Altland
- Ein ständiges materielles Wirtschaftswachstum befindet sich nicht in Übereinstimmung mit der Natur. Auf Dauer können nicht mehr Ressourcen verbraucht werden als nachwachsen (Peak Oil & Co). Die Entwicklung der Evolution des Lebendigen zeigt: Wer den Grundgesetzen der Natur widerspricht wird ausgestoßen. Selbst im Bildungs- oder Kulturbereich ist ein lineares oder exponentielles Wachstum nicht möglich. Man kann höchstens 24h am Tag Bücher lesen oder ins Theater gehen.
- Der Verbrauch und die Verschmutzung von Ressourcen fehlt als Kostenfaktor in den Rentabilitätsbetrachtungen. Die Rechnung bekommen die nächsten Generationen.
- Es gibt zu wenig wirklich freie Märkte. Massenorganisationen wie Monopole oder unübersichtlich große wirtschaftliche Einheiten arbeiten vermehrt mit Lobbyismus, Aufkaufen von Konkurrenten oder deren Patenten um eigene Produkte zu schützen, unlauterem Wettbewerb, “Erpressung” von teuren Staatshilfen/-garantien gegen ArbeitsplätzeerhaltĀ bzw. Bankenzusammenbruch, Intransparenz bzw. falschen Werbeaussagen usw. anstatt sich für wirkliche Innovationen zur Verbesserung der Lebensqualität einzusetzen.
- Wir haben einen hohen Automatisierungsgrad erreicht. Dadurch werden nicht mehr alle Menschen für die Arbeit im Bereich Produktion und Dienstleistung benötigt, schwere und gefährliche Arbeiten werden verringert. Das ist super, da wir die “gewonnene” Lebenszeit mit Freizeit, Wissen, Kultur etc. nach persönlichem Geschmack nutzen könnten. Aber:
Die zunehmende Automatisierung verursacht eine strukturelle Arbeitslosigkeit. Der Arbeitsmarkt braucht nicht mehr alle Erwerbsfähigen. Allerdings sind Arbeit und das daraus erzielte Einkommen die Vorraussetzungen für den Zugang zu kulturellen Leistungen und der Grundlagen zum Leben (Wohnen, Essen, Mobilität) überhaubt.
Dieser Teufelskreis wird noch durch den Rückgang der Reallöhne unterstützt, welcher aufgrund vermehrter Arbeitslosigkeit und des Wachstumsdrucks in der Wirtschaft verursacht wird.
Neuland
- Der wichtigste Treiber des Wachstumsdruck ist der Zins. Durch unser derzeitiges Zinssystem werden wir zum Wachstum gezwungen. Um unseren materiellen Reichtum zu halten muss die Wirtschaft exponentiell in Höhe des Zinsanspruches wachsen. Den Lösungsweg findet man also im Geldsystem mit der Veränderung des Zinssatzes.
- Jeder Handwerker muß seinen Lieferwagen betriebswirtschaftlich “abschreiben” und damit in seine Preise einbeziehen. Ansonsten ergibt sich zwar ein kurzfristiger Gewinn aber beim anstehenden Neukauf des Fahrzeuges ist kein Geld mehr da und der Handwerker “pleite”. Diese Abschreibung gibt es also zu Recht auf “tote Produktionsmittel” sie fehlt aber auf “Lebendiges” (Ressourcen). Die Auswirkungen auf Verschmutzungen (Wasser, Licht, Lärm, Luft), Abholzung, Genveränderungen etc. müßten bewertet und in die Rentabilitätsrechnung einbezogen werden. Dies kann natürlich nicht der einzelne Unternehmer. Dies müßte im Steuersystem mit einer Art Enthropiesteuer umgesetzt werden.
- Eine Vermeidung von zu großen wirtschaftlichen Einheiten ließe sich ebenfalls über das Steuersystem (ganz ohne Verbote und Kartellamt) regeln. Große Einheiten würden dann prozentual mehr Steuern bezahlen als kleinere Betriebe. Also eine Art Größensteuer.
- Eine Abkoppelung von Erwerbseinkommen und Lebensgrundlagen könnte mit einem ” bedingungslosen Grundeinkommen” umgesetzt werden.
Neuland Schwierigkeit
- Unsere Wirtschaft ist stark in der Weltwirtschaft eingebunden. Nur das überlegen solch einer Idee durch eine Regierungspartei (Änderung des Steuer bzw. Zinssystems) würde sofortige Auswirkungen auf die derzeitige Wirtschaft (panikartiger Geldabfluß, Investitionsstau etc.) haben. Eine Umsetzung wäre nur in kleinen Schritten mit langen Übergangsfristen und als Verbund mit anderen wichtigen Änderungen (Spekulationskäufe von Grundstücken, Tobinsteuer etc.) denkbar.
- Es gibt kaum praktische Erfahrungen mit solchen Neuland-Gedanken. Vor einer Umsetzung in der Fläche müßte die Idee in der Praxis in kleinen, komplementären Einheiten ausprobiert und entwickelt werden.
Neuland Beispiele
Umgesetzte Praxis-Beispiele (außer beim Geldsystem) gibt es hierzu kaum. Dies liegt wohl daran, dass die Umsetzungen (Änderungen Steuersystem, Einkommenssystem) kein Einzelner oder eine Gruppe machen kann. Dies müsste erst in die Politik getragen werden. Wobei dort bereits angefangen wurde über einiges zu diskutieren.
- Beispiele zum alternativem Geldsystem stehen auf der dortigen Seite
- Enthropiesteuer nach Peter Kafka
- Größensteuer nach Leopold Kohr / Kafka
- Bedingungsloses Grundeinkommen nach Werner oder Althaus
Was kann der Einzelne tun?
- Die obigen Ideen verbreiten. Nur über das Bekanntwerden und “Dafür sein” (Wählerstimmen) sind politische Schritte in die richtige Richtung denkbar.
- Mitmachen in unabhängigen praktischen Alternativen zum Geldsystem (Bartern, Regiogeld, Tauschring). Dies als Mitglied oder Unterstützer.
