann z.B.? :

  • Wir erkennen das unsere Energie komplett aus erneuerbar/Öko kommen muß. Allerdings machen das wieder die großen Energiekonzerne. Sie akkumulieren z.B. die Biomasse und nutzen sie dann in Großkraftwerken. Die Bauern bekommen weiterhin wie bei Milch, Getreide und Fleisch vorgegebene Preise. Der Gewinn fließt wieder aus der Region ab.
  • Wir erkennen, daß unser Zinssystem eine Ursache des irrsinnigen Wachstumsdrucks ist und die Schere Arm/Reich immer mehr auseinandertreibt. Wir schaffen deswegen ein gesünderes Geldsystem mit Umlaufsicherung. Dies übernimmt dann aber wieder eine Zentralbank und damit wird wieder eine Machtstruktur etabliert.
  • Wir erkennen, daß die Politiker nicht immer im Sinne des Volkes entscheiden und schaffen den Lobbyismus ab und nehmen die Politiker auch mehr in die Verantwortung bei Fehlentscheidungen (Pensionskürzung, Gehaltskürzung). Aber wer macht das? Reicht das?
  • usw.

…und wir werden wieder zu treuen Lemmingen degradiert…

…oder schaffen wir es dann uns nicht wieder die “Butter vom Brot zu nehmen”? Geben wir die Macht nicht wieder an eine Gruppe “Schlauere” ab, sondern schaffen Systeme in Wirtschaft+Gesellschaft  indenen gar keine Ausbeutung mehr erfolgen kann (s. strukturelle Nichtausbeutungsfähigkeit)? …Eine wirkliche Demokratie und freie Gesellschaft mit einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Wirtschaft + Geldsystem? z.B.

  • Wir schaffen eine dezentrale, nachaltige Energieversorgung aus frei verfügbaren oder nachwachsenden Rohstoffen. Jede Stadt hat ihren Energie-Mix angepasst an die eigene Region und stellt das meiste auch mit kleinen+mittleren Blockkraftwerken, Wind-, Sonne- und Biomasse selbst her. Somit bleibt die Wertschöpfung auch in der Region
  • Wir stellen ein komplementäres Geldsystem neben das bestehende. Dieses besteht wie die Energie aus einem gesunden Mix von Währungen, welche genau für ihren Zweck konzipiert sind.
  • Wir führen eine flüssige Demokratie ein, in der jeder ohne großen Aufwand mitbestimmen kann oder aber seine Stimme jederzeit an andere verleihen kann, denen man vertraut und die mehr Ahnung haben.

Man darf gespannt sein…

Jeder bekommt die Regierung und das System, was er verdient…

Falls es nicht klappt, dann sind die Menschen vielleicht bei der 3. Wende schlauer…?!

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