Eine schöne Nachricht für Neuland: Novartis verliert Patentstreit um Krebsmittel

Wenn die Pharmahersteller und Rechte-Inhaber jetzt loszetern, dass dann niemand mehr die Entwicklung bezahlen wird und am Ende mehr Menschen an Krebs sterben werden, ist das ziemlich scheinheilig:

  • Wenn Novartis eine ausreichende Erfindungshöhe vorweisen hätte können, dann hätte Novartis auch wieder 20 Jahre Patentrechte bekommen. Da Novartis aber nur das alte etwas „aufgefrischt“ hat um weiter das Monopol zu behalten, braucht hier nicht gejammert werden. Die Kosten aus der Entwicklung hat Novartis in den 20 Jahren vermutlich mehr als zurück bekommen.
  • Es gibt inzwischen genug Beispiele, dass das derzeitige Patentsystem nicht optimal läuft: Pharma-Patente

An diesem Gerichtsstreit von Novartis wird mal wieder klar, dass sich die Interessen der Verbaucher (Patienten) und der Industrie nicht vertragen. Selbst mit dem Urteil wird der „Kampf“ nicht aufgelöst. Aber warum nicht etwas weiter denken? Warum nicht neue, alternative Systeme der Finanzierung von Forschung und Entwicklung zu Medikamenten, Impfstoffen und Diagnostika einführen? Dabei müssen die Entwicklungskosten von den Produktpreisen abgekoppelt werden, damit diese Preise kein unnötig hohes Hindernis darstellen.

  • Denkbare Finanzierungsmodelle können zum Beispiel öffentlich finanzierte Forschungsprämien sein, die für die erfolgreiche Entwicklung von Medikamenten ausgelobt werden.
  • Bedingung für die Auszahlung einer solchen Geldprämie wäre: das Monopolrecht an dem Medikament aufzugeben. Das Wissen über die Mediakmente stünde damit als Gemeingut der ganzen Gesellschaft offen. Die Nutzenmaximierung käme anstatt der Profitmaximierung in den Vordergrund.
  • Das Medikament würde immer noch Geld kosten, aber die Preise wären dann deutlich niedriger als die Monopolpreise.
  • Auch das altbewährte Konzept der direkten öffentlichen Förderung von Forschung und Entwicklung kann wichtige Beiträge leisten.
  • Die Kosten der Geldprämien bzw. der öffentlichen Forschung und Entwicklung könnten z.B. über eine Steuer auf alle Medikamente umgelegt werden. Auch dann wären die Medikamente immer noch bedeutend günstiger und der Staatshaushalt würde nicht belastet (Selbstfinanzierung).

Mehr zu dieser Idee: Petentleft (engl.)

Mal wieder zur Schuldenkrise…

vor 3 Tagen kam ein kurzweiliges Radio-Feature zu Island auf dem Deutschlandfunk:

  • Island kollabierte vor 4 Jahren durch einen windigen Boom mit dubiosen Bankkrediten. Anstatt alle Bürger über einen „Rettungsschirm“ und dem Verkauf des Tafelsilbers zu beteiligen, entschied sich Island dafür die Spekulanten nicht auf Kosten der Gesellschaft zu retten. -> Der Premierminister ließ Island mit den Worten „Gott schütze Island“ pleite gehen…
  • Statt Boni an Banker zu verteilen, gab es Haftbefehle. Island rettete nicht die Banken, sondern seine Einwohner. Den kleinen Hausbesitzern erließ man die aufgeblähten Hypotheksschulden. „Wer spekuliert, trägt das Risiko, nicht wir“, sagten die Isländer selbstbewusst. Deshalb gab es auch keine Einschnitte im Sozialstaat und die einheimische Wirtschaft wurde gestärkt.
  • Vier Jahre später steht Island da als Phönix aus dem ewigen Eis. Die Arbeitslosigkeit sank drastisch und nun steht Island vor einem gesunden Neuanfang.

Der Link zum 50-min-Radio-Feature vom 26.3.13 auf dem Deutschlandfunk: „Wer spekuliert, trägt das Risiko“

Die Schuldenkrise in Island hatte auch interessante Auswirkungen auf die Demokratisierung im Land. Ein Absatz im Neuland-Wiki dazu: Beispiel Island

…wenn Zypern, Griechenland, Portugal, Spanien, Italien & Co. sich hier etwas inspirieren lassen wollen, wäre eine eigene Parallelwährung zum € sicherlich nicht verkehrt… und damit man in ein paar Jahrzehnten nicht wieder vor solch einer Krise steht, könnte die Parallelwährung gern auf die „Systemfehler“ der traditionellen Währungen verzichten und als Freie Währung konzipiert werden…

 

Die Zeitschrift Oya und die Uni Hamburg wollen eine Open-Source Saftpresse sowie einen Bodenfuttertopf als Gemeingut entwickeln.

Der Bodenfuttertopf wird vielleicht nicht „die Welt retten“, da Küchenabfälle auch ohne Zerkleinerung zu Kompost werden. Die Saftpresse ist da schon interessanter. Vor allem geht es aber um den Open-Source-Gedanken und freie Lebens- & Arbeitsgrundlagen.

Zur Finanzierung bedarf es 3.000 €, welche über Crowedfunding gesammelt werden. 3 Tage vor Schluss der 30-tägigen Aktion fehlen noch knappe 700 €: Bodenfuttertopf und Saftpresse

weiterer Link dazu: Keimform.de

update 25.3.13: Mit reichlich 3000 € wurde das Ziel erreicht.

Krise, Krise, Krise

Immer wieder, wenn ich in die Medien schaue höre ich die Begriffe Staatsschulden, Finanzkrise, Rettungsschirm. Als Lösungen höre ich dass wir sparen müssen und dass wir Wirtschaftswachstum brauchen. Ich weiß aber, das dies keine echten Lösungen sind. Das das Problem in unserem Finanz- und Wirtschaftssystem begründet ist, weiß ich auch schon längst und zur Zeit hoffe ich, das dieses System nicht zusammen bricht. Ihr lest richtig: ich hoffe, dass dieses System nicht zusammen bricht. Vielleicht könnte man sich jetzt fragen, ob ich jetzt alt geworden bin und mich mit dem ganzen Wahnsinn, der herrscht abgefunden habe. Ich kann Euch beruhigen – ich habe nicht resigniert und habe mich nicht damit abgefunden. Ich weiß aber auch, dass es zur Zeit noch keine gelebte, tragfähige Alternative zu diesem ganzen System gibt. Dieses System ernährt uns alle recht gut, aber sicher werden die Probleme bald stark zunehmen.

Es ist bereits alles da

Interessant ist auch, das das jetzige Wirtschaftssystem in sich alle notwendigen Mechanismen trägt, um den wirtschaftlichen Wahnsinn, der zur Zeit herrscht, überflüssig zu machen. Ich möchte die Sache auf den Punkt bringen, ohne lange drum herum zu reden: Die Lösung heißt Selbstermächtigung und Beteiligung.

Die Vorgehensweise besteht darin, dass jedes kleine- und mittelständische Unternehmen stets versuchen sollte, eigene Ressourcen aufzubauen, die nicht von den Banken finanziert sind. Das kann ein Unternehmen dadurch erreichen, dass es bei der Schaffung eigener materieller Ressourcen mit anderen Unternehmen zusammenarbeitet. Unternehmer beteiligen sich gegenseitig an der Schaffung materieller Ressourcen durch die Leistung von Arbeit und eventuell auch durch finanzielle Mittel und lassen dabei die Banken außen vor. Wenn Kredite dennoch gebraucht werden, können diese über Crowdfunding beschafft werden. So wird gleichzeitig eine Vielzahl an Menschen an den geschaffenen Ressourcen beteiligt und das wirtschaftliche Risiko wird auf viele Schultern verteilt.

Selbstverständlich sollten keinerlei Zinsen verlangt werden, weil Zinsen eines der wesentlichen Probleme unserer Wirtschaft sind. Um den Überblick über die eigenen Ressourcen zu haben, soll jedes Unternehmen seine eigene Buchhaltung dahingehend erweitern, indem aufgelistet wird, wie viel Aufwand für andere Unternehmen erbracht wurde und wieviel Leistungen von anderen Unternehmen empfangen wurden. Diese Bilanz sollte sich unbedingt die Waage halten, damit das eigene Unternehme nicht heruntergewirtschaftet wird. Ein eigenes Komplementärwährungssystem ist dabei nicht unbedingt nötig, aber wer möchte, kann auch diese Möglichkeiten nutzen. Einen Artikel dazu habe ich hier bereits verfasst.

Was geschehen kann

Die gesamten Schulden der Volkswirtschaft werden irgendwann erdrückend werden. Unternehmen, die heute einen geringen Eigenkapitalanteil haben und deren Ressourcen im Eigentum der Banken sind, werden verpfändet, wenn diese Unternehmen die Zinslast ihrer Kredite nicht mehr tragen können. Werden zu viele Unternehmen verpfändet, können sie nicht mehr die Güter produzieren, die von der Bevölkerung benötigt werden. Hunger und Armut sind die Folge. Deshalb ist es wichtig, dass materielle Ressourcen aufgebaut werden, die Eigentum von möglichst vielen kleinen und mittleren Unternehmen sind und die nicht Eigentum der Banken sind. Wenn das jetzige Euro-Währungssystem dann wirklich kollabieren sollte, wird dies nur einen begrenzten Schaden verursachen, wenn genügend Ressourcen nicht Eigentum der Banken sind. Die Erschaffung eigener Ressourcen ist in unserem jetzigen Finanz- und Rechtssytem ohne Probleme möglich.

Fazit

Wir brauchen kein anderes System oder eine andere Gesellschaft. Wir müssen lediglich dafür sorgen, dass möglichst viele Menschen an den Ressorucen der Gesellschaft beteiligt sind. Ein Freund von mir hat es einmal schön formuliert:

„Wir haben kein Produktivitätsproblem, wir haben ein Beteiligungsproblem.“

Seit 4 Jahren rumort die Finanzkrise (inzwischen die Krise der Staatsschulden) und anstatt diese zu lösen wird sie nur verschoben und verschärft.

Trotz dieser 4 Jahre Bedenkzeit und den dabei gemachten Erfahrungen höre ich seit Wochen und Monaten von Politikern & Co. lediglich 2 Lösungsvarianten, wobei die eine schwachsinniger als die andere ist:

  1. CDU, FDP & Co. wollen die Staatsverschuldung über Sparen in den Griff bekommen. -> Griechenland, Spanien & Co. zeigen deutlich, das dieses Sparen der Mehrheit der Menschen und der Gesellschaft insgesamt mehr schadet als nutzt. Zudem verspielt der Staat seine Zukunft indem noch das letzte Tafelsilber verscherbelt wird.
  2. SPD, Linke & Co. wollen die Staatsverschuldung über Wirtschaftswachstum lösen. -> Woher das Geld für Wirtschaftswachstum kommen soll bleibt dabei etwas unklar. Zudem bringt Wirtschaftswachstum mehr Schaden als Nutzen (s. Wirtschaftswachstum und Bruttoinlandsprodukt)

Die Politiker sollten endlich aufhören ihren Arsch über die Zeit zu retten und den Bürgern keine Märchen mehr erzählen!  Glauben tun es sowieso die wenigsten!

Kurz- & mittelfristig ist in den am meisten verschuldeten Ländern ein geordneter Schuldenschnitt der einzige vernünftige Ausweg ! Auch der zuletzt verhandelte Schuldenschnitt von Griechenland ist hierbei noch zu wenig. Griechenland bekommt die Fesseln dadurch nicht los und siecht nur weiter dahin. Am Ende nützt dies nur den Finanzinvestoren, welche hohe Zinsen verdienen bzw. genügend Zeit haben marode Staatsanleihen über Rettungschirm & EZB loszuwerden und die Ausfälle den Bürgern aufzudrücken.
Auch ein Austritt aus dem Euro würden den Peripherieländern und dem Euro selbst mehr bringen als das festhalten an etwas, was nicht zusammenpasst.

Langfristig sollte unser selbstmörderisch-selbstverstärkendes Altland-Geldsystem in ein selbstreguliertes Neuland-Geldsystem überführt werden.

Zudem sollte die Kommunismus-Brille abgesetzt und aus der Mitte der Gesellschaft ernsthaft gefragt werden:

  • Warum werden leistungslose Vermögens- & Kapitaleinkommen praktisch mit weniger als 20% besteuert, wohingegen ein schwer arbeitender Erwerbstätiger schnell 40% Steuern abgezogen bekommt?
  • Ist es gerecht, dass der kleine Mann über Steuern, Reallohnrückgänge und Arbeitsplatzverlust die Krisen hautnah spürt und ausbaden muss? Dagegen Millionenvermögen, welche nicht mit Arbeit verdient wurden, sondern sich lediglich aufgrund von Kapitalrenditen selbstverstärkend aufgrund der Arbeit anderer ansammeln und die Krise mit verursacht haben, nicht angetastet werden? Zudem die Besitzer dieser leistungslosen Vermögen ein paar hundertausend weniger auf dem Konto in der Ausgaben- & Lebensgestaltung gar nicht spüren würden? Der „kleine Mann“ sich dagegen schon bei 100€ weniger einschränken muss?

Ein netter Artikel aus der Zeit: http://www.zeit.de/2011/50/Kapitalismus-Wirtschaftskreislauf

Kapitalismus

Weg mit dem ganzen Ballast                       11.12.11

Wie Menschen in Deutschland versuchen, sich aus dem großen kapitalistischen Wirtschaftskreislauf zu befreien.                          © Rainer Jensen/dpa

In Neunkirchen im Hunsrück hat der Kampf gegen den Kapitalismus ein erstes Opfer gefordert. Es ist eine Straßenlaterne. Sie steht in der Mitte des kleinen Dorfes, nicht weit vom Haus des Bürgermeisters. Seit 15 Jahren steht sie dort. Jetzt steht sie schief. Der Konflikt mit dem System begann vor einem Jahr, als die Neunkirchner den Strom für die Straßenbeleuchtung nicht länger vom Energieriesen RWE beziehen wollten. Sie wollten ihn selbst herstellen, das halbe Dorf hat Solaranlagen auf dem Dach.

So einfach sei der Ausstieg nicht, ließ RWE wissen. Schließlich gehörten die Laternen dem Konzern. Dann werde man von nun an Miete verlangen, antwortete der Bürgermeister. Schließlich stünden die Laternen auf dem Grund und Boden von Neunkirchen. Es entbrannte ein ergebnisloser Streit um Paragrafen und Bestimmungen. Dann, vor sechs Wochen, knallte ein Auto gegen die Laterne. Seitdem steht sie schief. Solange nicht klar ist, wer ihr Eigentümer ist, wird das wohl so bleiben und allen vor Augen führen, was passieren kann, wenn sich der Bürgermeister eines kleinen Dorfes gegen den Kapitalismus stellt.

Der Bürgermeister ist der 65 Jahre alte Richard Pestemer. Von seinem Holztisch mit Blick auf den eigenen Gemüsegarten schreibt er Protestbriefe an RWE, im Briefkopf das Ortswappen mit zwei Hämmern, in seinem Rücken das Regal mit Werken von Marx, Mao und Laotse. Neben den Büchern steht ein Foto des jungen Pestemer. Mit langem Bart und langen Haaren schaut er dem alten, jetzt kurzhaarigen Bürgermeister dabei zu, wie er den Widerstand organisiert.
Pestemer schien nicht recht in dieses Dorf zu passen, als er vor 20 Jahren auf der Suche nach ländlicher Idylle mit seiner Frau hierherzog. Im Hunsrück wählte man CDU, Pestemer aber war in Köln bei den Grünen gewesen, bald sprach er davon, die Neunkirchner sollten doch den Wald hinter dem Dorf wieder selbst bewirtschaften, sie sollten Gemüse anbauen. Mit solchen Reden wird man schnell zum Außenseiter in einem Dorf mit nur 159 Einwohnern. Pestemer wurde kein Außenseiter, er wurde Bürgermeister, den Leuten gefällt, was »der Richie« sagt. Vor zwei Jahren haben sie ihn wiedergewählt.

»Alle klagen doch über den Kasinokapitalismus mit seinem Profitwahn«, sagt Richard Pestemer. Aber was ist die Alternative? Der Sozialismus ist gescheitert, ein anderes großes Gegenmodell hat niemand parat. Dafür bewegt sich etwas im Kleinen. An den unterschiedlichsten Orten in Deutschland versuchen Menschen, abseits des Systems zu leben. Mit weniger Markt, weniger Wirtschaftswachstum, manchmal auch mit weniger Geld. Aber wie sieht es aus, ein solches Leben?

Diese Frage steht am Anfang einer Reise, die bei Richard Pestemer beginnt. Sie wird weiterführen nach Berlin, wo es Geschäfte gibt, in denen man Waren erstehen kann, ohne dafür bezahlen zu müssen. Ein Wirtschaftsprofessor wird unterwegs auftauchen, der aus Überzeugung nicht Auto fährt und nur selten in Züge steigt. Er wird einem ein schlechtes Gewissen mit auf den Weg geben zur letzten Station, die im Alpenvorland liegt, in der oberbayerischen Provinz, wo ein ehemaliger Lehrer eine neue Art von Geld erfunden hat.

Am Anfang aber, im Südwesten des Hunsrück, wo nur dreimal am Tag ein Bus aus Trier vorbeikommt, blickt man hinab in ein tiefes Tal, in dem an diesem Herbstmorgen noch die Wolken hängen. Dort unten wohnt Richard Pestemer. Eine unebene Straße ohne Mittelstreifen führt nach Neunkirchen hinein, alte Bauernhöfe stehen neben roten Holzhäusern, wie man sie sonst in Schweden oder Norwegen sieht.

Pestemer ist hier seit sieben Jahren parteiloser, ehrenamtlicher Bürgermeister. Früher war er Dolmetscher für Japanisch. Mittlerweile ist er in Rente. Pestemer sagt, er suche seit fast fünfzig Jahren nach einer Alternative zum Kapitalismus. Ausgerechnet hier, in diesem Dorf, in dem es kein DSL und keinen Handyempfang gibt, scheint er sie gefunden zu haben

Pestemer steht in der Küche und kocht Mittagessen. Ofenkartoffeln und Salat aus dem eigenen Garten. Vor dem Fenster breiten sich die Gemüsefelder der Nachbarn aus, noch Anfang Dezember wachsen dort Lauch und Kohl. Pestemer hat drei Hühner und ein Schwein, das bei einem Nachbarn im Stall steht. »Nach der Energiewende kommt die Nahrungsmittelwende«, sagt er voraus.

Weniger Kapitalismus – für Richard Pestemer bedeutet das ganz einfach: weniger kaufen, mehr selbst machen. Selbstversorgerstrukturen seien auch in den Städten möglich, glaubt er. Pestemer spricht von der »solarangetriebenen, nachhaltigen Regionalgesellschaft«, einem regionalen Kreislaufsystem aus Produktion und Konsum. Erst vor Kurzem hat er einen Vortrag an der Uni Trier darüber gehalten.

Hinterm Dorf beginnt der Wald. Auf den Lichtungen sprießen Buchensetzlinge zwischen achtzig Jahre alten Fichten. Früher war der Wald Teil des Forstzweckverbandes, in dem mehrere Gemeindewälder der Region verwaltet wurden. Damals machte man mit dem Wald noch Verlust. Seitdem die Gemeinde ihn wieder selbst bewirtschaftet, erzielt sie daraus Gewinn. Mitunter ist auch eine Wirtschaftsform rentabel, der es nicht zuerst um dem Profit geht.

Ein Arbeitsplatz für die Försterin Anne Koch wurde geschaffen. Die Bewohner holen ihr Brennholz jetzt aus dem eigenen Wald. Seitdem Pestemer nicht mehr mit Öl, sondern mit Holz heizt, sind seine Energiekosten auf ein Drittel gesunken. Er ist unabhängig vom knappen Rohstoff Öl, und außerdem ist Holz nachhaltig: Es wird nur so viel aus dem Wald geholt, wie auch wieder nachwachsen kann.

Pestemer hat vor langer Zeit ein Buch gelesen, das jetzt wieder aktuell ist. Vor fast 40 Jahren schrieb der aus Deutschland stammende, britische Ökonom Ernst Friedrich Schumacher den Bestseller Small is beautiful. Er passt hervorragend zu Pestemers Versuch der Regionalisierung. Schumacher kritisiert in seinem Buch die Vergötterung des Gigantismus. Unendliches Wachstum, angetrieben von endlichen Ressourcen, das könne auf Dauer nicht funktionieren. Schumacher war vor den Nazis nach Großbritannien geflohen, wo er nach dem Krieg die Regierung beriet. In seinem Buch plädiert er für eine Philosophie der Genügsamkeit, weil Wirtschaftswachstum nicht automatisch gut ist und »größer« nicht »besser«. Konsum sei kein Selbstzweck, echter Wohlstand nicht an der Höhe des Bruttosozialproduktes messbar.

In Neunkirchen schneiden die Leute heute selbst die Friedhofshecke, anstatt Unternehmen zu beauftragen. Sie kehren selbst die Straßen. Das spart Geld und fördert den Gemeinsinn. Nur dem Land Rheinland-Pfalz ist dieses Klein-Klein ein Dorn im Auge. Die Kommunalverwaltungsreform könnte für Neunkirchen bedeuten, dass es bald einer größeren Einheitsgemeinde zugeschlagen wird. Dann wäre die Selbstverwaltung des Dorfes dahin. Deshalb kämpft Richard Pestemer jetzt nicht nur gegen RWE, er schreibt auch wütende Briefe an die Landesregierung in Mainz.

Man muss nicht unbedingt aufs Land fahren, um in Deutschland kleine Inseln zu finden, die sich dem Kapitalismus widersetzen. In fast allen Großstädten haben sich Umsonstläden gegründet, Geschäfte, in deren Regalen Waren liegen, die irgendjemand einmal irgendwo gekauft hat und dann irgendwann nicht mehr brauchte. Kunden, die in diese Läden gehen, können sich gratis bedienen. Hier wird Handel ohne Geld betrieben, praktische Kapitalismuskritik.

Robert Podzuweit weiß noch, wie er sich wunderte, als er vor sieben Jahren vom ersten Berliner Umsonstladen hörte. Podzuweit hat ein paar Semster Betriebswirtschaftslehre studiert, er sagt, er kenne die Gesetze der Ökonomie. Warum sollten Menschen Dinge, die sie nicht mehr brauchen, extra in einen Laden bringen, wenn sie davon keinen Nutzen haben? Er sah sich dieses Umsonstgeschäft an und war begeistert, dass eine Unternehmung, die gegen alle ökonomischen Gesetzmäßigkeiten verstößt, funktioniert.

In Berlin-Friedrichshain gründete er vor fünf Jahren dann mit einer Gruppe anderer Leute den »Schenkladen Systemfehler«. Er ist jeden Tag ein paar Stunden geöffnet. Robert Podzuweit, der eine kleine Druckerei betreibt, hat heute Abenddienst – unentgeltlich, versteht sich. Offenbar muss man erst einmal ehrenamtlich arbeiten, um einen Ausweg aus dem Kapitalismus zu finden.

Im Schenkladen hängt ein Geruch wie in allen Secondhandläden, nach gebrauchten Kleidern und PVC. Es stehen Bücher im Regal, Geschirr, Gläser, Computer. Dinge, die sauber sind und nicht kaputt und von denen die Ladenbetreiber glauben, dass sie ein anderer wieder mitnehmen wird. Ein paar Dutzend Umsonstläden gibt es mittlerweile in Deutschland. »Wir nennen unseren Laden Schenkladen, weil das Wort umsonst auch eine negative Konnotation hat«, sagt Podzuweit. Systemfehler ist kein Tauschladen, man muss nichts bringen, um etwas mitnehmen zu dürfen. Die Regale sind trotzdem voll. Ein junges Paar mit kleiner Tochter stöbert in den Kleidern. Ein Mann kommt herein, er bringt zwei Laptops vorbei, erst wenige Jahre alt. Er hat jetzt einen neuen Computer, die alten braucht er nicht mehr.
Robert Podzuweit stört es nicht, seinen Feierabend im Laden zu verbringen. »Ich darf hier ja auch Sachen mitnehmen, dadurch brauche ich weniger Geld und bin unabhängig«, sagt er. Im Kapitalismus bedeutet Unabhängigkeit, so viel Geld zu haben, dass man nicht darüber nachdenken muss, wofür man es ausgibt. Für Podzuweit bedeutet Freiheit, ohne Gelddruck zu leben. Nicht dass Podzuweit ein Systemfeind wäre, er ist SPD-Mitglied und sieht sehr bürgerlich aus mit seinen zurückgekämmten Haaren, blauem Hemd und beiger Hose. Aber seiner Meinung nach denkt seine Partei zu wenig über den Systemwandel nach, der dringend notwendig wäre. »Indem man das, was im Überfluss existiert, umverteilt, muss weniger produziert werden. Die Nachfrage sinkt, und das ist ein Angriff auf den Kapitalismus.«

Ganz ohne Geld aber funktioniert der Angriff auf den Kapitalismus nicht. Der Laden kostet Miete. Das Projekt kann nur überleben, weil es Spender gibt und Paten, die es unterstützen. Solidarische Ökonomie nennt man das im Schenkladen.

Postwachstumsökonomie sagt Niko Paech dazu. Paech lehrt an der Uni Oldenburg, er ist der vielleicht ungewöhnlichste Wirtschaftsprofessor in Deutschland. Denn in einem waren sich Marxisten und Neoliberale, linke und rechte Ökonomen immer einig: dass Wachstum etwas Gutes ist, dass es in der Wirtschaft stets darum gehen sollte, möglichst viel Geld zu verdienen.

Paech geht es nicht nur darum, anders zu wirtschaften, sondern vor allem darum, anders zu leben. Nur zwanzig Stunden in der Woche zu arbeiten, zum Beispiel. Mehr Freizeit, um den Kapitalismus zu überwinden, das klingt nach einem interessanten Konzept.

Niko Paech ist nicht leicht zu sprechen. Ein Handy besitzt er aus Überzeugung nicht – für ihn ist das Wohlstandsschrott. Man muss versuchen, ihn im Büro zu erreichen, wo er aber nur Teilzeit arbeitet. Auch seine E-Mails liest er selten. Hat man ihn dann am Apparat, erzählt er von einer Kollegin, die ihn neulich überreden wollte, zu einer Konferenz nach Indien zu reisen. Auch die Inder hätten ein Recht darauf, von der Postwachstumsökonomie zu erfahren, meinte sie. Paech aber sagt, er wolle nicht Teil der »hoch dotierten Klimaschutzschickeria« sein, »die im Namen der guten Sache genauso pausen- wie wirkungslos von Kontinent zu Kontinent jettet«.

Fast alle wissen heute, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen ökologischen Schäden und menschlichem Wohlstand. Nicht viele aber stellen deshalb ihr Leben so konsequent um wie Niko Paech. Er hat nicht nur kein Handy, er steigt auch in kein Auto, fliegt nicht, schränkt Bahnreisen auf ein Minimum ein und teilt sich einen alten Laptop mit einem Kollegen. Paech sieht das alles nicht als Verzicht, sondern als »Befreiung von Wohlstandsballast und Wiedererlangung von Souveränität«. In reichen Ländern wie Deutschland führe noch mehr materieller Wohlstand längst nicht mehr dazu, dass die Menschen glücklicher würden.

Paech hat das Ideal des Prosumenten entwickelt: eines Menschen, der zwar noch Geld verdient und konsumiert, aber eben auch produziert. Paech selbst nutzt seine freie Zeit, um Brot zu backen oder an seinem Fahrrad herumzuschrauben. Braucht er neues Werkzeug, versucht er zuerst, es durch Tauschhandel mit seinen Freunden und Nachbarn zu bekommen. »Suffizienz und urbane Selbstversorgung« nennt er das im Wissenschaftsjargon. So führt der Ökonomieprofessor ein Leben, das mit der Marktwirtschaft nur noch am Rande zu tun hat. Paech weiß, dass er mit seinem Konzept nur wenige begeistern kann. Aber er glaubt, dass die Leute irgendwann nicht mehr anders können, als so zu leben. Mit seinen Ideen hat er es im wachsenden Kreis der Wachstumskritiker zu einiger Prominenz gebracht. Bürgermeister Richard Pestemer beruft sich auf ihn, auch Christian Gelleri, der Gelderfinder, ist begeistert von Paechs Ideen. Zu ihm führt die letzte Etappe dieser Reise.

In der oberbayerischen Stadt Rosenheim, eine halbe Zugstunde von München entfernt, hat der frühere Waldorflehrer Christian Gelleri im Kleinen etwas entwickelt, von dem er glaubt, dass es eine Antwort auf die große Euro-Krise sein könnte: eine andere Art des Geldes. Gelleri ist der Erfinder des Chiemgauers, einer Währung, die nur im Chiemgau gilt. Dort ist sie zum zweiten Zahlungsmittel neben dem Euro geworden. Mehr als 600 Geschäfte und Unternehmen akzeptieren den Chiemgauer inzwischen. Die Leute benutzen das neue Geld längst wie das alte. Sie kaufen Semmeln, Gemüse, Fernseher. Und verkleinern dabei den Kapitalismus.
Alles begann im Jahr 2002 mit einem Unterrichtsprojekt. Gelleri war damals noch Wirtschaftslehrer an der Waldorfschule in Prien am Chiemsee. Gemeinsam mit seinen Schülern entwickelte er die Idee des neuen Geldes. Eine Idee, die eigentlich sehr alt ist.

Als das Geld vor Tausenden von Jahren erfunden wurde, da war es ein Tauschmittel, nichts weiter. Die Leute benutzten es, weil es lästig war, Ziegen gegen Weizen zu tauschen oder Kühe gegen Hosen. Heute aber dient das Geld längst nicht mehr nur dazu, Waren auszutauschen. Es wird gehortet, gelangt an die Börsen, bläst Spekulationsblasen auf, verwandelt sich in Zinsen und Schulden und reißt die halbe Welt in die Krise. Damit das Geld keinen Schaden mehr anrichtet, muss es zum reinen Tauschmittel werden. Die Leute sollen nicht damit spekulieren, sie sollen es ausgeben. Das Geld soll in Umlauf bleiben, statt an die Finanzmärkte zu fließen. Das ist die Grundidee des Chiemgauers.

Ein Chiemgauer ist einen Euro wert. Aber nicht sehr lange. Jeder Schein der regionalen Währung behält seinen aufgedruckten Wert nur drei Monate. Wer ihn dann immer noch im Geldbeutel hat, muss eine Marke kaufen und auf den Schein kleben. So verliert das Geld mit der Zeit seinen Wert. Außer man gibt es aus.

Ein schlechtes Geschäft, möchte man meinen. Aber die Leute im Chiemgau sehen das anders. Die Ladenbesitzer mögen das neue Geld, weil der Chiemgauer die Kunden an sie bindet. Die Kunden mögen ihn, weil sie damit die regionale Wirtschaft fördern. Und wenn ein Unternehmer die Chiemgauer in Euro zurücktauscht, fließen drei Prozent des Umsatzes an gemeinnützige Vereine. Der Chiemgauer ist rot, gelb, blau. Die Scheine sehen aus wie Spielgeld und fühlen sich an wie bedrucktes Papier. Wertlos. Auch das ist Absicht. Die Leute sollen gar nicht erst eine emotionale Bindung zu dem neuen Geld aufbauen.

Vor sechs Jahren gab Christian Gelleri seinen sicheren Job als Lehrer auf. Heute ist er Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft, die den Chiemgauer herstellt und in Umlauf bringt. Etwas abgehetzt stürmt er ins Büro im Industriegebiet von Rosenheim, die Gesellschafterversammlung am Vorabend war turbulent. Es ging um die Frage, wie schnell die Währung wachsen soll. 550.000 Chiemgauer sind im Umlauf. Demnächst wird ein dritter Mitarbeiter eingestellt, neue Investitionen wären möglich. Gelleri gehört zur Gruppe derer, die ein langsames Wachstum wollen, ein »organisches«, sagt er.

Reich wird er nicht mit seiner neuen Arbeit. Er bekommt nur ein symbolisches Gehalt, verdient sich etwas mit Tagungen und Vorträgen dazu. Er nennt es das »Prinzip Selbstausbeutung«.

Gelleri glaubt, eine Regionalwährung könnte auch in Krisenländern wie Griechenland funktionieren. Die Griechen könnten damit ihre Binnenwirtschaft stärken, könnten verhindern, dass das Geld ins Ausland abfließt. »Was hat man denn zu verlieren? Wenn alles so weitergeht wie bisher, fliegt Griechenland aus dem Euro«, sagt Gelleri.

Längst ist er nicht mehr der Einzige, der glaubt, das Geldsystem müsse von Grund auf überdacht werden. Im Gegenteil, Christian Gelleri ist gerade viel gefragt. Kürzlich war er in der Talkshow Beckmann in der ARD eingeladen, wenig später diskutierte er auf einer Tagung über ein nationales Parallelgeld für Griechenland. Selbst die britische Zeitung The Guardian hat schon über ihn berichtet.

Es dürfte schwierig sein, mit dem Chiemgauer Kapitalrenditen von 25 Prozent zu erzielen. Eine Währung, die ständig an Wert verliert, bringt keine Zinsen. Aber auch keine Krisen. Letztlich, sagt Gelleri, geht es darum, ob man ein System, das auf Risiko setzt, eintauschen will gegen eines, das auf Stabilität baut. Das ist auch eine Mentalitätsfrage. Gelleri findet, es ist Zeit, zufrieden zu sein mit dem, was man hat, auch wenn es nicht so viel ist. Vielleicht stehen in den Tagen der Finanzkrise die Aktien gar nicht schlecht für diese Sichtweise.

Internetzensur

Das Internet

Als ich heute mal wieder einen Bericht über Politiker gelesen hatte, die schon wieder die Zensur des Internets fordern, ist mir das erste mal aufgefallen, wie absolut schwachsinnig eine solche Forderung überhaupt ist. Die Frage, ob das Internet ein rechtsfreier Raum sei, oder ob man das Internet kontrollieren müsse, macht genau so viel Sinn wie die die Beantwortung der Frage, ob es gefährlich ist, wenn jemand Luft so an den Straßenrand einer engen Straße stellt, dass die Autos nicht mehr vorbei kommen. Ich persönlich bin sowieso der Meinung, dass Luft immer aufrecht neben den Hauseingang im Innenhof von Gebäuden abgestellt werden sollte und nichts auf den öffentlichen Straßen zu suchen hat. Wie auch immer … Zunächst einmal möchte ich beschreiben, was das Internet überhaupt ist.

Grundsätzlich funktioniert das Internet so, dass man zwischen zwei Computern ein Stromkabel verlegt und dann Dateien von einem Computer auf den anderen überträgt. In meinem Büro zum Beispiel stecke ich ein Netzwerkkabel zwischen meinen Arbeitsrechner und meinen Messrechner und kann so irgendwelche Messwerte vom Messrechner auf meinen Arbeitsrechner übertragen. Das gleiche kann ich auch über die Telefonleitung machen, wenn mein Messrechner in einer anderen Stadt steht. Ich muss nur die „Telefonnummer“ des anderen Rechners kennen und los geht’s. Diesen technische Vorgang nennt man Internet. Damit wir uns keine Telefonnummern merken müssen gibt es Rechner, auf denen die Telefonnummern vieler Rechner in einem Telefonbuch gespeichert sind. Wenn ich zum Beispiel „www.nuevalandia.net“ in meinen Browser eingebe, so ruft mein Rechner beim Telefonbuchrechner an und holt sich dort die Telefonnummer von „www.nuevalandia.net“. Dann ruft mein Rechner bei „www.nuevalandia.net“ an und dann werden Daten zwischen „www.nuevalandia.net“ und meinem Rechner übertragen. Wenn ich die Telefonnummer „www.nuevalandia.net“ kenne, dann kann ich diese auch direkt in meinen Browser eingeben und brauche den Telefonbuchrechner nicht. Dann gebe ich nicht  „www.nuevalandia.net“ in meinen Browser ein sondern eine Zahl, die auch IP-Adresse genannt wird. Es ist sogar möglich echte Telefonverbindungen zwischen zwei Rechnern herzustellen und darüber Daten übertragen, so wie es in den Anfangstagen des Internets üblich war.

Kontrolle des Internets – Die Ablenkung vom Wesentlichen

Das Internet zu kontrollieren heißt zu kontrollieren, ob jemand Daten über ein Kabel oder Funksignale von einem Rechner auf einen anderen überträgt. Wie soll den das funktionieren, ohne dass man das gesamte Telefonnetz außer Betrieb nimmt und alle noch so kurzen Stromkabel sowie auch alle Funkgeräte vernichtet?

Das Internet zu kontrollieren heißt zu kontrollieren, welche Dateien jeder Mensch auf seinem Computer hat, denn alle unsere Rechner, die an ein Datenkabel angeschlossen sind, sind das Internet. Das Internet zu kontrollieren heißt jeden einzelnen Computer Datei für Datei zu durchsuchen und jede Änderung jeder Datei auf jedem Computer zu kontrollieren. Es gibt sogar Kaffemaschinen, die in der Lage sind, mit dem hausinternen Server zu kommunizieren, um sich mit dem Wecker abzustimmen, damit der Kaffee im entfernt gelegenen Büro rechtzeitig fertig ist, wenn der Unternehmer morgens zur Arbeit kommt. Auch hier werden Daten von einem Rechner auf einen anderen übertragen. Diese Dinger sind obendrein mit einem Notebook noch frei programmierbar, so dass sie auch Rechenaufgaben lösen könnten oder die Einkaufsliste im Server ergänzen. Will man auch das kontrollieren? Was bitte schön soll den das werden? Unter welchem Ängsten und Psychosen müssen Leute leiden, die immer und immer wieder Kontrolle fordern? Oder liegt es eher daran, dass diese Leute keine Ahnung haben, was das Internet eigentlich ist und dass sich ihr technisches Verständnis noch im frühen 20 Jahrhundert befindet? Allen, die das Internet kontrollieren wollen sei gesagt: Vergesst es ! Beschäftigt Euch mit der Technik des 21. Jahrhunderts. Das wird Euch die Angst vor der Technik nehmen.

Übrigens: Als es noch keine Computer gab hat auch kein vernünftiger Mensch davor Angst gehabt, was im Tagebuch anderer Menschen steht. Das Tagebuch anderer Menschen zu lesen war früher sogar ein Grund, sich zu schämen.

Kampf um die Vorherrschaft im Internet

Um was geht es wirklich bei den immer wieder kehrenden Versuchen zur Zensur des Internets? Die ganze Debatte um das Anti-Produktpiraterie-Handelsabkommen (ACTA) zeigt beispielhaft, dass Wirtschaftskonzerne und Politik die Bedeutung des ungehinderten Informationsaustausches über das Internets jetzt erkannt haben. Es ist verständlich, dass Wirtschaft und Politik ihren Herrschaftsanspruch auf das Internet ausweiten wollen, denn genau darum geht es hier. Selbst wenn ACTA verhindert werden sollte, werden Wirtschaft und Politik es wieder und wieder und wieder einer Spam-Attacke gleich versuchen, das Internet zu zensieren. Die Zeiten, wo lediglich Technik-Enthusiasten das Internet nutzen und technikferne Politiker sich nicht mit dem Internet beschäftigen sind ein für alle mal vorbei. Hier ist es wichtig, den Mechanismus der Internetzensur genauer zu betrachten. Internetzensur, oder genauer gesagt, Verfolgung von Menschen, die anderen Menschen Informationen über Computernetzwerke zu freien Verfügung stellen ist technisch kein Problem. Die Zensur des Internets hingegen ist technisch  nicht möglich, ohne dabei jeglichen Umgang mit Informationsübertragungssystemen aller Art wie z.B. Stromkabel, Elektrizität, oder LEDs zu verbieten und die Wirtschaft so zurück in die Barockzeit zu katapultieren, wobei die weißen Perücken damals schon echt schick waren…  Es ist deshalb wichtig, in allen technischen Geräten, die in der Lage sind, Informationen zu verarbeiten und auf andere technische Geräte zu übertragen, einen Teil des Internets zu sehen und diese Geräte entsprechend zu nutzen. Gleichzeitig ist es wichtig, die eigenen Inhalte von Homepages unter die Creative Commons Lizenz zu stellen, um der Abmahnindustrie, die im Auftrag von Konzernen und Politikern handelt, nicht noch mehr Gründe zu liefern, Internetnutzer abzumahnen. Die Zeiten des völlig freien Internets sind über kurz oder lang vorbei, denn Politiker und Konzerne werden einen Bereich, in dem sie nicht die Herrschaft besitzen, niemals dulden.

 

Das Internet als Raum – so ein Unsinn

Viele Menschen betrachten das Internet als eine Art Raum, verglleichbar mit einem öffentlichen Park, wo Menschen sich treffen, aber auch ein Raum, wo kriminelle Handlungen stattfinden. Zu sagen, das Internet sei ein Raum, in dem sich  Leute treffen, ist für mich eine unsinnige Aussage. Das Internet ist überhaupt kein Raum. Das einzige was stattfindet ist, das real existierende Menschen Nachrichten und Dateien miteinander austauschen, die sich auf den Festplatten und Arbeitsspeichern ihrer Computer befinden. Das ist das was wirklich real ist. Was Menschen tun, das ist real.

Diejenigen, die das Internet als das sehen was es ist, werden von den Möglichkeiten des freien Datenaustausches und des Zugangs zu Wissen profitieren, denn freies Wissen hilft, sich frei weiter entwickeln zu können. Dazu werden folgende Dinge notwendig sein:

  • Konsequente Verschlüsselung der Datenübermittlung.
  • Einteilung von Webseiten in öffentliche- und private verschlüsselte Bereiche.
  • Nutzung aller physischer Möglichkeiten der Datenübertragung über Grundstücksgrenzen hinweg, die ohne Nutzung der Telefonleitungen funktionieren.
  • Kleinräumige Datenübertragung über Intranet-Netzwerke
  • Übertragung von Daten lediglich innerhalb des Web of Trust.
  • Säuberung aller Daten von Signaturen, durch die ein Eigentumsanspruch bezüglich der Dateien abgeleitet werden kann oder durch die Dateien bestimmten Personen zugeordnet werden können.

 

Es ist schon sehr traurig (oder auch lustig?!) wie seit Monaten versucht wird dem Schuldenproblem in Europa beizukommen. Wie seit Jahren geht es dabei nur um die Behandlung von Symptomen und kurzfristiger Schadensbegrenzung. Über die tiefer liegenden Ursachen dagegen wird kaum diskutiert. Solange wir hier wegschauen, werden wir nie Ruhe bekommen. Im Gegenteil, der Kessel wird immer heißer… ! :

Derzeit werden als Lösung des Schuldenproblems vor allem 3 Möglichkeiten gesehen:

  • A) Einführung von Euro-Bonds, wobei alle Länder für alle mithaften würden.
  • B) Aufkauf der Schulden (Staatsanleihen der betroffenen Länder) durch die Europäische Zentralbank (EZB)
  • C) Beschneidung der nationalen Fiskalpolitik und Bestimmung aus Brüssel

A) Euro-Bonds

  • Voraussichtlich würde sich die Lage erstmal etwas beruhigen und ein Flächenbrand vermieden: Denn jetzt haften die „besseren Schuldner“ für die „schludrigeren Schuldner“ mit. Griechenland, Portugal usw. wären auf einmal wieder viel Kreditwürdiger und könnten wieder Kredite zu günstigeren Zinssätzen aufnehmen.
  • Dies wäre allerdings nur kurzfristig, denn die überschuldeten Länder werden es trotzdem kaum schaffen ihre Finanzen „in Ordnung“ zu bringen: Dazu wären a) die Einschnitte im sozialen Bereich viel zu hart und auch unverständlich, da der „kleine Mann“ am wenigsten Schuld am Problem hat. b) an die „Reichen“ und „Gewinner“ (bzw. Verursacher der Krise) wird kaum ein „rankommen“ sein bzw. haben diese einen zu großen Einfluss. Außerdem würde immer versucht werden das Thema aufzuschieben, da die Politiker (systembedingt) meist nur max. 4 Jahre (1 Legislaturperiode) voraus denken (also kurzfristig).
  • Die Schulden würden also weiter wachsen und dann wären auch die Euro-Bonds immer weniger kreditwürdig. Die Krise würde genauso wieder vor der Tür stehen, aber nur ein paar Nummern größer und mit „Geiselhaft“ aller EU-Staaten…

B) Ankauf Staatsanleihen durch EZB

  •  Die hochverschuldeten Länder könnten sich erstmal etwas Luft verschaffen, da die Kredite von der EZB weniger Zinsen kosten würden als auf dem „normalen“ Markt.
  • Das Problem würde aber aller Voraussicht nach wie bei A) nur etwas nach hinten verschoben.
  • Falls dann doch der Bankrott käme, würde die EZB (und damit alle Euro-Länder) haften.

C) Verlust der nationalen Unabhängigkeit und Bestimmung aus Brüssel (als Gegenleistung zu Krediten)

  • Damit könnte aus Brüssel ein Sparplan in dem jeweiligen Land durchgesetzt werden.
  • In der Praxis richtet sich der Sparplan aber meist gegen den „kleinen Mann“, Sozialleistungen und Rente. Da gibt es keine so große Lobby-Gegner bzw. sitzen nicht mit in der Regierung.
  • Solche einseitigen und ungerechten Sparpläne ließen sich aus Brüssel viel leichter durchsetzen, da die betroffenen Einwohner kaum nach Brüssel demonstrieren kommen würden.

Was wäre, wenn die Staatsschulden tatsächlich nicht weiter wachsen würden?

  • O.K., sehen wir mal nicht so schwarz. Nehmen wir tatsächlich einmal an, die Länder schaffen es irgendwie ihr Schuldenproblem doch noch in den Griff zu bekommen und mittelfristig tatsächlich einen ausgeglichenen Haushalt. (In der Theorie wäre dies gar nicht so schwer und man bräuchte nicht einmal „den kleinen Mann“ schröpfen ! (aber dies ist ein anderes Thema)).
  • Was passiert am Finanzmarkt, wenn die Staaten sich nicht mehr wie seit Jahrzehnten jedes Jahr weiter Verschulden würden? Was passiert, wenn dieser „treue Schuldner“ weg fällt oder sogar Kredite zurückzahlt?
  • Dann würden die Gläubiger (in erster Linie die Banken) ein großes Problem bekommen: Wer nimmt stattdessen das viele Geld?
  • Das meiste würde vermutlich in Spekulationen fließen und die sowieso schon wieder wachsenden Blasen weiter aufblähen. Oder es würde in der Politik Druck machen um weitere Anlagemöglichkeiten „zu schaffen“. Z.B. mit der weiteren privaten Aneignung von Lebensgrundlagen.
  • Wozu das führt ist ja inzwischen auch bekannt…

Was bleibt dem Staat also übrig? Er muss weiterhin die „übrigen“ Gelder vom Kapitalmarkt aufnehmen und mit Zinsen vernünftig bedienen, damit das Finanzsystem nicht zusammenbricht ?!

Dies geht allerdings nur, wenn die Schulden nicht ewig prozentual steigen (sonst wäre das Land ja irgendwann bankrott). Die prozentuale Verschuldung bliebe aber gleich, wenn im Verhältnis der neuen Schulden auch die Wirtschaft (und damit die Staatseinnahmen) mit wachsen würden.

Aha! Da haben wir doch die Lösung: Wir setzen alles auf Wirtschaftswachstum und brauchen uns dann um die Schulden nicht mehr zu sorgen !!! Am besten jedes Jahr um 3-4% (also exponentiell). Dann würden vielleicht sogar wieder Arbeitsplätze geschaffen (2% reichen dafür noch nicht!)?!

Aber Mist! Da gibt es auch wieder ein Problem: Exponentielles Wirtschaftswachstum geht langfristig überhaupt nicht (s. Wirtschaftswachstum und Bruttoinlandsprodukt). Schon jetzt erreichen wir unser hoch gelobtes Wirtschaftswachstum hauptsächlich aus Schäden an Natur und Gesellschaft.

Aha, nun kommen wir dem Wurm in unserem Wirtschaftssystem langsam auf die Schliche:

  • Wir haben eigentlich nicht nur zu wenig Geld (zu viel Schulden), sondern wir haben (mindestens genauso schlimm) viel zu viel Geld, welches um die Welt vagabundiert (die summe aller Schulden und Geldvermögen ist immer 0, den riesigen Schuldenbergen stehen also genauso riesige Vermögensberge gegenüber, diese aber eher selten beim Ottonormalbürger):
  • Es gibt mehrere Billionen! Euro, welche um die Welt schwappen auf der Suche nach guten Anlagemöglichkeiten. Diese vielen Billionen stammen hauptsächlich aus den zurückgelegten Geldern von Versicherungen (z.B.Lebensversicherungen), Rentenansprüchen, Bankspar-Produkten (z.B. Investmentfonds) und sonstige Finanzinvestoren (z.B.HedgeFonds).
  • Nun ist allerdings eine gute Rendite mit geringem Risiko in der Realwirtschaft nicht mehr zu machen. Die Renditen sind zum allergrößten Teil nur noch auf Kosten der Gesellschaft (bzw. kommenden Generationen) oder der Umwelt zu erzielen. Z.B:
  • – In der leistungslosen Wirtschaft, wobei einfach nur anderen etwas weggenommen wird.
  • – Durch Raubbau und Zerstörung der Natur über die Externalisierung von Umweltkosten
  • – Durch Aufnahme des Kapitals durch Staaten, die sich immer mehr Verschulden (eben das oben besprochene Thema) oder
  • – sonstige Spekulationsgewinne mit der Entstehung von Blasen (z.B. die Immobilienblase der USA, welche sich zur Weltfinanzkrise entwickelte).

Man sieht hier, dass alle diese attraktiven Anlagemöglichkeiten für die immer schneller wachsenden und suchenden Billionen €, allesamt schädlich sind.

Aber das ist noch nicht alles: Zudem vermehrt und konzentriert sich das Geld bei der Hochfinanz immer weiter  (diese Leute haben soviel Geld, dass man es beim besten Willen nicht mehr ausgeben kann, man legt es also wieder an usw. usw… über die Zinskosten in den Produkten dürfen es dann alle zahlen)  -> Dadurch geht die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander. Dann muss oft der Staat wieder einspringen (um das gröbste zu verhindern)

Was also tun?

Was wäre, wenn wir diese attraktiven aber schädlichen Anlageformen „auschalten“ ? Das könnten wir ziemlich gut machen mit:

-> Aber was passiert mit dem angelegten Geld? Es würde sich kaum mehr lohnen!

-> Ein Großteil des Geldes würde:

  • in Sachgüter fließen: dann bekämen wir eine ordentliche Inflation, die könnte sich selbstverstärken und es kommt zum Währungscrash mit Geldentwertung. oder
  • würde einfach abgezogen und „unter der Matraze“ (bzw. auf dem Girokonto) gehortet (da die Anlage ja kaum etwas bringt). Damit steht das Geld der Wirtschaft nicht mehr zur Verfügung. Diese müssen aber ihre Kredite nach Ablauf durch neue Ablösen, was dann nicht mehr richtig klappt (bzw. nur zu einem viel höherem Zinssatz).  Es käme zur Deflation. Auch diese könnte sich schnell selbstverstärkend entwickeln und am Ende stünde genauso ein Crash des Währungssystems.

O.K., so geht das also auch nicht. Wie war nochmal das Problem? Ach ja:

  • wir haben eigentlich zu viel Geld (bzw. eigentlich ist dies ja Geldvermögen, für Volkswirte die Geldmenge M3). Diese (aufgrund der Zinsen/Renditen) immer weiter wachsenden Geldvermögen brauchen immer weitere Anlagemöglichkeiten, damit es nicht zum Crash kommt.
  • Diese Anlagemöglichkeiten richten aber inzwischen immer größere Schäden an.

Was nun? Pest oder Cholera?

Es gibt vermutlich nur einen Ausweg um langfristig Ruhe zu bekommen und die o.g. Maßnahmen gegen die derzeitigen Schädigungen durchzuführen:

  • Die extremen Geldvermögen ohne Nachfrage in der Realwirtschaft müssen Schritt für Schritt zurückgefahren werden. Dies z.B. durch hohe Steuern auf Geldvermögen.  Wenn nicht, wird dies durch einen zukünftigen Crash erledigt, dann aber chaotisch & unkontrolliert.
  • Es sollten parallele, selbstregulierte Geldsysteme (die nicht selbstverstärkend immer weiter wachsen, sondern sich selbständig an den optimalen Bedarf anpassen) geschaffen  bzw. vorhandene unterstützt werden. Dann würde ein Crash auch weniger chaotisch werden. Wir hätten dann auch eine bedeutend krisenfreiere Wirtschaft, denn das Geld wäre dann für die Wirtschaft in dem Moment da, wo es wirklich gebraucht würde. Im Moment ist es dagegen so, dass die Wirtschaft sich dem Gelddruck anpassen muss (s.auch: Die Euro-Krise beschleunigt sich).

 

Na dann schauen wir mal, die Spiele sind eröffnet….!

 

 

Es gibt einen neuen, aktuellen Versuch der US-Regierung weiteres Wissen zu monopolisieren.  Ein aktueller Aufruf des Netzwerkes Avaaz zur Verteidigung des freien Wissens:

Gerade berät der US-Kongress über ein Gesetz, das ihm eine weltweite Internet-Zensur erlauben würde — mit einer schwarzen Liste, die auf YouTube, WikiLeaks und sogar Gruppen wie Avaaz abzielen könnte!

Das Gesetz würde es den USA erlauben, Internetanbieter zur Sperrung von Webseiten zu zwingen — wenn auch nur der Verdacht einer Verletzung eines Urheberrechts oder Markenzeichens besteht, oder wenn ein Anbieter die Aktivität der Nutzer nicht ausreichend überwacht. Da sich der Großteil der Datenbank- und Hardwarebetreiber in den USA befinden, würde diese schwarze Liste für uns alle eine Bedrohung des freien Internets darstellen.

Die Abstimmung steht kurz bevor, aber wir können mithelfen, das Gesetz aufzuhalten — Verfechter der Meinungsfreiheit im Kongress teilten uns mit, dass ihnen ein weltweiter Sturm der Empörung den Rücken stärken würde. Lassen Sie uns dringend überall auf der Welt Alarm schlagen. Mit einem gewaltigen internationalen Aufruf drängen wir die Entscheidungsträger in den USA dazu, das Gesetz abzulehnen und Internet-Zensur zu stoppen. Klicken Sie auf den Link zum Unterzeichnen und leiten Sie die Email an alle weiter — unsere Botschaft wird vor der entscheidenden Abstimmung direkt an wichtige Abgeordnete überreicht:

http://www.avaaz.org/de/save_the_internet/?vl

Jahrelang hat die US-Regierung Länder wie China und Iran für ihre Internet-Kontrolle verurteilt. Doch nun könnten die Auswirkungen von Amerikas neuen Zensurgesetzen viel schwerwiegender sein — indem Webseiten für jeden Internetnutzer auf der Welt blockiert werden.

Letztes Jahr wurde ein ähnliches Internet-Zensurgesetz verhindert, bevor es den Senat erreichte, aber jetzt ist es in einer neuen Form zurückgekehrt. Urheberrechte existieren bereits und werden gerichtlich vollstreckt. Doch dieses Gesetz geht viel weiter — es gibt der Regierung und Großkonzernen die Macht, Anbieter und Suchmaschinen zum Blockieren von Webseiten zu zwingen, wenn nur ein Verdacht besteht, ohne Prozess oder Beweis, dass eine Straftat vorliegt!

Befürworter der Meinungsfreiheit in den USA haben bereits Alarm geschlagen, und einige Senatoren versuchen, genug Unterstützung zu sammeln, um dieses gefährliche Gesetz aufzuhalten. Wir dürfen keine Zeit verlieren. Stärken wir ihnen den Rücken um sicherzustellen, dass Amerikas Gesetzgeber das Recht auf ein freies und offenes Internet schützen — unerlässlich für den weltweiten Gedankenaustausch, Kommunikation, und gemeinsame Arbeit an der Welt, die wir alle wollen. Unterzeichnen Sie unten um US-Zensur zu stoppen und unser Internet zu retten:

http://www.avaaz.org/de/save_the_internet/?vl

Ob beim arabischen Frühling oder der weltweiten Occupy-Bewegung — die vergangenen Monate zeigen uns, wie das Internet die Welt wachrütteln, vereinen und verändern kann. Wenn wir uns jetzt alle dafür einsetzen, können wir diesen neuen Angriff auf Internet-Freiheit aufhalten. Wir haben’s schon einmal geschafft — in Brasilien und Italien haben Avaaz-Mitglieder wichtige Erfolge für ein freies Internet errungen. Lassen Sie uns auch global aktiv werden und gemeinsam die größte Gefahr, die das Internet bisher gesehen hat, bekämpfen.

Voller Hoffnung,

Luis, Dalia, Diego, Emma, Ricken, Aaron, Antonia, Benjamin und das ganze Avaaz-Team

Weitere Informationen:

USA: bisher unerreichte Web-Zensur droht (Die Presse)
http://diepresse.com/home/techscience/internet/708838/USA_Bisher-unerreichte-WebZensur-droht?_vl_backlink=/home/techscience/internet/index.do

Infografik: SOPA – weltweite Internetzensur aus den USA (Vasistas blog)
http://vasistas-blog.net/2011/11/16/infografik-sopa-weltweite-internetzensur-aus-den-usa/

USA: Entwürfe für Anti-Piraterie-Gesetz eingebracht (Golem.de)
http://www.golem.de/1110/87333.html

SOPA: Die USA auf weltweitem Feldzug (Netzpolitik.org)
http://netzpolitik.org/2011/sopa-die-usa-auf-weltweitem-feldzug/

Op-Ed: Schwarze Liste erlaubt es Webseiten vom Internet zu sperren (Digital Journal auf Englisch)
http://digitaljournal.com/article/313463

Katastrophales IP-Gesetz ist zurück – Und es ist schlimmer denn je (EFF, auf Englisch)
https://www.eff.org/deeplinks/2011/10/disastrous-ip-legislation-back-%E2%80%93-and-it%E2%80%99s-worse-ever

Immer mehr Opposition gegen den „Stop Online Piracy Act“ (auf Englisch)
https://www.cdt.org/report/growing-chorus-opposition-stop-online-piracy-act

Eine Zusammenfassung des Buches von Gene Sharp

Quelle: Sharp, Gene: Von der Diktatur zur Demokratie – ein Leitfaden für die Befreiung. Beck Verlag. München, 2011

Der Grund, warum ich diese Zusammenfassung schreibe ist, dass das Buch von Gene Sharp zwar in Deutscher Sprache übersetzt wurde, aber die deutsche Übersetzung im Gegensatz zu anderen Sprachen im Internet nicht frei verfügbar ist. Diese Zusammenfassung aber, die einige aus meiner Sicht wesentlichen Informationen enthält, soll frei Verfügbar sein.

Das Buch „Von der Diktatur zur Demokratie“ ist meiner Ansicht nach ein wesentliches Werk von größter Wichtigkeit und es gehört in jedes Bücherregal sowie zur Ausbildung jedes frei denkenden Menschen. Dieses Buch beschreibt das Wesen von Diktaturen, ganz gleich ob sie als Staat, als Konzern, als Unternehmen oder im zwischenmenschlichen Bereich auftreten, ganz gleich, ob sie ihre eiserne Faust in ein Samthandschuh hüllen oder ob sie mit offener Brutalität durchgreifen.

Eine der wesentlichen Aussagen von Gene Sharp über Diktaturen ist, dass jede Diktatur die Zusammenarbeit der Bevölkerung benötigt. Erst durch die Produktivität und die Kooperation der vielen Menschen, die im Machtbereich der Diktatur leben, bekommt die Diktatur ihre Macht. Diktatoren wissen das genau und sie werden darauf achten, dass die Menschen mit ihnen kooperieren und die Ressourcen der Diktatur mehren. Um die Menschen zur Zusammenarbeit zu bringen, erschaffen Diktaturen Symbole und Ideologien, machen Versprechungen, bieten vermeintliche Sicherheit und Ordnung oder sie schüchtern die Menschen ein, die nicht kooperieren wollen. Sinkt die Motivation der Menschen zur Zusammenarbeit mit der Diktatur und schaffen es die Menschen, sich der effektiven Zusammenarbeit mit der Diktatur zu entziehen, so zersetzt sich Macht der Diktatur. [S. 32 ff]

Diktaturen haben Stellen, an denen sie verwundbar sind. Sie haben zwar große Macht, aber sie kommen nur schwer mit schnellen Veränderungen zurecht, weil viele Entscheidungen von wenigen Menschen getroffen werden. Die Erfüllungsgehilfen der Diktatur sind fest in eine Hierarchie eingebunden und versuchen, in dieser Hierarchie nach oben zu steigen und können schnell in der Hierarchie nach unten fallen. Untergebene haben oft Angst vor ihren Vorgesetzten und teilen ihnen Probleme oft nicht rechtzeitig mit. [S. 40 ff] Das macht Diktaturen instabil. Die Erfüllungsgehilfen können sich unter Umständen schnell gegen den Diktator wenden.

Diktaturen haben ihre größte Stärke im polizeilichen und militärischen Bereich. Gewaltsamer Widerstand trifft eine Diktatur dort, wo sie am stärksten ist und hat wenig Aussicht auf Erfolg. Sollte es dennoch gelingen, eine Diktatur gewaltsam zu bezwingen, ist es oft so, dass eine neue Diktatur der alten folgt. Bewaffnete Hilfe aus dem Ausland kann dazu führen, dass die alte Diktatur durch eine neue Diktatur unter ausländischer Vorherrschaft abgelöst wird. [S.18 ff]

Um eine Diktatur zu überwinden ist es deshalb zuerst wichtig, die demokratischen Kräfte im Land zu stärken, was durchaus Generationen dauern kann. Bevor eine Diktatur überwunden werden kann, müssen zuerst gesellschaftliche und wirtschaftliche Strukturen heranwachsen, die es ermöglichen, dass die Menschen ihr Leben auch ohne die Hilfe des Diktators selbst regeln können. [S. 36 ff] Davor ist an die Zerschlagung einer Diktatur gar nicht zu denken. Zentren demokratischer Macht sind z.B. Familien, Dörfer, Vereine, Nachbarschaftshilfegruppen, freie Schulen, Unternehmen, kurzum alles, was den Menschen hilft, ihre materiellen und nicht materiellen Bedürfnisse zu befriedigen. Dabei ist es enorm wichtig, dass diese Aktivitäten nicht heimlich geschehen sonder ganz offen gezeigt werden. Hohe Verhaltensstandards sind die Voraussetzung solcher Aktivitäten [S. 48] Das bewirkt den Eindruck, dass diese demokratischen Aktivitäten extrem mächtig sind und kann auch dazu führen, dass selbst Polizisten und Beamte Handlungsalternativen zu ihrem vorgeschriebenen Dienst erkennen. Es ist zudem wichtig, dass sich Arbeitskreise herausbilden, die sich mit politischen Fragen jenseits der Diktatur beschäftigen, damit Konzepte für den Übergang von der Diktatur in eine Demokratie entwickelt sind. [S. 91]

Konspiratives verhalten der demokratischen Aktivitäten verursacht dagegen nur Misstrauen der Menschen untereinander und erleichtert die Infiltration und Spaltung der Demokratischen Kräfte, sowie das Schüren von Angst bei der Bevölkerung vor den demokratischen Aktivitäten.

Die Verweigerung der Kooperation ist das wirksamste Mittel des Widerstandes gegen eine Diktatur. Die Verweigerung der Kooperation kann entweder offen oder verdeckt geschehen und sie sollte möglichst vielfältig auf allen Ebenen gleichzeitig durchgeführt werden. [S. 101] Hier zählt Gene Sharp 198 Möglichkeiten des gewaltlosen Widerstandes auf. Diese Möglichkeiten lassen sich grob in fünf Kathegorien einteilen: Gewaltloser Protest, soziale Nicht Zusammenarbeit, Wirtschaftliche Nicht Zusammenarbeit, politische Nicht Zusammenarbeit, Gewaltlose Aktionen.

Die Methoden der Nicht Zusammenarbeit bestehen in der offenen Verweigerung der Befehle, Dienst unter exakter Berücksichtigung aller Vorschriften, ineffektives Arbeiten, ineffizientes Arbeiten, absichtlich Fehler machen, langsam arbeiten, krank feiern. Hierdurch wird die Macht der Diktatur geschwächt.

Die Methoden der Protestes vor allem alle Aktivitäten die die Kommunikation mit der Öffentlichkeit beinhalten wie z.B. Publikationen, öffentliche Reden, Karikaturen, Symbole. Durch den Protest wird die Öffentlichkeit auf die demokratischen Aktivitäten aufmerksam.

Die Methoden der Interventionen sind vor allem die Schaffung paralleler, demokratischer Verwaltungsstrukturen, wodurch ein Übergang zur Demokratie für die gesamte Gesellschaft, aber auch für Polizisten und Soldaten möglich wird.

 

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