Das greifbare Paradies

HURRA! Wir Bewohner dieses Planeten haben es geschafft uns soweit zu entwickeln, dass wir die glücklichsten Geschöpfe von Mutter Erde sein könnten:

  • Wir brauchen keine Angst vor wilden Tieren und den Naturgewalten mehr zu haben.
  • Wir könnten für jeden die Grundbedürfnisse (Nahrungsmittel, Obdach, medizinische Versorgung etc.) nachhaltig und ohne übermäßige körperliche Anstrengung oder geistigen Stress zur Verfügung stellen.
  • Jeder könnte genug Freizeit und Geld haben um sich nach seinen Interessen und Begabungen zu entwickeln.

Die Realität

OOOPS! Anstatt die Schritte zu diesem möglichen NEULAND zu gehen, entfernen wir uns immer mehr davon und machen ALTLAND noch gefährlicher:

  • Die (vor allem nicht-materielle) Lebensqualität wird immer schlechter und die Zukunftsangst und Unzufriedenheit immer größer bzw. unsicherer.
  • Nebenbei haben wir gute Chancen unseren wunderschönen blauen Planeten so zu drangsalieren, dass wir außer den tausenden schon “besiegten” Arten uns selbst eliminieren.
  • Ein Außerirdischer auf Erdbesuch müsste denken unsere Spezies ist masochistisch veranlagt, da wir nicht durch “höhere Gewalt”, einen erzürnten Gott oder sonst etwas “Externes” zu unserem Unsinn getrieben werden, sondern dies alles FREIWILLIG tun!

Mit sehr schönen Bildern wird dieses Dilemma im empfehlenswerten Film “Home”  (2009) dargestellt. Der Film ist frei vorführbar. Die deutsche Version zum Download gibts hier: Home, deutsch, 93min

Das Problem

Wir arbeiten in Strukturen von gestern, mit Methoden von heute an Problemen von morgen, vorwiegend mit Menschen, welche die Strukturen von gestern gebaut haben und das Morgen innerhalb der Organisation nicht mehr erleben werden.

(Managementautor Knut Bleicher)

  • Alles verändert sich ständig und immer gibt es neue, unkalkulierbare Herausforderungen. Dies ist im Kleinen so (welcher Betrieb kann schon für Jahre vorausplanen, wer ist sich der Liebe zum Lebenspartner bis zum Ende gewiss?) und im Großen (Kriege, Bevölkerungsentwicklung, neue Technologien und Gesetze, Naturkatastrophen etc. sind nicht kalkulierbar. Dies ist erstmal schön, denn es macht das Leben interessant und lebendig!
  • Durch Wachstum und Entwicklung unserer Gesellschaft sind unsere Strukturen immer komplexer geworden und mit den hergebrachten Managementmodellen immer weniger kontrollierbar.
  • Außerdem verursachen die Altland-Strukturen Abhängigkeiten und ermöglichen die Durchsetzung von Macht Einzelner gegenüber der Mehrheit (undemokratisch).

Unsere derzeitigen Strukturen müssen wir demnach in flexible und demokratische Neuland-Systeme ändern. Dies betrifft alle Bereiche wie Politik, Wirtschaft, Technologie, Wissen und Geld.

Ein Lösungsweg

Das LEBEN können wir nicht ändern, dafür aber unsere Strukturen und Systeme! Dazu haben wir einen guten Lehrer: Die Natur lebt uns ein perfektes Management von komplexen Strukturen und Krisen seit Jahrmillionen vor, während uns z.B. die Finanzkrise vor Augen führt, welche Mängel in unseren Systemen innewohnen. Unser Gehirn, ein Fischschwarm oder ein Mischwald können sich optimal auf Veränderungen im Werden und Vergehen des Lebens anpassen. Zudem basieren die Systeme der Natur nicht auf Macht um andere auszunutzen, sondern auf Gleichberechtigung und Demokratie.

  • Selbstregulierung: Die Natur reagiert auf Krisen mit Kreativität, Innovation und beispielloser Flexibilität. Dies basiert auf Prinzipien wie Schwarmintelligenz, biokybernetischen Organisationsstrukturen und Evolutionsstrategien. Es gilt dies auf unsere Systeme zu übertragen um die problematische Steuerung von außen in eine Selbstregulierung zu überfuhren. Der Blutkreislauf von Neuland sind vernetzte, selbstorganisierte Strukturen, welche für das Leben da sind, anstatt dagegen. Wichtige Prinzipien sind auch die Arbeit in Kooperationen (Symbiose) sowie eine gesunde Konkurrenz, welche auf Vielfalt basiert und nicht Anpassungsfähiges aussortiert.
  • Nachhaltigkeit: Wir können auch in Selbstorganisation weiterhin unsere Biosphäre vergiften. Die Nachhaltigkeit ist demnach das andere wichtige Standbein. Eventuell steckt im Begriff “Selbstregulierung” bereits die Nachhaltigkeit (Selbstregulierung=Selbstorganisation+Nachhaltigkeit). Da Definitionen aber nicht immer klar sind, wird hier auf beide Prinzipien verwiesen.

Mehr zu den Prinzipien im Wiki: Neuland-Prinzipien.

Der Weg

  • Kein Kampf “gegen”, sondern “für”: Es geht nicht darum gegen die Altland-Strukturen anzukämpfen. Das macht schnell müde und bindet Energien+Möglichkeiten. Vielmehr sollte Altland immer weniger unterstützt werden und dafür immer mehr Aktivitäten in Neuland passieren. Es gibt bereits viele Neuland-Strukturen welche genutzt werden können.
  • Jetzt anfangen: Neuland ist noch sehr jung und benötigt Zeit und Energie um sich auszuprobieren und zu entwickeln. Deswegen ist es wichtig jetzt umzudenken und an Neuland zu bauen um immer mehr Tätigkeiten nach Neuland zu verlagern. Altland ist dabei sein Fundament und seine Lebensgrundlage zu zerstören. Das entstehende Loch sollte mit “Neuland-Rettungsbooten” aufgefangen werden werden.
  • Komplementarität: Man kann Altland-Strukturen nicht einfach ersetzen. Dafür ist unsere Gesellschaft viel zu “eingespielt” und abhängig. Neuland muss parallel ausprobiert und entwickelt werden. Wer weis denn vorher, ob Neuland wirklich “besser” ist?
  • Try & Error: Um sich auszuprobieren, aus Fehlern lernen und sich kurzfristig anpassen zu können sowie um Übervorteilung durch eine Machtstruktur zu verhindern basieren Neuland-Projekte auf der Vielfalt von kleinen, vernetzten Einheiten. Wenn beim ausprobieren und anpassen Fehler gemacht werden, wirkt sich das nicht nennenswert auf das Gesamtprojekt aus. Dies motiviert einfach etwas Neues auszuprobieren und macht das System flexibel und anpassungsfähig. Durch die Vernetzung kann trotzdem gemeinsam “Großes” geleistet werden.
  • Motivation: Wenn ein System so organisiert wird, dass an einem Vorteil bzw. Gewinn des Gesamtsystems alle Individuen teilhaben können und auf der anderen Seite kaum persönliche Vorteile aus der Übervorteilung anderer gezogen werden kann, wird jeder automatisch mehr für das Ganze (den Wald, die Politik, die Wirtschaft, die Umwelt…) tun. Es ist doch schöner sein Geld aus einem gemeinsamen Erfolg zu verdienen anstatt daher, weil man so clever ist einem Anderen seines wegzunehmen (mehr Kooperation im materiellen+wirtschaftlichen Bereich, dagegen vermehrte Konkurrenz (Vielfalt) im Innovationen-, Ideen-, Kunst- und Kulturbereich).

Vereinfachte Beispiele

  • Wirtschaft & Geld: Es besteht ein Geldmonopol. Eine optimale Steuerung kann nicht gewährleistet werden (Finanzkrisen, Zinsproblematik). Durch Globalisierung und unbeschränkten Devisenhandel können wirtschaftlich gesunde Regionen in Armut gestürzt werden. Durch Monopolbildungen wird gesunder Wettbewerb und faire Preise verhindert -> Neuland-Lösung durch Regionalgelder, Barterringe, Tauschringe, Genossenschaftsmodelle
  • Wissen: Über u.a. Patente und Lizenzen sichern sich wenige Großkonzerne Vorteile gegenüber dem Mittelstand und Selbständigen (z.B. Problematik Softwarepatente, Gen-Patente). Problematik grösstenteils einseitiger, Wissensvermittlung durch Pharmakonzerne im Gesundheitswesen. -> Neuland-Loesung durch “offenes Wissen” Wikipedia, Internet, freie Software, open Patents, open Streetmap etc.
  • Technologie: Veredlung bestimmter Produkte sind nur durch Großkonzerne mit teurer Hochtechnologie möglich. Dadurch besteht ein Abhängigkeitsverhältnis mit Preisvorgaben (z.B. Landwirtschaft, Erdöl). -> Lösung in Neuland durch mittlere Technologien wie Biomeiler, INGA-Fertiger (Hofmolkerei) etc.
  • Politik: Unser derzeitiges System erlaubt dem Bürger zu wenig Mitsprachemöglichkeiten. Politische Entscheidungen oft ohne “Vor-Ort-Kenntnis” und damit fehlerhaft. -> Neuland-Lösung durch “flüssige Demokratie”, Ideen des Equilibrismus e.V.
  • Steuern: Über zu viele direkte Steuern wird den Bürgern Entscheidungsfreiheit genommen, Umweltbelastungen kaum erschwert und Arbeitsplätze durch hohe Lohnnebenkosten gefährdet. -> Lösung in Neuland: Auf Verbrauch basierendes System (Entropiesteuer nach Peter Kafka, Vorschläge zur Finanzierung eines Grundeinkommen)
  • Reisen: Komplementär zur monopolisierten Bahn: Mitfahrgelegenheit.de. Alternative zu “starren” Pauschalreisen: Individualreisen mit Reiseführern wie Reise Know How oder Lonely Planet bzw. Übernachtungen mit hospitalityclub.org.