Eine Zusammenfassung des Buches von Gene Sharp

Quelle: Sharp, Gene: Von der Diktatur zur Demokratie – ein Leitfaden für die Befreiung. Beck Verlag. München, 2011

Der Grund, warum ich diese Zusammenfassung schreibe ist, dass das Buch von Gene Sharp zwar in Deutscher Sprache übersetzt wurde, aber die deutsche Übersetzung im Gegensatz zu anderen Sprachen im Internet nicht frei verfügbar ist. Diese Zusammenfassung aber, die einige aus meiner Sicht wesentlichen Informationen enthält, soll frei Verfügbar sein.

Das Buch „Von der Diktatur zur Demokratie“ ist meiner Ansicht nach ein wesentliches Werk von größter Wichtigkeit und es gehört in jedes Bücherregal sowie zur Ausbildung jedes frei denkenden Menschen. Dieses Buch beschreibt das Wesen von Diktaturen, ganz gleich ob sie als Staat, als Konzern, als Unternehmen oder im zwischenmenschlichen Bereich auftreten, ganz gleich, ob sie ihre eiserne Faust in ein Samthandschuh hüllen oder ob sie mit offener Brutalität durchgreifen.

Eine der wesentlichen Aussagen von Gene Sharp über Diktaturen ist, dass jede Diktatur die Zusammenarbeit der Bevölkerung benötigt. Erst durch die Produktivität und die Kooperation der vielen Menschen, die im Machtbereich der Diktatur leben, bekommt die Diktatur ihre Macht. Diktatoren wissen das genau und sie werden darauf achten, dass die Menschen mit ihnen kooperieren und die Ressourcen der Diktatur mehren. Um die Menschen zur Zusammenarbeit zu bringen, erschaffen Diktaturen Symbole und Ideologien, machen Versprechungen, bieten vermeintliche Sicherheit und Ordnung oder sie schüchtern die Menschen ein, die nicht kooperieren wollen. Sinkt die Motivation der Menschen zur Zusammenarbeit mit der Diktatur und schaffen es die Menschen, sich der effektiven Zusammenarbeit mit der Diktatur zu entziehen, so zersetzt sich Macht der Diktatur. [S. 32 ff]

Diktaturen haben Stellen, an denen sie verwundbar sind. Sie haben zwar große Macht, aber sie kommen nur schwer mit schnellen Veränderungen zurecht, weil viele Entscheidungen von wenigen Menschen getroffen werden. Die Erfüllungsgehilfen der Diktatur sind fest in eine Hierarchie eingebunden und versuchen, in dieser Hierarchie nach oben zu steigen und können schnell in der Hierarchie nach unten fallen. Untergebene haben oft Angst vor ihren Vorgesetzten und teilen ihnen Probleme oft nicht rechtzeitig mit. [S. 40 ff] Das macht Diktaturen instabil. Die Erfüllungsgehilfen können sich unter Umständen schnell gegen den Diktator wenden.

Diktaturen haben ihre größte Stärke im polizeilichen und militärischen Bereich. Gewaltsamer Widerstand trifft eine Diktatur dort, wo sie am stärksten ist und hat wenig Aussicht auf Erfolg. Sollte es dennoch gelingen, eine Diktatur gewaltsam zu bezwingen, ist es oft so, dass eine neue Diktatur der alten folgt. Bewaffnete Hilfe aus dem Ausland kann dazu führen, dass die alte Diktatur durch eine neue Diktatur unter ausländischer Vorherrschaft abgelöst wird. [S.18 ff]

Um eine Diktatur zu überwinden ist es deshalb zuerst wichtig, die demokratischen Kräfte im Land zu stärken, was durchaus Generationen dauern kann. Bevor eine Diktatur überwunden werden kann, müssen zuerst gesellschaftliche und wirtschaftliche Strukturen heranwachsen, die es ermöglichen, dass die Menschen ihr Leben auch ohne die Hilfe des Diktators selbst regeln können. [S. 36 ff] Davor ist an die Zerschlagung einer Diktatur gar nicht zu denken. Zentren demokratischer Macht sind z.B. Familien, Dörfer, Vereine, Nachbarschaftshilfegruppen, freie Schulen, Unternehmen, kurzum alles, was den Menschen hilft, ihre materiellen und nicht materiellen Bedürfnisse zu befriedigen. Dabei ist es enorm wichtig, dass diese Aktivitäten nicht heimlich geschehen sonder ganz offen gezeigt werden. Hohe Verhaltensstandards sind die Voraussetzung solcher Aktivitäten [S. 48] Das bewirkt den Eindruck, dass diese demokratischen Aktivitäten extrem mächtig sind und kann auch dazu führen, dass selbst Polizisten und Beamte Handlungsalternativen zu ihrem vorgeschriebenen Dienst erkennen. Es ist zudem wichtig, dass sich Arbeitskreise herausbilden, die sich mit politischen Fragen jenseits der Diktatur beschäftigen, damit Konzepte für den Übergang von der Diktatur in eine Demokratie entwickelt sind. [S. 91]

Konspiratives verhalten der demokratischen Aktivitäten verursacht dagegen nur Misstrauen der Menschen untereinander und erleichtert die Infiltration und Spaltung der Demokratischen Kräfte, sowie das Schüren von Angst bei der Bevölkerung vor den demokratischen Aktivitäten.

Die Verweigerung der Kooperation ist das wirksamste Mittel des Widerstandes gegen eine Diktatur. Die Verweigerung der Kooperation kann entweder offen oder verdeckt geschehen und sie sollte möglichst vielfältig auf allen Ebenen gleichzeitig durchgeführt werden. [S. 101] Hier zählt Gene Sharp 198 Möglichkeiten des gewaltlosen Widerstandes auf. Diese Möglichkeiten lassen sich grob in fünf Kathegorien einteilen: Gewaltloser Protest, soziale Nicht Zusammenarbeit, Wirtschaftliche Nicht Zusammenarbeit, politische Nicht Zusammenarbeit, Gewaltlose Aktionen.

Die Methoden der Nicht Zusammenarbeit bestehen in der offenen Verweigerung der Befehle, Dienst unter exakter Berücksichtigung aller Vorschriften, ineffektives Arbeiten, ineffizientes Arbeiten, absichtlich Fehler machen, langsam arbeiten, krank feiern. Hierdurch wird die Macht der Diktatur geschwächt.

Die Methoden der Protestes vor allem alle Aktivitäten die die Kommunikation mit der Öffentlichkeit beinhalten wie z.B. Publikationen, öffentliche Reden, Karikaturen, Symbole. Durch den Protest wird die Öffentlichkeit auf die demokratischen Aktivitäten aufmerksam.

Die Methoden der Interventionen sind vor allem die Schaffung paralleler, demokratischer Verwaltungsstrukturen, wodurch ein Übergang zur Demokratie für die gesamte Gesellschaft, aber auch für Polizisten und Soldaten möglich wird.

 

 

Hintergrund
Zur Zeit wird in den Medien viel über die Online-Währung Bitcoin diskutiert.  Dabei fällt mir auf, dass die Menschen, die in den Medien diskutieren, aber auch die Macher und Nutzer von Alternativwährungen geistig immer noch in den Reflexen gefangen sind, die ihnen durch Konditionierung antrainiert wurden. Die Diskutierenden glauben das Geld ein Wertaufbewahrungsmittel ist. Geld muss sicher sein. Eine zentrale Stelle muss über das Geld wachen, dass auch ja keiner den anderen betrügen kann. Es ist schon irgendwie drollig. Viele Menschen, die versuchen, Regionalwährungen und Online-Währungen als Alternativen zum Geldsystem der Zentralbanken zu erschaffen, folgen weiterhin den Denkmustern, die sie von Kindesbeinen an gelernt haben.

 

Was ist Geld?
Die meisten Menschen wurden daraufhin konditioniert zu glauben, dass Geld ein Mittel ist, um Werte aufzubewahren. Genau das stimmt nicht. Der Wert des Geldes ist lediglich dadurch gestützt, dass Schuldner alles dafür tun müssen, um an Geld zu kommen. Ansonsten wird der Gläubiger mit Hilfe von Polizei und Militär die materiellen Ressourcen des Schuldners beschlagnahmen, inklusive seines Körpers. Wer glaubt, dass diese Sichtweise etwas radikal ist, der sollte sich mal überlegen, was eine Bank verlangt, wenn man einen Kredit haben möchte … richtig … Sicherheiten. Was macht die Bank, wenn man seinen Kredit nicht bezahlen will? … richtig … Das Haus, das Auto oder Wertgegenstände werden gepfändet. Was passiert, wenn man die gepfändeten Gegenstände nicht hergeben will und droht, sich zu wehren? … richtig … Der Gerichtsvollzieher rückt mit der Polizei an. Genau darauf basiert der Wert des Geldes. Dieser Sachverhalt steht übrigens klipp und klar auf der 1 US-Dollar Note oben links drauf.
Die Definition von Geld ist also eher so zu formulieren:

„Geld ist ein Mittel zur Begleichung der Ansprüche auf den Zugriff auf die eigenen Materiellen Ressourcen durch andere“.

 

Was ist Geld noch?
Wirtschaft ist die Summe aller Tätigkeiten, die nötig sind, um unsere Bedürfnisse zu befriedigen. Wirtschaft ist also lebensnotwendig im wahrsten Sinne des Wortes, denn ein Mensch überlebt ca. drei Tage aus ohne Wasser und ca. zwei Wochen ohne Essen. Für die Organisation einer so komplexen Wirtschaft wie der unseren ist es wichtig zu wissen, ob für ein Gut gerade Über- oder Unterproduktion herrscht. Wir müssen bedenken: In einer arbeitsteiligen Wirtschaft arbeiten wir immer für andere und nur selten für uns selbst. Geld ist hierfür auf einem freien Markt ein Informationsübermittler. Über den Preis kann jeder Marktteilnehmer ablesen, ob bezüglich eines Gutes gerade Mangel oder Überfluss herrscht. Beim Tausch Informationen über den Aufwand zur Bereitstellung eines Gutes auszutauschen, ist also durchaus sinnvoll.

 

Die Rosinen aus dem Kuchen picken
Ich habe zu Hause gelernt, dass man sich nicht die Rosinen aus dem Kuchen picken sollte oder vom Ei nur das Eigelb isst. Wer die guten Seiten des Geldes haben will, muss eben die negativen Seiten in Kauf nehmen. Ich sehe das aber anders. Warum solle man sich nicht die Rosinen aus dem Kuchen picken? Warum sollte man nicht die Vorteile des Geldes genießen und die Nachteile abschaffen? Doch wie soll das gehen. Ganz einfach: Es werden beim Tausch die Informationen bezüglich des Bereitstellungsaufwandes für ein Gut übermittelt, aber keine Ansprüche auf den Zugriff auf die Ressourcen des anderen. Dabei wird wie folgt vorgegangen:

  • Der Leistungsnehmer soll sich vor Erbringung der Leistung erkundigen, welcher Aufwand hinter der erbrachten Leistung steht, damit er den Aufwand hinter dieser Leistung einschätzen kann.
  • Der Leistungsgeber soll sich vor der Zusage der Leistung darüber im Klaren sein, wie viel Aufwand hinter einer Leistung steht und ober er sie auch erbringen kann.
  • Eine Leistung soll nur dann gegeben werden, wenn diese zur Erschaffung und Nutzung von Lebensgrundlagen dient und nicht sinnlos verschwendet wird.
  • Eine Leistung soll nur dann angenommen werden, wenn diese zur Erschaffung und Nutzung von Lebensgrundlagen dient und nicht sinnlos verschwendet wird.
  • Jeder Teilnehmer rechnet das, was er gibt oder nimmt in Punkte um.
  • Beide Tauschpartner einigen sich vor Erbringung der Leistung über eine Punktezahl, die dem Wert der erbrachten Leistung entspricht.
  • Der Wert der erbrachten Leistung in Form von Punkten trägt jeder Tauschpartner für sich in seine eigene Liste ein.
  • Als Maß für den Aufwand kann die Arbeitsstunde gleich 10 Punkte gesetzt werden.
  • Der Aufwand des Gebens und Nehmens sollte für jeden Teilnehmer selbst stets miteinander im Gleichgewicht sein. Die Punkte sind aber kein soziales Gewissen.
  • Die Punkte haben auch keinen Wert. Es ist sehr wichtig, das immer im Kopf zu behalten! Die Punkte haben lediglich die Aufgabe, Informationen bezüglich Über- oder Unterproduktion zu ermitteln. Derjenige, seine Punkte nicht ordentlich zusammenrechnet, betrügt sich nur selbst, weil er seine eigenen Informationen bezüglich der Marktlage verfälscht.
  • Das staatliche Geld ist lediglich eine Ware.
  • Leistung muss bevorzugt durch Technik unterstützt oder erbracht werden, um Menschen zu entlasten.
  • Ressourcen müssen erschaffen und gepflegt werden, Stoffkreisläufe müssen geschlossen sein.
  • Das Konzept der Schuld wird abgelehnt, da es dazu führt, dass Menschen die Leistungen anderer nur widerwillig annehmen.
  • Die Möglichkeit, eigene Anteile an den geschaffenen Lebensgrundlagen zu erwerben, sollten genutzt werden. Es ist besser, die Kräfte der Natur in Form von Maschinen für sich arbeiten zu lassen, als allein durch die Arbeit der eigenen Hände sein Einkommen zu bestreiten.

Was ist dafür notwendig?
Diese Vorgehensweise kann jeder hier und jetzt Vorleben. Der erste Vorteil davon ist, dass man selbst anhand der eigenen Liste erkennt ob man seine eigenen Ressoucen verbraucht, indem man zu viel für andere tut und zu wenig erhält, oder ob man die Ressourcen anderer verbraucht, indem man zu viel von anderen nimmt und zu wenig für andere tut. Der zweite Vorteil davon ist, dass man anhand der Auskunft des Tauschpartners bezüglich des Aufwandes der erbrachten Leistung erkennt, ob bezüglich der erbrachten Leistung Mangel oder Überfluss herrscht. Man bekommt also Informationen über die vorhandenen Ressourcen in der Gesellschaft.

… und was ist, wenn jemand trotzdem versucht, andere auszunutzen, indem er seine Punkte nicht ordnungsgemäß zusammenzählt? Wäre dann nicht das ganze System des Gleichgewichts von Geben und Nehmen gefährdet? … Hier lauert wieder die Falle der Konditionierung. Ein gerissener Betrüger nutzt wehrlose, anständige Menschen aus? Sind die Menschen wirklich wehrlos? Ist es nicht vielmehr so, dass es sich schnell herum spricht, wenn ein Mensch andere arglistig ausnutzt? Die Gesellschaft als Ganzes sollte das Betrügen einiger Weniger ohne Probleme verkraften können. Wenn sie das nicht kann, ist das ohnehin ein Zeichen dafür, dass der Gesellschaft massive Umbrüche bevorstehen,die nicht aufzuhalten sind. So etwas kommt eher selten vor. Es ist vielmehr so, dass Menschen immer die Möglichkeit haben, jemandem , dem sie nicht vertrauen, die Zusammenarbeit zu verweigern … solange sie nicht vom Geld abhängig sind. Man überlege sich, ob die Menschen im unserem jetzigen Euro-Dollar-Geldsystem die Möglichkeit haben, die Zusammenarbeit zu verweigern. Ich denke, das Heer der Lohnsklaven sprich für sich.

 

 

Die Masse der Menschen handelt nicht rational (erst denken, dann handeln), sondern rationalisierend: Erst wenn man auf dem Scherbenhaufen sitzt, wird nachgedacht wie das denn passieren konnte…

Atomkatastrophe Japan

Ein trauriges Beispiel dazu liefert die aktuelle Atomreaktorkatastrophe in Japan:

  • Allen die sich objektiv mit der Atomkraft beschäftigt haben, dürfte klar sein, daß diese Art der Energieerzeugung zum derzeitigen Stand der Technik und der Menschen unverantwortlich (irrational) ist. Gute Gründe dafür gibt’s hier: 100 Gute Gründe. Fundierter:  Was bedeutet die Atomkatastrophe für uns?
  • Trotzdem wurden (und werden) vermehrt Reaktoren gebaut. Warum? Vielleicht weil vielen Menschen die Problematik gar nicht so bekannt ist und sie den Politikern + Atomkonzernen glauben? Und diejenigen, welche Bescheid wissen müssten größtenteils ihr Geld damit verdienen und sich also nicht gegen ihren Arbeitsplatz (oder Dividendenbezug) aussprechen würden?
  • Vielleicht sind aber die meisten einfach zu bequem und man kann ja auch nicht überall informiert sein und die Welt retten?!
  • Erst nach einer Tragödie wie derzeit in Japan, werden die Menschen mal wieder aus dem Tagesablauf gerissen und erschrecken, was da eigentlich gerade passiert und warum es denn soweit kommen konnte…

Fehlende Einsicht

Meistens reichen allerdings leider auch solche Beispiele wie Tschernobyl oder Fukushima nicht aus um wirklich eine Kehrtwende zu vollziehen. Was wird passieren? Aus bisherigen Erfahrungen, wird vorraussichtlich :

  • global weiter kräftig an Atomkraftwerken gebaut! Auch in Deutschland wird nach einer Beruhigung der Massen durch Sicherheitskontrollen & Stress-Tests wieder alles seinen gewohnten Gang nehmen (vielleicht bleiben 1-2 alte Reaktoren wirklich aus)
  • Irgendwann wird der nächste „Ausrutscher“ passieren. Vielleicht stürmt mal eine Guerilla-Rebellen-Gruppe in Rußland, China oder Indien einen Reaktor mit ausgebildeten Ingenieuren und halten das Land als Geisel im Atem? Oder… (Übrigens ist das schleichende Gift der bis heute nicht geklärten Endlagerung langfristig vielleicht viel gravierender?)

Kein Spielraum für neue Scherbenhaufen

…Und dann? Wie weit wollen wir es drauf ankommen lassen? Bisher sind die großen Zivilisationen (Römer, Maya, Inka, Alexander d. Große, Ägypter…) allesamt an ihrem rationalisierenden anstatt rationalem Verhalten von der Erde verschwunden.

…damals war das alles für die Weltgeschichte nicht so tragisch. Anstelle der einen Hochkultur trat eben eine andere (nicht immer „Hochkultur“)

…Aufgrund der heutigen Globalisierung würde ein Super-Gau in großem Stil allerdings nahezu alle betreffen.

Das wäre sehr Schade. Für unseren Planet und die Menschheit.

-> Wir sollten demnach langsam dazu übergehen etwas rationaler zu handeln und vorher anstatt nachher überlegen !

(das betrifft Wirtschaft, Politiker und Bürger alle gemeinsam!)

Neue Lösungen

  • Wozu diese absurden Risiken eingehen? Um ein paar Dollar bei der Energieerzeugung zu sparen, welche am Ende beim Scherben wegräumen den Steuerzahler und betroffene Bürger ein vielfaches kostet (s.BIP)?
  • Technisch und organisatorisch könnten wir uns ohne Probleme gut und friedlich zu 10-milliardend auf unserem Planeten zukunftsfähig weiterentwickeln und Spaß am Leben haben…
  • Ein Schritt in eine „gesichertere“ Zukunft wäre unsere übergroßen, riskanten Systeme und Strukturen in  kleinere, kontrollierbarere Systeme umzuwandeln. Wobei diese kleineren Systeme beim Kollaps nicht soviel Schaden anrichten können.
  • Den „Vogel abgeschossen“ zu dieser „Größenproblematik“ hat wohl der türkische Ministerpräsident Erdogan. Er bekannte sich öffentlich weiterhin zum Bau der Atommeiler im Erdbebenland. Er meinte sinngemäß: Man kann ja sowieso nicht alle Risiken ausschließen, wenn es danach ginge dürfte in keiner Küche mehr eine Gasflasche zum kochen stehen. Der kleine Unterschied zwischen explodierender Gasflasche und Kernschmelze  ist ihm wohl dabei entgangen? Vielleicht sollte Herr Erdogan ein paar Wochen bei der Rettungsmannschaft in Fukushima verbringen und nochmal über das gesagte nachdenken ?!
  • Es geht also nicht nur darum immer perfekter zu werden um möglichst alle Fehler auszuschliessen. Vor allem geht es darum einzusehen, daß es nie Gewissheit geben wird und man nie alles 100% kontrollieren kann. -> Die Schlußfolgerung daraus ist dann, daß wir Systeme entwickeln, welche im „Worst case“ immer noch tragbare Schäden anrichten können.

Den gleichen Ansatz sollte man nicht nur in der Technik, sondern auch in der Organisation unserer Wirtschaft und Politik verwenden:

Artikel, erschienen in der FAZ am 27.12.2010:

Rettung der Welt

Was Sie sofort tun können:  Zehn Empfehlungen

Beginnen Sie, einfache Fragen zu stellen; hören Sie auf, Europapolitikern zu
glauben; nutzen Sie Ihre Handlungsspielräume; haben Sie Spaß dabei: Die
Rettung der Welt zum Mitmachen in zehn Empfehlungen.

Von Harald Welzer

1. Selber denken.

2. Trauen Sie endlich Ihrem Gefühl, dass um Sie herum ein großes
Illusionstheater stattfindet. Die Kulissen simulieren Stabilität, aber das
Stück ist eine Farce: Immerfort treten dicke Männer auf und brüllen
„Wachstum!“, Spekulanten spielen Länderdomino, und dauernd tänzeln
Nummerngirls mit Katastrophenbildern über die Bühne. Das Publikum ist
genervt und wütend, bleibt gleichwohl bis zum Ende der Vorstellung sitzen.
Aber: Wann wird das wohl kommen?

3. Verlassen Sie besser die Vorstellung und beginnen Sie, ganz einfache
Fragen zu stellen. Zum Beispiel: Warum muss man immer mehr arbeiten, wenn
man immer mehr arbeitet? Warum werden die Schulden größer, wenn immer mehr
gespart wird? Warum schrumpft alles andere, wenn die Wirtschaft wächst?
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4. Suchen Sie zusammen mit Ihren Freundinnen und Freunden nach Antworten.
Zum Beispiel: Weil alle Idioten auch mehr arbeiten. Weil das Gesparte in
fremde Taschen wandert. Weil viele börsennotierte Unternehmen staatsferne
Parallelgesellschaften bilden.

5. Beschließen Sie, ab sofort nicht mehr mitzumachen, falls Ihre Antworten
Sie beunruhigen.

6. Fangen Sie damit an, aufzuhören. Hören Sie auf, Europapolitikern zu
glauben. Hören Sie erst recht auf, Wirtschaftsforschungsinstituten zu
glauben. Und hören Sie um Gottes willen damit auf, sich widerspruchslos
erzählen zu lassen, irgendeine Entscheidung sei alternativlos gewesen. So
etwas gibt es in Demokratien nicht.

7. Wenn Sie jetzt so weit sind, dass Sie nicht mehr jeden Blödsinn
tolerieren, nutzen Sie Ihre Handlungsspielräume. Sie leben in einem der
reichsten Länder der Erde, Sie sind hervorragend ausgebildet, Sie haben Spaß
am Leben und finden sich ganz gut. Warum zum Teufel machen Sie jeden Tag
dasselbe und nie etwas anderes?

8. Wie Sie Ihre Spielräume nutzen sollen? Schauen Sie sich einfach an, was
andere machen. Es gibt doch unglaublich tolle Ansätze und Projekte:
Energiegenossenschaften, Nachbarschaftsgärten, fairen Konsum, lokale
Währungen, großartige Stiftungen, Unternehmen, die sich dem Wachstumszwang
verweigern. Schreiben Sie politischer, falls Sie Journalist sind. Forschen
Sie für eine andere Zukunft, falls Sie in der Wissenschaft sind. Wechseln
Sie die Pausenthemen, falls Sie am Band arbeiten. Kaufen Sie anders ein,
falls Sie ein Restaurant haben. Fragen Sie, wo der Fisch herkommt, wenn Sie
essen gehen. Interessieren Sie sich für die Zukunft Ihrer Schüler, falls Sie
Lehrerin oder Lehrer sind. Fusionieren Sie mit einem Kindergarten, wenn Sie
ein Seniorenheim leiten. Denken Sie ans Höllenfeuer, wenn Sie einem der vier
großen Energiekonzerne vorstehen. Produzieren Sie cradle to cradle, wenn Sie
eine Fabrik besitzen. Riskieren Sie etwas, wenn Sie sich für intellektuell
halten.

9. Versuchen Sie irgendwo dazuzugehören, wo Sie stolz sagen können: „Wir
machen das anders!“ Zum Beispiel eine Kultur der Achtsamkeit entwickeln,
Ideen interessanter finden als Erfahrung, nicht auf Kosten anderer leben,
oder was Ihnen sonst noch einfällt. Zukunftsfähig zu sein bedeutet das
Gegenteil vom business as usual: lernend, fehlerfreundlich, reversibel zu
handeln.

10. Bilden Sie Labore der Zukunft und haben Sie Spaß dabei. Vergessen Sie
das „5-vor-12“-Blabla der Ökobewegung und das Gerede von der
„Weltgemeinschaft“ und der Notwendigkeit globaler Lösungen. Niemand hat an
Ihrer Wiege gestanden und mit hohler Stimme gesagt: „Lars, du bist zu uns
gekommen, um die Welt zu retten!“ Es genügt völlig, wenn Sie beginnen, mit
Ihrem Leben, Ihren Lieben und Ihrem Land verantwortungsvoll und
zukunftsfähig umzugehen. Das aber bitte gleich.

Stornieren Sie Ihre nächste blöde Flugreise (Sie wollen da sowieso nicht
hin), bestellen Sie Ihr nächstes Auto erst gar nicht (es wird Sie
unglücklicher machen, weil Sie glaubten, es mache Sie glücklicher), kaufen
Sie nichts mehr, was zu billig ist (denn dann hat irgendjemand zu wenig
bekommen). Säbeln Sie in Ihre Weihnachtsgans und teilen Sie Ihren Kindern
oder Enkeln mit, dass Sie ab jetzt Ihr Leben ändern werden. Das wird Ihnen
helfen, es tatsächlich zu tun (denn jetzt können Sie nicht mehr zurück).

Harald Welzer, 52, lehrt am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen und
veröffentlichte zuletzt mit Claus Leggewie „Das Ende der Welt, wie wir sie
kannten“ (S. Fischer).

http://www.kwi-nrw.de/home/profil-hwelzer.html
http://www.fischerverlage.de/buch/9783100433114

Es gibt immer mehr Menschen, welche Glauben die immense Verschuldung Griechenlands kommt daher, das die Griechen faul sind und ihre Finanzen nicht ordentlich verwalten. Und wir müssen jetzt dafür zahlen? Das erscheint natürlich als ungerecht.

  • Steuergelder werden aber in jedem Land verschwendet. Solche Griechenland-Stories könnten ähnlich von jedem Land geschrieben werden.
  • Der eigentlich Grund liegt viel tiefer und schaukelt sich schon seit 40 Jahren hoch. Griechenland ist hier der erste Schwachpunkt, wird aber nicht der letzte bleiben.
  • Einen Artikel mit anschaulicher Erklärung dazu und was uns noch erwartet: Krisenmythos Griechenland.
  • Ein finanzcrash im großen Stil gäbe wenigstens die Chance auf einen Neuanfang mit einem gesünderen Fundament (Neuland-Geldsystem)

Gerne zum weitergeben. Es wäre schön, wenn der eine oder andere Stammtisch zurückgewonnen werden könnte und nicht auf den “ausländischen Sündenbock” hereinfällt… Bei der Schweinegrippe hat’s ja auch schon nicht geklappt und die Menschen waren schlauer als die Medien+Politiker… ;-)

Die 2. Wende

Die 1. Wende

Ich bin in der DDR groß geworden. Meine Eltern waren in der Kirche (dem einzigen institutionellen Gegenspieler der DDR-Diktatur) und schon immer kritisch gegenüber dem System gewesen.

Es war für die meisten offensichtlich, daß sie vom DDR-Staat verarscht werden. Die Mauer um die bösen Imperialisten abzuwehren, hatte den Stacheldraht nach innen! Ein Konstruktionsfehler?

Trotzdem gab es tatsächlich Leute, welche den Schmus glaubten (das war bei Hitler ja auch schon so). Und viele die sich anpassten+mitmachten um studieren zu können oder Karriere zu machen.

Im Herbst ’89 war die Verarschung aber zu vielen bewußt und das Anpassen zu doof. Es ging los mit Gesprächskreisen und natürlich den Montagsdemos. Die Leute wachten plötzlich auf, hatten wieder viel mehr Freude und Tatendrang. Man konnte plötzlich öffentlich frei reden und es gab tausende Gleichgesinnte. Es war eine sehr schöne Zeit! Wie Frühling!

Es lag in der Luft, daß etwas Großes passieren würde. Tatsächlich und glücklicherweise war das Große nicht eine blutige Niederschlagung wie in Prag oder Peking, sondern ein friedlicher Umsturz. Es knisterte wirklich in der Luft, als wir bei den Montagsdemos den bewaffneten Polizisten Kerzen schenkten.

Man merkte auch, daß die Sicherheitsbeamten selbst nicht richtig wußten, wie sie reagieren sollten. Sicher hatten sie vorher eine Gehirnwäsche bekommen und erwarteten böse, gewaltbereite Umstürzler. Als es dann Familien mit Kindern, Rentner und Professoren waren, kamen ihnen vielleicht spätestens jetzt die ersten Zweifel an ihrem System-Glauben.

Der Mauerfall war dann natürlich ein Highlight und es gab eine richtige Jubelstimmung wie bei einem großen Sieg der eigenen Fußballmannschaft.

1 Jahr Machtvakuum

Aber auch danach blieb es bis zur Wiedervereinigung unheimlich aufregend. Der Himmel schien das erste Mal geöffnet, alles schien möglich zu sein und viel besser zu werden. Vor allem: wir selbst hatten es in der Hand. Die Politiker waren plötzlich normale Bürger von den Montagsdemos und nicht mehr unpersönliche Typen im Elfenbeinturm. Man konnte wirklich etwas bewegen!

Vor allem gab es dieses Jahr lang soviel Freiheit wie vorher und nachher nicht mehr. Die DDR-Diktatur hatte ausgedient und konnte einem nichts mehr anhaben und der Kapitalismus hatte die Ossies noch nicht einsortiert. Wir befanden uns sozusagen für 1 Jahr in einem Macht-Vakuum wo die Bürger mal nicht über den Tisch gezogen wurden. Da wurden auch ein paar richtig gute Gesetze gemacht (z.B. die Einrichtung der Nationalparks)

Im Sommer ’90 war ich im besten Ferienlager aller Zeiten. Ich war in der größten Gruppe. Die frühere Gängelei mit Apellen und so gab es natürlich nicht mehr. Dafür gab es unglaublich viele Rechte+Möglichkeiten. Vor allem für uns Älteste. Deutschland gewann auch noch die Weltmeisterschaft!

Später war ich selbst Ferienbetreuer. Diese Freiheiten für die Jugendlichen wurden nach der Vereinigung schnell wieder kassiert aufgrund von Sicherheitsdenken/Angst oder dem Klagerecht der Eltern usw. Dafür mußte man die richtigen Markenklamotten und Videospiele haben.

Das Machtvakuum spürte man auch bei Beamten+Polizei. Weder vorher noch nachher gab es so wenig Kontrolle und Willkür (und trotzdem wurde es von den Bürgern nicht ausgenutzt, sondern als Lebensqualität erfahren)

Natürlich waren nicht alle glücklich. Es gab z.B. diejenigen, welche bis zum Schluss an die sozialistischen Märchen geglaubt haben. Als es nun in Scherben lag, passierte das bei einigen auch mit der Psyche. Oder die früheren Nutznießer, welche nicht schnell genug die Kurve kriegten und ihrer Macht entledigt wurden, verfielen dem Alkohol.

Besetzung der Macht

Der Kapitalismus brauchte nur 1 Jahr um das entstandene Vakuum zu übernehmen. Dies lief genauso wie am Anfang des Sozialismus mit Versprechungen von der besseren Welt und den „blühenden Landschaften“. Die Menschen wurden mit genau dem angefüttert, was sie vorher nicht hatten (Reisefreiheit + alles ist käuflich). Auf was es dann langfristig zu verzichten galt, stand im Kleingedruckten. Das hat aber sowieso niemand lesen wollen.

Ob nun Abschaffung der Sklaverei, Feudalismus, französische Revolution…  in der Geschichte war es bisher immer so. Nach einer Revolution (egal ob friedlich oder blutig), gab es nach nicht allzu langer Zeit wieder Strukturen, welche die einen zu Lemminge und die anderen zu einer Art von Herrschern machte. Dies sicher meist sogar unbewußt ohne wirkliche „Strippenzieher“ im Hintergrund (siehe „unbewußte Ausbeutung„). Nur dadurch, daß die Möglichkeit der Ausbeutung bestand, findet sich jemand der sie nutzt. Dieses oft sogar unwissentlich (wie z.B. bei der Zinsproblematik).

Das schleichende Gift

Das jetzige System zieht genauso die Masse sowie die Natur über den Tisch. Nutznießer ist eine Minderheit. Es ist nur nicht so offensichtlich.

Finanzkrise, marode Sozialsysteme, Arbeitslosigkeit, Wirtschaftsrezessionen, sinkende Realeinkommen, globale Umweltzerstörung, vermehrter Stress auf Arbeit + „Burnouts“, unsichere Renten, sinkende Lebensqualität, Schließungen von Schulen, Bädern+Bibliotheken…

Es fehlt immer mehr am Geld für die „richtigen Sachen“. Die Milliarden, welche über den Solidarpakt nach Ostdeutschland gekippt werden, gehen zügig mit anderen Milliarden über die Filialen von Aldi+Co. in die Konzernzentralen nach Westdeutschland oder in den Rest der Welt. Inzwischen bleibt das Geld aber auch nicht mehr in Westdeutschland oder dem Rest der Welt: Täglich sind in Deutschland inzwischen mehrere Milliarden € an Zinsen fällig, welche die Unternehmer für ihre Kredite zahlen müssen. Vor wenigen Jahrzehnten waren es lediglich Millionen. Diese Milliarden stecken in den Preisen der Güter. Somit zahlt jeder inzwischen durchschnittlich 40% vom Produktpreis diese Zinsen. Wenn jeder auch wieder von den Zinsen etwas abbeckommt, wäre ja alles in Ordnung. Allerdings gewinnen nur 10% der Haushalte in Deutschland dabei (diese aber richtig!). Damit existiert eine riesige Umverteilungsmaschine, welche täglich Milliarden von 90% der Deutschen zu den 10% reichsten Deutschen verteilt. Diese können soviel gar nicht ausgeben, sondern nur wieder anlegen -> Die Schere öffnet sich weiter… Bis wann???

Nicht nur die Wirtschaft drückt auf die Arbeitnehmer, sondern auch der Staat. Obwohl er ja jedes Jahr immer soviel Geld einnimmt und zusätzlich an Krediten aufnimmt (Staatsverschuldung). Dem gegenüber beschweren sich die Volkswirte+Zentralbanker, daß zu viel Geld an den Börsenmärkten ist und die Spekulationen anheizen bis sie platzen.

Das Geld ist also da, nur an der falschen Stelle. Die einen haben soviel, dass sie nicht wissen wohin damit und andere verhungern. Damit verwehrt es nicht nur den Nutzen, den das Geld an der richtigen Stelle (z.B. Bildung) hätte, sondern es schafft sogar zusätzliche Risiken und Zusammenbrüche zuerst im Finanzmarkt und dann in der Realwirtschaft mit Arbeitslosigkeit & Co.

Die 2. Wende

Inzwischen merken immer mehr Menschen, wie damals in der DDR, dass etwas faul ist und stinkt. Immer mehr Menschen glauben nicht mehr an die Versprechungen und Hinhaltetaktik der Politiker und wissen, dass es nicht so weitergehen kann.

Irgendwann (in 2, 5 oder 10 Jahren?) wird der Kaiser so nackt wie Honecker & Co. anno ’89 dastehen. Es wird dann den meisten klar sein, wie weit der Karren im Dreck steckt und das ohne einen Systemwechsel von Altland nach Neuland nichts mehr geht.

Dann wird es eine 2. Wende geben. Da bin ich schon gespannt drauf! Es wird wieder eine ungeahnte Aufbruchstimmung geben, die Luft wird knistern und alles wird möglich sein. Die Leute sehen nicht mehr so müde aus und man sieht wieder mehr echte Freude am Leben und Sinn in der eigenen Arbeit…

Genau wie ’89 wird es wieder Menschen geben, welche bis zum Schluss den Versprechungen des Kapitalismus auf den Leim gehen und z.B. denken, dass unser Problem die ganzen Sozialhilfeempfänger und faulen Leute („Harzer“), welche sich nur ausruhen, sind. Vielleicht sind dies die gleichen, welche damals die blühenden Landschaften versprochen und den Aberglaube an den Sozialismus der Ossis belächelt haben. Hochmut kommt vor dem Fall! Es ist natürlich nicht einfach sein eigenes Weltbild offen ändern zu müssen. Deswegen wird bis zum Schluss an dem nicht-funktionierenden Altland festgehalten. Aber am Ende begreifen es auch die Letzten oder landen im Alkohol !

Nach der 2. Wende

…Die Märchen hören dann immer auf mit „und wenn sie nicht gestorben sind…“. Im wirklichen Leben geht es aber weiter.

Kommt dann z.B.? :

  • Wir erkennen das unsere Energie komplett aus erneuerbar/Öko kommen muß. Allerdings machen das wieder die großen Energiekonzerne. Sie akkumulieren z.B. die Biomasse und nutzen sie dann in Großkraftwerken. Die Bauern bekommen weiterhin wie bei Milch, Getreide und Fleisch vorgegebene Preise. Der Gewinn fließt wieder aus der Region ab.
  • Wir erkennen, daß unser Zinssystem eine Ursache des irrsinnigen Wachstumsdrucks ist und die Schere Arm/Reich immer mehr auseinandertreibt. Wir schaffen deswegen ein gesünderes Geldsystem mit Umlaufsicherung. Dies übernimmt dann aber wieder eine Zentralbank und damit wird wieder eine Machtstruktur etabliert.
  • Wir erkennen, daß die Politiker nicht immer im Sinne des Volkes entscheiden und schaffen den Lobbyismus ab und nehmen die Politiker auch mehr in die Verantwortung bei Fehlentscheidungen (Pensionskürzung, Gehaltskürzung). Aber wer macht das? Reicht das?
  • usw.

…und wir werden wieder zu treuen Lemmingen degradiert…

…oder schaffen wir es dann uns nicht wieder die „Butter vom Brot zu nehmen“? Geben wir die Macht nicht wieder an eine Gruppe „Schlauere“ ab, sondern schaffen Systeme in Wirtschaft+Gesellschaft  indenen gar keine Ausbeutung mehr erfolgen kann (s. strukturelle Nichtausbeutungsfähigkeit)? …Eine wirkliche Demokratie und freie Gesellschaft mit einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Wirtschaft + Geldsystem? z.B.

  • Wir schaffen eine dezentrale, nachaltige Energieversorgung aus frei verfügbaren oder nachwachsenden Rohstoffen. Jede Stadt hat ihren Energie-Mix angepasst an die eigene Region und stellt das meiste auch mit kleinen+mittleren Blockkraftwerken, Wind-, Sonne- und Biomasse selbst her. Somit bleibt die Wertschöpfung auch in der Region
  • Wir stellen ein komplementäres Geldsystem neben das bestehende. Dieses besteht wie die Energie aus einem gesunden Mix von Währungen, welche genau für ihren Zweck konzipiert sind.
  • Wir führen eine flüssige Demokratie ein, in der jeder ohne großen Aufwand mitbestimmen kann oder aber seine Stimme jederzeit an andere verleihen kann, denen man vertraut und die mehr Ahnung haben.

Man darf gespannt sein…

Jeder bekommt die Regierung und das System, was er verdient…

Falls es nicht klappt, dann sind die Menschen vielleicht bei der 3. Wende schlauer…?!

Monopolisierung

Die Mücke wird zum Elefanten

Neulich erhielt ich die Nachricht, dass die Ingenieurkammern Deutschlands einen Berufsausweis für Ingenieure einführen werden. In dem Artikel, der über die Ingenieursausweise berichtet, wird von „weniger Bürokratie“, „größere Mobilität“  und „Transparenz für den Verbraucher gesprochen“. Als ich das gelesen hatte, hat sich mir fast der Magen umgedreht. Vielleicht werdet Ihr Euch denken, dass ich alles  nun wirklich zu schwarz sehe, dass ich mal wieder aus einer Mücke einen Elefanten mache. Zugegeben, der Berufsausweis sieht ziemlich schnittig aus und zeugt von der Wichtigkeit eines Trägers. Da kann sich der Träger des Ausweises sich gleich doppelt so groß fühlen, als er als kleines Würstchen im Räderwerk der Wirtschaft wirklich ist. Der Ausweis ist ja auch schön und hinten drauf steht, was sein Träger so alles kann, wie qualifiziert er ist. Ein Ausweis, der von so vielen Qualifikationen seines Trägers kündet verspricht sicher ein hohes Honorar. Die Kunden werden dem Träger des Ausweises sicher zu Füßen liegen. Nun gut: Nehmen wir theoretisch mal an, es sei so. Der Ausweis macht seinen Träger zum Gottvater des Wissens in seinem Spezialgebiet. Da möchte ich Euch aber eine kleine Geschichte erzählen von Norbert dem Schweißer.

Norbert der Schweißer

Norbert ist Druckschweißer, ein sehr talentierter Schweißer mit einer ruhigen Hand und mit viel Liebe zu seinem Beruf. Er hat auch auch schon bei Schweißwettbewerben die Vorderen Plätze belegt.  Ihr wisst nicht, was ein Druckschweißer ist? Ein Druckschweißer ist ein Schweißer, der die Schweißerprüfung alle 2 Jahre ablegen muss, um dann Behälter schweißen zu dürfen, die unter Druck stehen. Solche Schweißer werden im allgemeinen sehr gut bezahlt, da zum Schweißen einerseits handwerkliches Talent und zum anderen aus Gründen der Sicherheit eine gewisse Qualität der Schweißnäte nötig ist.

Also Norbert ist ein solcher Druckschweißer, ist aber in einer Leiharbitsfirma zu einem Hungerlohn beschäftigt, so wie es heute modern ist. Das dumme ist nun, dass bald seine Schweißerprüfung ablaufen wird und dass er aufgrund seines modernen Gehalts keine 10000 € übrig hat, um seine Schweißerprüfung ablegen zu dürfen. Das ist jetzt aber dumm gelaufen … Die Institute, die die Schweißerprüfung abnehmen sind die Eigentümer der Lebensgrundlage „Schweißerhandwerk“ und sie bestimmen, wer schweißen darf und wer nicht. Norbert wird bald nicht mehr als Schweißer arbeiten dürfen und durch den Ablauf seiner Schweißerprüfung eine moderne Art des Berufsverbots zu spüren bekommen.

Berufsausweise – Die Monopolisierung der Lebensgrundlage „Beruf“

Merkt Ihr was? Wenn ich also einen Berufsausweis habe, dann bestimme nicht ich, was in dem Berufsausweis steht. Wenn ich mir selbst autodidaktisch Qualifikationen aneigne und wunderbare Projekte realisiere wird das nicht in meinem Berufsausweis stehen. Ich muss irgendein Institut bitten, das es mir meine autodidaktisch erworbene Qualifikation in den Ausweis schreibt. Einen Rechtsanspruch darauf habe ich nicht. Wahrscheinlich werde ich für zusätzliche Eintragungen in den Berufsausweis viel Geld zahlen müssen. Wo ohne Berufsausweis die Reputation wichtig ist, kann jeder einzelne, auch wenn er wenig Geld hat, an seinen Fähigkeiten arbeiten und man wird ihm seine Fähigkeiten auch anerkennen. Durch den Berufsausweis wird der Einzelne zum Bittsteller, der gefällgist das zu machen hat, was Leute an Schreibtischen ihm befehlen.

Die neue Diktatur

Ich sage immer: „Schreiende, kleine, wahnsinnige Männer in brauner Uniform am Rednerpult sind out – Monopolisierung der Lebensgrundlagen ist in!“ Überall wo man hinsieht werden Lebensgrundlagen monopolisiert. Einige Beispiele möchte ich Euch nennen:

  • Berufsausweise – Monopolisierung der Berufe
  • Urheberrecht – Monopolisierung der Kultur
  • Patente auf Erbgut -Monopolisierung des Lebens
  • Schulabschlüsse – Monopolisierung der Bildung
  • Kirchen – Monopolisierung des Glauben
  • CO2 Zertifikate – Monopolisierung der Luft
  • Biometrische Ausweise – Monopolisierung der Identität und des eigenen Körpers
  • Parteien – Monopolisierung der politische Meinung
  • Massenmedien – Monopolisierung der Berichterstattung
  • Telefongesellschaften – Monopolisierung der Telekommunikation
  • Beutekriege – Monopolisierung der Rohstoffe
  • Niedrige Löhne – Monopolisierung der Lebenszeit
  • Zensur – Monopolisierung der Meinungsfreiheit
  • Große Konzerne – Monopolisierung der Produktionsmittel, und des Saatguts
  • Patente – Monopolisierung von Technologie
  • GEMA – Monopolisiert der Kunst
  • Fallen Euch noch andere Beispiele ein? Schaut Euch einfach mal um…

Die Monopolisierung der Lebensgrundlagen ist die Basis für die Diktatur, die heute in dieser Welt herrscht. Als in früheren Zeiten Regierungen mit Gewalt über das Volk herrschten, haben sie sich mit der Zeit den Zorn der Menschen zugezogen und wurden gestürzt. Heute sind es nicht mehr Regierungen, die die Menschen beherrschen. Heute sind es Strukturen der Monoplisierung die die Lebensgrundlagen der Menschen kontrollieren. Die Menschen machen, was man von ihnen möchte, um an den Lebensgrundlagen teilhaben zu dürfen. Ihren Zorn über die Ausbeutung aber, können sie nur noch gegen sich selbst richten.

Was kann der einzelne dagegen tun?

  • Schaffung eigener Lebensgrundlagen gemeinsam mit Freunden und bekannten in der Region.
  • Offizielle Ablehnung von Berufsausweisen.
  • An seinen eigenen Fähigkeiten und Projekten arbeiten, unabhängig davon, ob andere Menschen das anerkennen
  • Darauf vertrauen, dass Menschen die Fähigkeiten anderer Menschen anerkennen. Meiner Erfahrung nach erkennen die Menschen die Fähigkeiten anderer Menschen gerne an, wenn wie diese persönlich kennen.

Es ist im Grunde genommen wie auf dem Kinderspielplatz. Wenn ein Kind mit einer leckeren Schokolade auftaucht, weckt es die Aufmerksamkeit der anderen Kinder. Mit den eigenen Fähigkeiten ist das genau so, wenn die Fähigkeit wie leckere Schokolade ist, die jedem schmeckt.

Auf einer kleinen Insel in Polynesien versucht ein engagiertes, internationales Netzwerk einen Neuland-Modellstaat als praktisches Beispiel aufzubauen:

Insel Moorea

Demokratie oder so

Wie war das doch gleich …

da gibt’s doch so ein so ein Stück Papier … wie heißt das noch mal  ….. ahh ich hab’s : Das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland. Fast hätte ich das Ding schon vergessen, da es irgendwie zu einem Stück Papier wird, auf dem man mit Füßen herumtritt und dass ständig irgendwie geändert wird. In besagtem Grundgesetz gibt es doch so einen Artikel. Da geht es irgendwie um Meinungsfreiheit in Wort, Schrift und Bild und so. Ich glaube, das steht im  Artikel 5.

So…

…. jetzt Guckt Euch doch mal dieses Video vom Bundestag auf youtube und erlebt euer blaues Wunder, wie wandlungsfähig unsere Demokratur ist.

Damals in der Schule

Ich hatte einen Geschichtslehrer, der hatte uns in der Geschichtsstunde mal gefragt, ob denn Stalin ein Verständnis von Demokratie hatte. Alle in der Klasse sagen natürlich „Nein – Stalin war doch ein Diktator!“ Unser Geschichtslehrer widersprach uns mit den Worten „Doch, Stalin hatte durchaus ein Verständnis von Demokratie, aber ein anderes als wir es haben.“ Ich möchte jetzt selbstverständlich nicht unsere Bundespolitiker mit Stalin vergleichen – nein – niemals – dazu müssten die sich schon etwas mehr anstrengen. Wie heißt es aber so schön: „Übung macht den Meister.“ Auf jeden Fall verstehe ich jetzt viel besser, was mein Geschichtslehrer meinte…

Entwicklungshilfe

Entwicklungshilfe weit, weit weg

Ich sitze hier in meiner warmen Wohnung an meinem Schreibtisch und lasse gerade Gedanken Revue passieren, die mich seit den Gesprächen mit Ingenieuren beschäftigen, die Entwicklungshilfe betreiben. Diese Ingenieure bauen Zisternen und setzen sich für die Weitergabe von technischem Wissen ein. Dabei wächst in mir das Bedürfnis, auch etwas tun zu müssen und so denke ich darüber nach, auch irgendwie weit weit weg zu fahren, vielleicht nach Afrika oder Südamerika zu Menschen, von denen ich glaube, dass man ihnen mit Technik helfen kann. Sicher ist es eine gute Sache, anderen Menschen zu helfen und Leiden zu lindern, aber irgendwie spüre ich, dass dies nicht mein Weg ist.

Ich frage mich immer wieder, warum es vielen Menschen in anderen Ländern weit, weit weg so schlecht geht, warum viele von ihnen kein Wasser und kaum etwas zu Essen haben, warum sie täglich um ihre Existenz fürchten müssen. Ich denke, dass viele Dinge auf der Welt deshalb schief laufen, weil die Menschen in diesen Ländern durch die Gesellschaft, in der ich lebe, ausgebeutet werden. Ich bin ein Teil der Gesellschaft, die andere Menschen ausbeutet und bin irgendwie an der Ausbeutung beteiligt. Ich kaufe zwar meinen Kakao, meistens im Fair Trade Laden in der Stadt, aber irgendwie kommt mir das vor wie Schuldmanagement. Ich versuche, so wenig schädlich wie möglich zu sein, aber eigentlich ist der Versuch, möglichst wenig schädlich zu sein ziemlich unsinnig. Ich habe das Gefühl, dass ich die falsche Frage stelle. Was ist eigentlich die Frage? Warum beute ich indirekt über sieben Ecken den Rest der Welt aus, obwohl ich das gar nicht will?

Entwicklungsländer – und eine gewagte These

Was sind Entwicklungsländer? Wer stellt sich jetzt nicht viele dunkelhäutige Menschen vor, die in solchen „Entwicklungsländern“ von Hilfslieferungen leben, so wie man es aus dem Fernsehen kennt? Ich denke, hier steckt ein Dankfehler. Darum möchte ich versuchen, einmal umgekehrt zu denken und die Vorstellung vom Entwicklungsland einmal bei Seite zu legen.

Was wäre, wenn nicht die Länder weit, weit weg die Entwicklungsländer sind sondern die sogenannten Industrieländer, also auch Deutschland? Warum brauchen die Industrieländer Entwicklungshilfe, wo die Menschen dort doch alles haben, was sie sich nur wünschen können? –  Stop – Haben die Menschen alles, was sie zum Leben brauchen? Ich denke, hier bin ich auf einen weiteren Gedankenfehler gestoßen. Die Menschen in den Industrieländern haben von dem, was sie zum Leben brauchen fast gar nichts. Klingt komisch oder?

Bin ich jetzt etwa völlig übergeschnappt? – ich denke nicht. Die Menschen in den Industrieländern kaufen sich das, was sie zum Leben brauchen mit Geld. Wer ist Hier in Deutschland Eigentümer des eigenen Hauses? Wer ist Eigentümer seines eigenen Ackers? Wer ist Eigentümer seiner Nähmaschine, seines kreditfinanzierten Autos, seines Abwassers, seines Giftmülls? Die Dinge, von denen wir in den Industrieländern leben liegen weit, weit weg von uns. Wir haben meist keinen Bezug zu dem was weit, weit weg von uns liegt und so bekommen wir die Auswirkungen unseres Fehlverhaltens überhaupt nicht mit. Hier liegt ein wichtiger Sachverhalt.

Entwicklungshilfe für die Industrieländer

Die Ressourcen der Industrieländer sind so konstruiert, dass sie groß sein müssen und sie sind so konstruiert, dass sie dazu neigen, nur einigen wenigen Menschen zu gehören. Deshalb habe ich mich für einen anderen Weg entschieden: Ich will Entwicklungshilfe für mich selbst und für das Industrieland Land leisten, wo ich Lebe. Ich werde versuchen meine Ressourcen so weit es mir möglich ist so zu konstruieren, dass sie dazu neigen klein zu sein und vielen Menschen zu gehören. So bekomme ich die Auswirkungen meines Fehlverhaltens direkt mit und bin nicht gezwungen, so viel Unsinn zu machen, ohne es zu merken. Dann sind der Unsinn, oder die guten Dinge, den ich mache auch nicht mehr weit,weit weg sondern in dem Dorf, in dem ich lebe. Wenn ich damit Erfolg habe, werden andere Menschen das, was ich tue nachmachen.

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